Neues aus den Museen 

Nachbau einer antiken römischen Orgel nach einem archäologischen Fund aus Budapest (Ungarn) (Foto: Fa. Schuke / K.-M. Schreiber)



Neuste Objekte: Orgelnachbauten im Museum

Seit Sommer 2013 befinden sich zwei neue Objekte in unserer Ausstellung: Die beiden Orgelnachbauten einer römischen und einer byzantinischen Orgel wurden im Zuge eines Forschungsprojektes nach eingehenden Studien von Originalquellen erstellt. Sie sind sogar bespielbar.

Beide Orgeln sind in den Dauerausstellungen des Römisch-Germanischen Zentralmuseums im Kurfürstlichen Schloss zu besichtigen.

Der Nachbau einer »Byzantinischen Doppelorgel«

Der Nachbau einer Byzantinischen Doppelorgel entstand vorrangig nach Bild- und Textquellen des Mittelalters unter Verwendung der aus den archäologischen Funden erhaltenen Informationen.

In Byzanz fand die Orgel bei öffentlichen Veranstaltungen und im Hofzeremoniell Verwendung. Sie hatte Bedeutung beim Kulturtransfer, sowie in der Diplomatie. So schenkte im Jahre 757 Kaiser Konstantin Kopronymos eine kleine Orgel an den Frankenkönig Pippin den Jüngeren. Im Jahre 826 hat ein vermutlich byzantinischer Geistlicher aus Venedig eine »Orgel nach Art der Griechen« in Aachen installiert. Schrift- und Bildquellen zeigen zudem die Verwendung der »Doppelorgel«, oftmals bestehend aus zwei getrennten Instrumenten. Auf musikalischer Ebene kann dies ein Hinweis auf eine Bordunpraxis (Orgelpunkt) sein.

Der RGZM-Nachbau besitzt insgesamt 34 Pfeifen. Diese verteilen sich auf eine Melodieorgel mit zwei koppelbaren Registern mit 26 Pfeifen im tonalen Umfang einer Duodecime und eine Begleitorgel mit 8 Pfeifen im Umfang einer Septime. Die Bauart der Pfeifen ist im heutigen Orgelbau unbekannt.

Nachbau einer antiken römischen Orgel nach einem archäologischen Fund aus Budapest (Ungarn)

Der spielbare Nachbau einer römischen Orgel geht auf einen Originalfund aus Aquincum (Budapest, Ungarn) zurück. Laut zugehöriger Inschrift stiftete sie 228 n. Chr. der Stadtrat Caius Iulius Viatorinus, Chef der städtischen Feuerwehr (praefectus collegii centonariorum) und vormals Leiter des Ordnungsamtes (aedilicius), dem Kollegium Feuerwehr. Im Schutt des damals abgebrannten Feuerwehrhauses blieben die Metallteile fast vollständig erhalten.

In der Antike gab es sogenannte Wasserorgeln, sowie Orgeln, welche mit Bälgen betrieben wurden. Das hydraulische System gab dem Instrument seinen Namen: hydraulis oder in dieser Inschrift: hydra. Beschrieben wurde das System von Vitruv (1. Jh. v.Chr.) sowie Heron von Alexandria (1. Jh. n.Chr.). Antike Bildquellen zeigen Orgeln häufig zusammen mit Blasinstrumenten beim gemeinsamen Spiel. Die Orgel erklang oft bei großen Veranstaltungen, z.B. im Amphitheater zur musikalischen Umrahmung der Gladiatorenkämpfe. Im Kult hingegen fand sie keine Verwendung.

Die Aquincum-Orgel besitzt insgesamt 52 Pfeifen. Diese teilen sich auf vier koppelbare Register zu jeweils 13 Pfeifen auf. Drei Pfeifenreihen sind gedackt, in ihnen stecken Stöpsel aus Eichenholz, und eine ist offen. Die Bauart der Pfeifen ist mit keiner heutigen Orgelbautradition vergleichbar. Ihr Tonvorrat wird bis heute diskutiert. Unser Nachbau ist chromatisch und verläuft in 12 Halbtonschritten innerhalb einer Oktave. Diese Vermutung wird u.a. durch antike Schriftquellen unterstützt.

Beide Musikinstrumente wurden in Zusammenarbeit mit der Orgelbaufirma Alexander Schuke Potsdam-Orgelbau GmbH (Werder/Havel, Deutschland) verfertigt und folgen den Recherchen und Entwürfen durch Susanne Rühling und Michael Zierenberg.

Link