Lage der beiden Grabungsflächen 2008 und 2009 zueinander, nördlicher Abschnittswall (Grafik: Richter / Ober, RGZM, 2009).

Blick vom nördlichen Abschnittswall auf die Grabungsfläche 2009 (Foto: Gronenborn, RGZM, 2009).

Profil des Wallschnittes 2012 mit Wegedurchbruch (Foto: Feth, 2012).

Vereinfachte Zeichnung des Wallprofils mit Rekonstruktion des letzten Walles und der Palisade (Grafik: Gronenborn, RGZM, 2012).

Walldurchgang mit ausgetretener Lauffläche (Foto: Feth, 2012).

Blick von außen (Norden) auf den Walldurchgang der Grabung 2012 mit dem letzten Palisadenstadium. Bukranien (Rinderschädel) und menschliche Schädel sind hypothetisch und nach Befunden aus dem Kraichgau hinzugefügt (Grafik: Ober, RGZM, 2012).

Grabungsfläche 2013 vor Beginn der Untersuchungen (Foto: Lang, 2013).

Grabungsfläche 2013 nach Beginn der Untersuchungen (Foto: Lang, 2013).

Michelsberger Keramik im anthropogen umgelagerten Bodenmaterial (Foto: Gronenborn, 2013).

Verteilung der Keramik in der Grabungsfläche 2013/2014 (blau=keine Keramik, rot=sehr viel Keramik) mit eingezeihnetem Grubenbefund (Grafik: Lang, 2014).

 

Die Grabungen des RGZM am Kapellenberg

Wallschnitt 2008

Der Schnitt aus dem Jahr 2008 durch den Wall zeigte, dass dieser mindestens drei Phasen aufweist. Zunächst wurde ein Graben für eine Palisade ausgehoben, später wurde dieser Graben wieder verfüllt und darüber ein kleiner Wall angelegt der in einer weiteren Phase noch erhöht wurde. Dann stand das Gelände wohl einige Zeit offen, abschließend wurde noch eine Schicht aufgetragen. Das gesamte Fundmaterial aus dem Wall stammt aus der Michelsberger Kultur. Die bodenkundlichen Untersuchungen des Schichtenaufbaus und die diese begleitenden Radiocarbonmessung zeigten, dass die Palisade in die Zeit vor 4000 v. Chr. datiert, der Wall wurde um 3800 v. Chr. aufgeschüttet.

Grabung 2009

Die Grabung 2009 widmete sich einem kleinen Vorwall nördlich des Abschnittswalles dessen Errichtungszeit und –phasen es ebenfalls zu klären galt. Die Grabung erbrachte mögliche Hinweise auf ein Palisadengräbchen, das in einer späteren Bauphase - wohl mit Aushub aus dem Graben - überschüttet wurde. Leider konnten die Bauphasen des Hauptwalles nicht genau mit denen des Vorwalles zeitlich abgeglichen werden. Archäologisches Fundmaterial wurde im Vorwall nicht geborgen, was aber wahrscheinlich macht, dass die Wallanlage am nördlichen Ende der besiedelten Fläche errichtet wurde.

Grabung 2012

Im Sommer 2012 wurde an einem Wegedurchbruch am westlichen Abhang wiederum ein Schnitt durch den Wall unternommen. In einer dreiwöchigen Grabung gelang es, ein vollständiges Profil des Grabens an dieser Stelle aufzunehmen. Wiederum sind drei Bauphasen nachzuweisen, in der ersten und zweiten wurde lediglich eine Palisade errichtet, die in der zweiten durch eine leichte Aufschüttung erhöht wurde. Der größte Teil des Walles jedoch kam erst in der dritten Phase hinzu. Pfostenlöcher und Brandspuren der ersten und zweiten Palisade erlauben eine Rekonstruktion der Befestigung im Aufgehenden, auch konnte der Böschungswinkel der dritten Phase an einer Stelle dokumentiert werden, so dass nun eine vollständige Rekonstruktion des Walles für diese Stelle möglich ist. Zudem konnte der Rest eines schmalen Dzurchganges festgestellt werden, ein ausgetretener Pfad, der später wohl vom zerfliessenden Wall wieder überlagert wurde. Dieser schmale Durchgang wurde rekonsrtruiert und zeigt, dass am Kapelleberg wohl nicht mit weiten Öffnungen im Wall-Graben-System zu rechnen ist, sonder eher mit engen Durchgängen, was die Verteidigungsfunktion der Anlage unterstreicht.

