Mit Messsonden bestückte Töpferofenrekonstruktion nach einem spätrömischen Befund aus Mayen während des Trockenbrandes (Foto RGZM/B. Streubel)

Bestückung des Töpferofens für den ersten Keramikbrand (Foto RGZM/E. Hanning)

 

Die Ofentechnologie der Mayener Töpferei-Industrie im Experiment

Forschungslage

Trotz vieler Rekonstruktions- und Keramikbrennversuche existieren bis heute von keinem größeren antikem oder mittelalterlichem Töpfereistandort in Mitteleuropa solide Leistungsdaten zu verschiedenen Ofentypen. Die lückenlose experimentalarchäologische Evaluierung eines technischen Befundes wäre aber Grundvoraussetzung für die Erstellung der Leistungs- und Wirkungsbilanz.

In der antiken und mittelalterlichen Industrielandschaft zwischen Andernach und Mayen kam den Mayener Töpfereien neben den Basalt- und Tuffsteinindustrien besondere wirtschaftliche Bedeutung zu. Die archäologischen und archäometrischen Grundlagenarbeiten am Forschungsbereich Vulkanologie, Archäologie und Technikgeschichte (VAT) sowie am Konrad-Weidemann-Zentrum schufen das Potenzial für ein singuläres Vorhaben: die experimentalarchäologische Evaluierung der Ofentechnologie innerhalb einer Industrieregion in vergleichender und diachroner Perspektive.

Experimentaldesign

Ausgangspunkt ist der archäologische Befund eines spätrömischen Töpferofens in Mayen, der bis Anfang des 6. Jahrhunderts in Betrieb war. Mit dem ersten Brennexperiment sollten grundsätzliche Erkenntnisse zur Leistungsfähigkeit des Bauprinzips eines Schachtofens mit Speichentenne der Mayener Töpfereiindustrie gewonnen werden. Für die Herstellung der Gefäße wurden Industrietone von Tongruben der Region, deren Eigenschaften umfassend erforscht sind, sowie Tone aus Lagerstätten in Mayen verwendet. Bei der Formenauswahl orientierte man sich an der zeitgenössischen Produktpalette der Mayener Töpfer.

Ergebnis und Arbeitshypothese (Stand 2015)

Der rekonstruierte Schachtofen reagiert mit nur geringfügiger Verzögerung auf Änderungen in der Brennführung. Mit einem geringen Ressourceneinsatz lassen sich gute Ergebnisse erzielen. Dieser Ofentyp eignet sich grundsätzlich auch zur Herstellung von Feinwaren und engobierten Waren. Damit wären jedoch gestiegene qualitative Anforderungen an die Brennführung verbunden gewesen. Einflussfaktoren hätten u.a. Variationen in der Stapeltechnik der Keramikgefäße im Ofen sein können, die Errichtung einer Ofenkuppel zur Steuerung der Brennatmosphären oder etwa der gezielte Einsatz bestimmter Holzarten.

Es gilt diese Hypothese im Rahmen weiterer Studien zu evaluieren und zu differenzieren. Parallel dazu müssen ihre archäologischen und technikhistorischen Implikationen im Hinblick auf Aufstieg, Konjunkturen und Niedergang der Mayener Keramikindustrie geprüft und diskutiert werden.

Sponsoren / Förderer

Kärlicher Ton- und Schamottewerke Mannheim & Co. KG

MAYKO Natursteinwerke GmbH & Cie. KG

Rathscheck Schiefer und Dach-Systeme


Kooperationspartner

Publikationen

  • E. Hanning / G. Döhner / L. Grunwald / A. Hastenteufel / A. Resch / A. Axtmann / A. Bogott, Experimental Reconstruction and Firing of a 5th/6th Century Updraft Kiln from Mayen Germany. In: Experimentelle Archäologie in Europa H. 15, 2016, 58-71.
  • E. Hanning / G. Döhner / L. Grunwald / A. Hastenteufel / J. Rech, Experimentalarchäologische Untersuchungen an einem rekonstruierten spätantiken Schachtofen der Mayener Großtöpfereien (in Vorbereitung).