Gusstiegel aus den Buntmetallwerkstätten im Hanghaus 2 in Ephesos (Foto: ÖAI / Niki Gail).

Vollständig erhaltene Gussform aus der Buntmetallwerkstatt im Raum 46 des Hanghauses 2 in Ephesos (Foto: ÖAI / Niki Gail).

Stark verschlacktes Objekt (gehörte vermutlich zu einem Ofen) aus der Buntmetallwerkstatt im Raum 46 des Hanghauses 2 in Ephesos (Foto: ÖAI / Niki Gail).

Halbfabrikat: Falsch gegossener Dorn mit erhaltenem Gusszapfen (Foto: ÖAI / Niki Gail).

Fertigprodukt der Buntmetallwerkstatt in der Taberna III: Frühbyzantinische herzförmige Schnalle (Foto: ÖAI / Niki Gail).

 

Buntmetallverarbeitung in Ephesos in byzantinischer Zeit

Ephesos liegt in der heutigen türkischen Provinz Izmir. Die antike Kernsiedlung befindet sich im ursprünglichen Mündungsgebiet des Flusses Kücük Menderes (Kaystros), der bis ins Mittelalter über direkten Zugang zur Ägäis verfügte, und ist umrahmt von den Hügeln Panayır Dağ im Norden und dem Bülbül Dağ im Süden. Aufgrund ihrer strategischen als auch wirtschaftlichen Gunstlage spielte die antike Stadt sowohl in der kaiserzeitlichen Provinz Asia Minor als auch später im byzantinischen Thema Thrakesion eine führende Rolle. Bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurden von Österreich feldarchäologische Forschungen in Ephesos durchgeführt, allerdings zunächst mit längeren Unterbrechungen. Seit dem Jahr 1956 werden die Grabungskampagnen unter der Leitung des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI) jährlich fortgesetzt, wobei das wissenschaftliche Interesse für das spätantike und byzantinische Kulturerbe erst in den letzten Jahrzehnten gestiegen ist. Im Mittelpunkt des Projektes steht das so genannte Hanghaus 2, das ab der römischen Kaiserzeit eine Residenz der höchsten gesellschaftlichen Schichten in Ephesos war. Nach Zerstörungen durch Erdbeben im drittel Viertel des 3. Jahrhunderts wurde seine ursprüngliche Pracht nie wieder hergestellt, sondern man hat mehrere Räume zugemauert und mit Schutt aufgefüllt bzw. bestimmte Wohneinheiten (provisorisch) adaptiert.

Im Rahmen des Projektes werden jene Funde (bzw. Befunde) – überwiegend aus Altgrabungen inner- bzw. teilweise außerhalb von Ephesos –, die ab der Mitte des 5. Jahrhunderts mit der Metallverarbeitung in Verbindung gebracht werden können, mit besonderer Berücksichtigung ihres Fundkontextes, in Kooperation mit dem ÖAI und dem Institut für Kulturgeschichte der Antike (ÖAW) sowohl aus kulturgeschichtlicher als auch komplexer naturwissenschaftlich-feinschmiedetechnischer Hinsicht ausgewertet. Der Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Hanghaus 2, wo im 6/7. Jahrhundert ein neues Werkstattviertel entstanden ist (vgl. Mühlenkomplex und Steinsäge-Projekt). Östlich, direkt neben dem Stein verarbeitenden Betrieb, im Raum 46, sind fragmentarisch und vollständig erhaltene Gusstiegel, Gussformen und die Neben- bzw. Fertigprodukte einer Buntmetallwerkstatt zum Vorschein gekommen. Ähnliche Funde kamen (wenn auch in wesentlich geringerem Umfang) während der Ausgrabung der etwa 20 m südöstlich mit direkter Zugang zum Embolos gelegenen Taberne III vor. Schließlich belegen Gusstiegelfragmente, die nördlich des Embolos (Kuretenstraße) aufgefunden worden sind, die Tätigkeit von Buntmetallschmieden auch in diesem Areal um die zweite Hälfte des 5. Jahrhunderts, vermutlich in Zusammenhang mit den Tabernen der Nordhallen, in denen Verkaufslokale und Werkstätten vorhanden waren.

Das primäre Forschungsziel besteht darin, die Eigenschaften dieser frühbyzantinischen Werkstätten zu charakterisieren, wobei die Bestimmung des Produktionsspektrums und die angewandten Techniken im Mittelpunkt stehen. Diesbezüglich wird z. B. das Volumen der Gusstiegel berechnet, damit der Metallbedarf und somit die Produktivitätsgrenzen der metallverarbeitenden Werkstätten bestimmt werden können. Außerdem werden naturwissenschaftliche Untersuchungen erstens an den erhaltenen Metallresten in den Tiegeln und zweitens an ausgewählten Buntmetallobjekten durchgeführt, damit Tendenzen in dem verwendeten Metallspektrum nachgewiesen werden können.

Förderung

Promotionsstipendium des RGZM