Grabungen 2013/2014

In den Jahren Jahren 2013/2014 wurde eine Fläche im Innenraum untersucht. In diesem Bereich wurden bereits viele Oberflächenfunde von Michelsberger Keramik gemacht, so dass auch Befunde zu erwarten waren. Diese Innenfläche von 7m x 4m wurde bis auf die anstehenden Hofheimer Kiese untersucht. Das Ergebnis war eine lockere Streuung von Keramikmaterial und Steinartefakten innerhalb einem anthropogen umgelagerten Bodenmaterial, das nach Bohrungen den gesamten Innenraum überzieht. Am südöstlichen Ende der Fläche verdichtete sich die Streuung, dort war auch deutlich ein Grubenbefund auszumachen. Diese Testfläche zeigt, dass der Kapellenberg nach der Auflassung am Ende des Jungneolithikums nicht bis auf die Befunde aberodiert war, sondern Reste des ehemaligen Tritthorizontes erhalten blieben, wenngleich durchaus auch mit Oberflächenabtragung zu rechnen ist.

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Kooperationspartner

Publikationen

  • W. Feth / G. Heinz / D. Gronenborn / A. Junge / A. Kreuz / U. Recker, Neue Forschungen zum Kapellenberg in Hofheim am Taunus. hessenARCHÄOLOGIE 2012 (2013, 35-39).
  • S. Fetsch / D. Gronenborn / A. Kreuz / A. Cramer / S. Schade-Lindig / O. Weller, Ausweitungen der Forschungen zur Michelsberger Kultur im Rhein-Main-Gebiet. hessenARCHÄOLOGIE 2010, 2011, 22-25.
  • D. Gronenborn, Eliten, Prestigegüter, Repräsentationsgräber: Eine Spurensuche nach politischen Organisationsformen.In: Lichter, C. (Red.), Jungsteinzeit im Umbruch. Die "Michelsberger Kultur" und Mitteleuropa vor 6000 Jahren. Katalog zur Ausstellung im Badischen Landesmuseum Schloss Karsruhe 20.11.2010 - 15.5.2011. Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Karlsruhe 2010) 243-249.
  • D. Gronenborn, Der Kapellenberg während der Jungsteinzeit. In: R. Schlecker (Red.), Jade und Salz. Der Hofheimer Kapellenberg und seine Geschichte. Publikation zur Ausstellung im Stadtmuseum Hofheim am Taunus vom 2. Juni – 29. September 2013. Stadtmuseum Hofheim am Taunus. Beiträge zur Kultur- und Stadtgeschichte 18 (Hofheim am Taunus 2013) 7-25.
  • D. Gronenborn / B. Hünerfauth / A. Kreuz / U. Recker / N. Richter / M. Wagner, Fortgang der Untersuchungen am Kapellenberg bei Hofheim am Taunus. Grabungen des Vorwalles der jungneolithischen Höhensiedlung im Main-Taunus-Kreis. hessenARCHÄOLOGIE 2009, 2010, 43-45.
  • F.-R. Herrmann, Der Kapellenberg bei Hofheim am Taunus, Main-Taunus-Kreis. Führungsblatt zu den vorgeschichtlichen Grabhügeln, dem römischen Wachtturm und dem frühmittelalterlichen Ringwall. Archäologische Denkmäler in Hessen 30 (Wiesbaden o. J.).
  • N. Richter / D. Gronenborn / U. Recker, Was lange wehrt, wehrt gut - die michelsbergzeitliche Befestigungsanlage auf dem Kapellenberg bei Hofheim am Taunus. hessenARCHÄOLOGIE 2008, 2009, 33-35.
  • N. Richter, Der Kapellenberg bei Hofheim a. T. - Eine michelsbergzeitliche Höhensiedlung und ihr Umland. Unveröffentlichte Dissertation. Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (Mainz 2010).
  • T. Lang / A. Cramer / S. Fiedler / D. Gronenborn / A. Junge / U. Recker / K.-J. Sabel / H. Thiemeyer, Grabungen im Innenraum der Befestigung auf dem Kapellenberg bei Hofheim am Taunus. hessenARCHÄOLOGIE 2013, 2014, 43-46.
  • R. Kubon / G. Rühl, Der Kapellenberg bei Hofheim am Taunus.
  • Beiträge zur Hofheimer Geschichte, Geschichts- und Altertumsverein Hofheim am Taunus (Hofheim 1977 [²1986]).
  • N. Zimmer, Die Michelsberger Höhensiedlung Kapellenberg bei Hofheim. Eine Befestigungsanlage am südlichen Rand des Taunus und ihre Einbindung in die Besiedlungsentwicklung im Umland. In: F. Daim, D. Gronenborn u. R. Schreg (Hrsg.), Strategien zum Überleben. RGZM - Tagungen 11 (Mainz 2011) 129-142.