Originalbyzantinische Ohrgehänge mit ihren Nachahmungen. (1.: Káptalantóti, Gr. 22, GARAM 2001, Taf. V,2.; 2.: Szigetszentmiklós-Háros, Gr. 8., 3.: Neue Ausgrabung zwischen Makó und Magyarcsanád, Photo: http://www.mult-kor.hu/20110810_avar_kori_arany_fulbevalokat_talaltak).

Nach byzantinischen Vorbildern gefertigte Gürtelzierde. (Alattyán Gr. 175).

 

Die Beziehungen zwischen den Awaren und Byzanz aufgrund der archäologischen Quellen

Das Projekt befasst sich mit den kulturellen Beziehungen des Karpatenbeckens mit dem Mediterraneum während der Awarenzeit. Es besteht aus zwei Hauptteilen, das erste Forschungsthema befasst sich mit den weiblichen und männlichen Trachtgegenständen (Schmuck und Gürtelgarnituren), das andere mit der Problematik der sogenannten Gelben Keramik.

Trachtelemente

Aus der Frühawarenzeit kennen wir zahlreiche Funde „mediterraner” Herkunft, die Zuge der intensiven byzantinischen-awarischen Beziehungen in die Region gelangten. Die erste Zusammenfassung mit einem Katalog von „Funden mit byzantinischer Herkunft” hat Éva Garam 2001 publiziert. Davon ausgehend lassen sich – unter Berücksichtigung der seitdem gefundenen Gegenstände – die kulturelle Beziehungen der materiellen Hinterlassenschaft („italo-byzantinisch“, „pontisch-byzantinisch“) wie auch die Formen des Kulturtransfers und des Prozesses der Übernahme weiterführend erforschen. So liegen Gegenstände vor, die mit großer Wahrscheinlichkeit in mediterranen, „byzantinischen” Werkstätten gefertigt worden sind, bei den meisten handelt es sich aber eher um Arbeiten lokaler Goldschmiede. Obwohl es meistens schwer zu definieren ist, wo die genaue Grenze zwischen den fremden und lokal hergestellten Gegenständen liegt, sind die Phänomene des Kulturwandels und des Kulturtransfers evident. Ziel des Projekts ist, in der vielseitigen frühawarenzeitlichen materiellen Hinterlassenschaft die verschiedenen kulturellen Elemente zu fassen, und die Prozesse des Transfers insbesondere aus dem byzantinischen Reich zu charakterisieren. Dazu werden die Gegenstände vor allem im Hinblick auf Technologie und Typologie untersucht.

Keramik

Die Gelbe Keramik ist ein besonderer Fundtyp, der im Karpatenbecken nur in der Spätawarenzeit auftritt. Die gelbe Keramik stammt vor allem aus Gräbern, wobei sie anhand der anderen Beigaben (z. B. gegossener Gürtelbeschläge mit Greif- bzw. Rankenmotiven, spätawarischen Typen von Ohrringen und Perlen) datiert wird. Nur etwa 4 Prozent der spätawarenzeitlichen Grabkeramik sind der Kategorie der gelben Keramik zuzuordnen. Einige Bruchstücke der gelben Keramik fanden sich auch in zeitgleichen Siedlungen.

Mit der Gelben Keramik haben sich in den 1960en Jahren Éva Garam und Darina Bialeková beschäftigt. Bedauerlicherweise hat sich seitdem niemand speziell damit befasst, immerhin wird sie in dem Überblick „Die awarenzeitliche Keramik“ von Tivadar Vida (Budapest 1999) kurz behandelt.

Wie die genannten Forscherinnen festgestellt haben, ist die gelbe Keramik sechs regionalen Gruppen zuzuordnen. Aber gibt es wirklich sechs Zentren der Herstellung oder war diese Fundverteilung die Folge des damaligen Forschungsstandes? Weiters ist natürlich die Frage der Herkunft dieser Gefäßform sehr interessant. Kann man mit einem mittelasiatischen Ursprung rechnen? Entwickelte sie sich aus einer spätrömische Tradition heraus oder als Folge eines byzantinischen Einflusses? Ist es ein lokaler Keramiktyp? Und wo wäre dann ihr Ursprung? Warum gibt es in den Gräberfeldern mehr gelbe Keramik als in den Siedlungen? Welche Personen haben Gelbe Keramik ins Grab bekommen und warum?

Förderung

RGZM