Karte mit Arbeitsgebieten der jeweiligen beteiligten Institutionen (RGZM/Uni Mainz: Glauberg, Kapellenberg, Urmitz, Mayen) und Rohmaterialquellen (Salz; Silex) (Karte: L. Manolakakis; J. Dubouloz; O. Weller).

Arbeitsgebiet nördlicher Oberrhein und Mittelrhein (Richter / Gronenborn 2010).

 

Die Anfänge sozialer Komplexität: Erdwerke, Rohstoffnutzung und Territorialität im Neolithikum. Deutsch-französische Forschungen zur Michelsberger Kultur (MK-Projekt)

Seit März 2010 besteht ein Gemeinschaftprojekt zwischen dem CNRS, der RGK, dem Landesdenkmalamt Sachsen-Anhalt und dem RGZM, gefördert von der Agence National der Recherche und der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Ziel dieses Projektes ist die Aufarbeitung von Fundprovinzen der Michelsberger Kultur zwischen der Normandie und dem Aisne-Tal im Westen sowie Sachsen-Anhalt im Osten (Abb. 1).

Untersuchungen in Hessen und Rheinland-Pfalz

Diese Landschaften bilden die Endpunkte einer Achse durch das Michelsberger Kulturgebiet. Die Forschungen des RGZM und der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz sind auf Fundplätze der Michelsberg Kultur in Hessen gerichtet. Insbesondere sind dies der Glauberg in der Wetterau sowie der Greiffenberg bei Limburg an der Lahn. Mit einbezogen in die Studien ist auch die Dissertation von Sabine Kuhlmann zur Michelsberger Kultur im Neuwieder Becken sowie die bereits abgeschlossene Arbeit von Nadine Richter zum Kapellenberg bei Hofheim.

In der Region zwischen der südlichen Kölner Bucht und dem nördlichen Oberrhein sowie dem Moseltal und dem Vogelsbergmassiv ist die Michelsberger Kultur mit mehreren gewaltigen Erdwerken vertreten, so etwa Urmitz, der Kapellenberg aber auch der Glauberg, möglicherweise auch Schierstein (Abb. 2). 

Bei diesen Anlagen dürfte es sich um die heute meist leider sehr stark zerstörten Überreste der ehemaligen politischen, wirtschaftlichen und vielleicht auch sakralen Zentren handeln. Die Befundsituation am Kapellenberg legt zumindest nahe, daß solche gewaltigen Anlagen im Innern Häuser aufwiesen und somit befestigte Siedlungen waren. Deutlich wird auch ihre verkehrsgünstige Lage direkt an Flußläufen oder aber Altwegen.

In keiner anderen Region des Michelsberger Verbreitungsgebietes finden sich derart große Siedlungen wie im Rhein-Main-Gebiet und im Neuwieder Becken; daher mögen diese Landschaften im Zentrum der jüngeren Michelsberger Kultur gestanden haben. Neben den Megaanlagen, die ähnlich wie die viel später entstandenen eisenzeitlichen Oppida als frühstädtische Entwicklung interpretiert werden können, haben auch etliche kleinere befestigte Siedlungen existiert, so die Altenburg bei Rannstadt-Dauernheim oder unbefestigte Weiler wie der Wannkopf. Vieles spricht dafür, daß die kleineren Siedlungen in der Michelsberger Zeit nicht länger als wenige Jahrzehnte genutzt und dann wohl verlegt wurden. Inwieweit die Nutzungsfluktuation auch für die großen befestigten Anlagen gilt, ist noch unklar - die Gräben sind auf jeden Fall in Zyklen ausgehoben und erneuert worden.

Rohstoff Salz

Eine der wesentlichen greifbaren Ressourcen im Arbeitsgebiet nördlicher Oberrhein/Mittelrhein dürften die Salzquellen gewesen sein. Daher widmet sich ein Unterprojekt den damit verbundenen Fragestellungen wie Salzgewinnung und dem Salzhandel.

Finanzierung:

DFG