Die Wagenbeigabe aus dem Grab von Karanovo mit Pferdeskeletten (Foto: RGZM / M. Scholz)

 

Archäologische Studien zu Austausch- und Anpassungsprozessen in Grenzzonen

Durch das politische Zusammenwachsen Europas haben die nationalen Grenzen im täglichen Leben an Bedeutung verloren, was den wirtschaftlichen und kulturellen Austausch deutlich fördert. Der vielschichtige Kontakt Alteingesessener und Fremder führt dabei zu tiefgreifenden gesellschaftlichen und zivilisatorischen Veränderungen. Die kulturelle Auseinandersetzung verschiedener Gruppen miteinander lässt einerseits neue Lebensgewohnheiten entstehen und andererseits Rückbesinnungen auf traditionelle Werte begründen. Ähnliche Phänomene lassen sich in vergangenen Epochen beobachten, wobei sich der Austausch damals vornehmlich auf Grenzregionen und große Zentren beschränkte.

Vor dem Hintergrund der neuen Ausrichtung des RGZM, verstärkt aktuelle Probleme und deren Auswirkungen aufzugreifen und dann vergleichbare Erscheinungen in der Vergangenheit archäologisch zu untersuchen, bietet sich dieses Thema als Forschungsschwerpunkt an. Archäologisch lassen sich sowohl Personen-, Waren-, Technologie- und Ideentransfer anhand verschiedener Quellengattungen vergleichsweise gut nachweisen, als auch die Reaktion der Menschen auf fremde Kulturgüter bzw. Lebensformen fassen. Für die Arbeiten der Römischen Abteilung und teilweise auch für das Frühmittelalter können Schriftquellen ergänzend hinzugezogen werden.

Ziel ist es, die unterschiedlichen Anpassungsprozesse erstmals diachron anhand ausgewählter, sich ergänzender Einzelprojekte zu untersuchen. Dabei stehen kulturelle, politische und naturräumliche Grenzen im Mittelpunkt. Die Fallbeispiele beleuchten verschiedene Phänomene und tragen dazu bei, mosaiksteinartig die Kernfragen des FS zu beantworten. Diese gelten vor allem den Bereichen des alltäglichen und religiösen Lebens, in denen ein einseitiger oder wechselseitiger Austausch zwischen Bevölkerungsgruppen stattfand.

Mittelfristig stehen folgende Phänomene im Vordergrund:

  • Handel und Güteraustausch in Grenzzonen
  • Mechanismen und Träger kultureller Ausbreitung; wechselseitige Anpassungsprozesse
  • Einfluss naturräumlicher und politischer Grenzen
  • Rückbesinnung auf alte Traditionen