Zeilsheim. Auswahl von Steinfragmenten in der Restaurierungswerkstatt des Archäologischen Museum Frankfurt a. M.

Zeilsheim. Attiskopf.

Zeilsheim. Zügel haltender Pferdeknecht (calo) bei der Pferdevorführung.

Zeilsheim. Eckpilaster und Nischenansatz des Obergeschosses.

Zeilsheim. Kapitellfragment vom Sockelgeschoss.

Zeilsheim. Einsatz des Streifenlichtscanners im Archäologischen Museum Frankfurt. Die digitale 3D-Dokumentation der wichtigsten ca. 150 Fragmente des Grabbaus schuf eine ideale Datenbasis und ermöglichte eine ortsunabhängige Auswertung.

Zeilsheim. Digitale Vermessung und Umzeichnung vom 3D-Scan eines Kapitellfragments.

Zeilsheim. Rekonstruktion des Grabbaus mit der Position der aussagekräftigsten erhaltenen Trümmer.

Zeilsheim. Der Schacht mit verlochten Fundamentblöcken des Grabbaus.

Zeilsheim. Grab mit Gefäßbeigaben in situ.

 

Der römische Grabbau von Frankfurt-Zeilsheim – Neuer Grabmaltyp für neue Oberschicht

2004 wurde in Frankfurt-Zeilsheim das Gräberfeld einer römischen Villa ausgegraben. Besonderheiten unterscheiden es von anderen Friedhöfen des Limesgebiets: der frühe Beginn um 70/80 n. Chr., die prominente Lage nahe der Hauptstraße Mogontiacum-Nida und der älteste Grabbau rechts des Rheins.

Selten sind steinerne Grabbauten und ihre zugehörigen Gräber wie hier gemeinsam überliefert. Die Methoden der Klassischen und Provinzialrömischen Archäologie (Stilanalyse bzw. Gräberchronologie) können so korreliert werden. Die Rekonstruktion des Grabbaus erfolgte auf Basis von 3D-Scans der Bruchstücke und computergestützter Modulation. Durch die Auswertung des Grabbaus und der Gräber gelingt die Skizze des Lebensbildes einer Oberschichtfamilie im rechtsrheinischen Obergermanien von ihrem Aufstieg um 120 n. Chr. bis zu ihrem Fall um 200 n. Chr.

Ergebnisse

Die über 500 Bruchstücke von Architektur, Reliefs und Skulpturen stammen von einem ca. 8 m hohen Grabbau. Errichtet um 140/160 n. Chr., handelt sich um ein frühes Exemplar einer am Rhein weiterentwickelten Form hellenistischer Mausoleen. Das Zeilsheimer Denkmal ist ein selten fassbarer Übergangstypus sowohl hinsichtlich der Architektur als auch des Bildschmucks. Die Grabinschrift fehlt, doch aus den Reliefresten lässt sich erschließen, dass der Auftraggeber Reitersoldat war, der bei seiner ehrenvollen Entlassung das römische Bürgerrecht erhielt (Toga, Testamentrolle). Ein außergewöhnliches Gesichtsgefäß mit Inschrift barg die nächstliegende und zugleich reichste Bestattung. Die Buchstabenreste RAT<I>ARIOR(um) geben möglicherweise einen Hinweis auf die Tätigkeit des Veterans als Flößer. So ließe sich verstehen, warum der Grabherr auf verschiedene Sandsteinvorkommen (Bad Vilbel bzw. Odenwald/Pfalz) zugreifen konnte.

Bei der Auswertung von Grabsitte und -beigaben überrascht, dass der Friedhof markante Unterschiede zu den Gräberfeldern der 12 km entfernten civitas-Hauptstadt Nida aufweist, z.B. die Beigabe von Glas- und Sigillatagefäßen, Terrakotten, Lampen und Münzen betreffend. Keltische Elemente, wie z.B. Geschirrsets und Trachtaccessoirs, legen nahe, dass in Zeilsheim eine gut romanisierte Einwandererfamilie aus Ostgallien (Treverergebiet?) bestattete. Umbrüche in der Grabsitte (z.B. Rückgang der Urnen, Reduktion der Ausstattungen) Anfang des 2. Jhs. folgten hingegen allgemeinen Trends. Die mediterrane Spendesitte ist durch Krüge durchgängig belegt.

Ende des 2. Jhs. brach das Gräberfeld ab. Der Grabbau wurde demontiert, die wieder verwendbaren Quader weitgehend abtransportiert. An der Stelle des ausgebrochenen Fundaments wurde ein tiefer Schacht gegraben, in dem man die übrigen Trümmerteile verlochte. Diese rituelle Maßnahme „letzter Pietät“ ist vermutlich einem Besitzerwechsel geschuldet. Lesefunde der nur prospektierten Siedlung belegen, dass die Villa noch im 3. Jh. bestand.