Regionale Geologie von Rajasthan mit Granatfundorten in hell rosa markiert (Tonk). (Karte: mit freundlicher Gehnehmigung von GeologyData.info zur Verfügung gestellt)

Almandine Granat aus Tordi, Tonk Distrikt, Rajasthan, Indien. (Foto: mit freundlicher Gehnehmigung von Ryan Eagle zur Verfügung gestellt)

 

Granat in historischen und archäologischen Quellen aus Südasien

Das indologische Teilprojekt des Zellwerks wird sich im Wesentlichen mit zwei thematischen Schwerpunkten befassen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Übersetzung und Auswertung jener schriftlichen Quellen, in welchen das mittelalterliche Wissen in Südasien über die Edelsteine und ihre spezifischen Wirkweisen dargelegt sind. Bei diesen Quellen handelt es sich vor allem um im Stil wissenschaftlicher Abhandlungen verfasster Texte in Sanskrit, in denen neben der Herkunft der Steine und ihrer charakteristischen Merkmale auch jene Legenden thematisiert werden, mit denen die jeweiligen Edelsteine in Verbindung gebracht werden. Mit dem Ziel, einen Wandel in der Rezeption insbesondere des Granates nachzuvollziehen, sollen Textquellen aus der Zeit zwischen dem 6. und 13. Jahrhundert nach Christus beleuchtet werden.

Soweit es die Quellenlage vor Ort erlaubt, sollen weitere Textgattungen wie Berichte und Korrespondenzen über den Handelsverkehr ebenfalls hinzugezogen und untersucht werden. Die Auswertung dieser nicht-literarischen Quellen bereichert das zuvor entstandene Bild über die Qualitäten des Granates und ermöglicht einen tieferen Einblick auch in die wirtschaftliche Bedeutung des Granathandels für die damalige Zeit in Südasien. Der zweite Fokus liegt der systematischen Suche nach archäologischen Zeugnissen in Südasien, welche mit dem Granatabbau, der Weiterverarbeitung und schließlich dem Handel in Verbindung gebracht werden können. Ausgehend von den Ergebnissen der naturwissenschaftlichen Analysen der einzelnen Objekte (Vorarbeit RGZM etc.) soll in Rajasthan der Weg des Edelsteins von der Mine bis zum Hafen nachvollzogen werden. Von besonderem Interesse ist hier der Zwischenschritt der Verarbeitung des Granats in den örtlichen Edelsteinschleifereien. Auch die noch heute angewandte Technik der Verarbeitung des Granates soll vor Ort dokumentiert und mit den aus dem Mittelalter überlieferten Techniken verglichen werden. Die Ergebnisse aus der Untersuchung der literarischen Textquellen aus Südasien fließen mit den Ergebnissen von Stefan Albrecht und Jörg Drauschke zusammen.

In enger Kooperation wird das Ziel verfolgt, eine Veränderung der Rezeption des Granatsteines auf dem Weg von Südasien nach Europa nachzuzeichnen. Ebenso soll die Frage nach dem lokalen „Wert“ und der lokalen „Qualität“ beantwortet werden. Mit dem Ziel, die Frage nach dem Ort und der Verarbeitungstechnik des Granates zu beantworten, werden die Ergebnisse der Untersuchung der archäologischen Quellen aus Südasien mit den Analysen von Susanne Greiff, Alexandra Hilgner, Dieter Quast, Eszter Horvath und Elke Nieveler zusammenfließen