Ausbreitung der Landwirtschaft vom Nahen Osten bis zu den britischen Inseln mit Daten v. Chr. (cal BC) (Grafik: RGZM / D. Gronenborn 2012).

Zeichnungen aus dem Handskizzenbuch Ludwig Lindenschmidts d. Ä. Dargestellt sind Funde aus dem Gräberfeld am Hinkelstein.

Entstehungszentren von Landwirtschaft und Viehzucht mit Daten v. Chr. (cal BC).



Studien zur Dynamik neolithischer Gesellschaften (nlDynamics)

Das Neolithikum ist eine der wesentlichen Übergangsperioden in der Menschheitsgeschichte, in der es nicht nur zur Entstehung und Ausbreitung der Landwirtschaft und zur Etablierung einer weitgehenden Sesshaftigkeit kommt, sondern auch erste komplexe sozio-politische Systeme entstehen. Am RGZM werden die Dynamiken dieser Übergangsperiode vorerst in einem um Mainz gelegenen Arbeitsgebiet (Mittelrhein-, nördlicher Oberrhein, Wetterau, Lahntal) untersucht. Ein spezielles Augenmerk ist gerichtet auf Krisenphasen, in denen es zu Zusammenbrüchen und Neukonstituierungen kommt. 

Den Forschungen liegt die Hypothese zugrunde, dass sich in der Entwicklung neolithischer Gesellschaften Phasen kultureller Stasis mit solchen beschleunigter Entwicklung abwechseln, und letztlich neolithische Gesellschaften Zyklen unterliegen. Sie pendeln zwischen Idealtypen wirtschaftlicher Ausrichtung, sozialen Strukturen und politischen Organisationsformen auf und ab. Diese Entwicklungslinien werden durch Krisenphasen unterbrochen oder beschleunigt, einmal gesellschaftsinterner aber auch -externer Ursache. Zu den ersten zählen soziopolitische Dynamiken, zu den letzteren auch klimatisch induzierte Umweltkrisen.

Der Forschungsschwerpunkt wird begleitet durch Feldforschungen im Rhein-Main-Gebiet, derzeit zur Michelsberger Kultur (Langfristvorhaben Kapellenberg) und zur Linienbandkeramischen Kultur (Langfristvorhaben Kilianstädten). Mittelfristig sind zudem GIS-basierte Modellierungen zur Umweltnutzung und -bilanz der frühen bäuerlichen Gesellschaften im gemäßigt klimatischen Waldland vorgesehen.

Die Grundlagenforschung besteht, in enger Zusammenarbeit mit den Denkmalämtern, in archäologischer Feldarbeit und in der Materialanalyse. Das Arbeitsgebiet wird so sukzessive flächendeckend und chronologisch gut aufgelöst aufgearbeitet. Diese Daten gehen in eine Datenbank ein.

Bestandteil des Forschungsschwerpunktes sind Abschlussarbeiten an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Vor- und Frühgeschichte).