Die Entwicklung des Zellwerks zwischen Indien und Byzanz

In diesem Teilprojekt geht es um Grundlagenforschung, nämlich um die Frage nach Ursprung und stilistischer Entwicklung des Cloisonnés zwischen Indien und Byzanz. Eine Zusammenstellung der publizierten Funde und einiger Objekte aus der Sammlung des RGZM aus diesem großen geographischen Raum wird hierzu – nach einer sorgfältigen chronologischen Gliederung – wichtige Einblicke liefern. Vergleiche der unterschiedlichen kulturellen Milieus, etwa dem Graeco-Baktrischen Reich, reiternomadischen Kontexten sowie dem Persischen Reich sollen die Arten des Transfers (Ideentransfer? Technologietransfer? Personentransfer?) klären. Somit wird es auch darum gehen, anhand des Fundmaterials die theoretischen Entwürfe zur Ausbreitung des Stils und zur Etablierung von Handelsrouten zu überprüfen. Von besonderer Bedeutung ist auch die Klärung der Frage, auf welchem Weg das Granatcloisonné in der Spätantike das Oströmische Reich erreichte, von wo es dann eine enorm rasche Verbreitung in Europa erfuhr.

Während die philologischen Teilprojekte den Anfangs- und wichtigsten Knotenpunkt des Granathandels anhand von Schriftquellen durchleuchten, beschreibt dieses Forschungsteilprojekt die archäologischen Hinterlassenschaften.

Vor allem aus den reiternomadischen Kontexten Zentralasiens liegen einige wichtige Fundkomplexe vor, die vor allem Änderungen bei den Steinfassungen und bei den Kombinationen von Granat mit anderen Schmuckmaterialien erkennen lassen. Die Verwendung von Granatcloisonné setzt in Zentralasien allerdings bereits im 1./2. Jahrhundert ein, als es langsam den sog. Türkis-Gold-Stil ersetzt. Hier, im „hellenisierten Orient“ (Schlumberger 1969), im graeco-baktrischen Raum verschmolzen schnell unterschiedliche kulturelle Einflüsse zu neuen Stilen. Daher gilt es zunächst diese frühen Arbeiten zu untersuchen und darauf aufbauend die Entwicklungen von Zentralasien nach Byzanz zu verfolgen. Von Bedeutung werden dabei auch die persischen Arbeiten mit Granateinlagen sein (einige davon befinden sich in den Sammlungen des RGZM) und die Frage, inwieweit aus diesem Großreich Impulse in die Steppengebiete und/oder nach Byzanz gelangten. Es wird auch darum gehen, anhand des Fundmaterials die theoretischen Entwürfe zur Ausbreitung des Stils und zu Handelsrouten zu überprüfen.

Enge Vernetzung besteht zu den Teilprojekten von Frau Sobkowiak und Herr Larios für die Auswertung der indischen Funde, sowie zu Herrn Albrecht für die byzantinischen Objekte.