Grabungsareal auf Elephantine mit spätantiker bis islamischer Schichtenfolge auf dem Hausareal K 20. (Foto: RGZM / J. Drauschke)

Blick in das Grabungshaus des DAI, Abt. Kairo, auf Elephantine während der Aufnahme der Objekte aus den Werkstattkomplexen. (Foto: RGZM / J. Drauschke)

Aufnahme der Funde aus den Werkstattkomplexen im Innenhof des Grabungshauses des DAI, Abt. Kairo. (Foto: RGZM / J. Drauschke)

Gussformfragment: Endstück vom Griff einer kleinen Patene in Form eines Kreuzmedaillons. (Foto: RGZM / J. Drauschke)

Zerbrochenes Halbfertigprodukt einer Dioritschale. (Foto: Schweizerisches Institut für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde / A. Krause)

Einsatz der mobilen RFA-Anlage zur Analyse der Metallreste aus der Buntmetallwerkstatt (Foto: RGZM / J. Drauschke)

 

Die frühbyzantinische Buntmetallwerkstatt auf Elephantine

Auf der bei Assuan gelegenen Nilinsel Elephantine, die seit der prädynastischen Zeit besiedelt und später durch die Errichtung von Tempeln für die Götter Satet und Chnum überregionale Bedeutung erlangte, werden seit 1969 vom Deutschen Archäologischen Institut Abt. Kairo in Kooperation mit dem Schweizerischen Institut für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde archäologische Forschungen durchgeführt. Den nachantiken, d. h. byzantinischen und islamischen Monumenten und Schichten, widmete sich dabei in den letzten Jahrzehnten das Schweizer Institut. Um den Chnumtempel herum, der seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. nicht mehr als solcher genutzt wurde, etablierte sich ein Wohnbezirk, in dessen Umfeld und Vorhöfen zahlreiche Überreste handwerklich-gewerblicher Produktion entdeckt wurden. Im Rahmen einer Forschungskooperation untersucht das RGZM eine Produktionsstätte des 5. und 6. Jahrhunderts n. Chr., in der Buntmetall verarbeitet wurde. Im Fokus stehen technische und wirtschaftsgeschichtliche, aber auch sozialgeschichtliche Fragen zur kleinstädtischen Ökonomie einer frühbyzantinischen Siedlung im koptischen Ägypten.

Ägypten ist in der frühbyzantinischen bzw. koptischen Zeit berühmt für seine Buntmetallerzeugnisse, deren vielfältiges Spektrum u. a. Becken und Griffschalen, Lampen und Weihrauchgefäße umfasst, doch fehlten bislang archäologische Nachweise der Produktionsstätten. Auf Elephantine ließen sich erstmals Funde und Befunde dokumentieren, die eine lokale Gefäßproduktion vermutlich in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts n. Chr. belegen. Neben einer in ihrer Funktion unklaren ofenartigen Installation sind es vor allem einige Tausend Fragmente von Gussformen – der Guss erfolgte mithilfe des Wachsausschmelzverfahrens in verlorener Form – sowie Überreste von Gusstiegeln und Schlacken, die die Tätigkeit der Bronzegießer belegen. Ziel ist es, das Produktionsspektrum der Werkstatt zu bestimmen und auf der Basis der Gussformen Technik und Produktionsablauf zu rekonstruieren. Im Mittelpunkt stehen darüber hinaus die verwendeten Kupferlegierungen, was durch eine naturwissenschaftliche Analyse der an den Gusstiegeln feststellbaren Metallreste sowie der Buntmetallfunde der übrigen Siedlung untersucht werden wird.