Für den Export wurde hochwertiges Serviergeschirr in den römischen Töpfereien produziert. (Foto RGZM / B. Streubel)

 

Die römischen Töpfereien von Weißenthurm am Rhein

Es ist in der Archäologie schon lange bekannt, dass in römischer Zeit in Weißenthurm am Rhein (Lkr. Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz) ein wichtiges, überregionales Produktionszentrum für qualitätvolle Gebrauchskeramik – im wesentlichen Teller, Schüsseln und Töpfe – bestand. Produziert wurde die so genannte »Urmitzer Ware«, die sich in Aussehen und Machart deutlich von anderen Keramiken unterscheidet. Bis heute gilt sie als ein chronologisches Leitfossil für den so genannten Niederbieber-Horizont (Ende 2. Jh. bis 260 n. Chr.). Entlang der römischen Reichsgrenze, von der Nordsee bis an den Odenwald, findet sich Weißenthurmer Keramik in großen Mengen. Offensichtlich waren die Töpfereien ein wichtiger Lieferant des römischen Heeres. Darüber hinaus sind auch zahlreiche zivile Siedlungen an Rhein, Mosel und Main beliefert worden.

Mehrjährige Vorarbeiten haben jedoch gezeigt, dass der oben genannte zeitliche Rahmen ebenso zu erweitern ist wie die Produktpalette in Bezug auf Formen und Warenarten. Auch gilt es, die Frage nach Abnehmern und Absatzmärkten neu zu stellen. Hierbei soll auch die Zuverlässigkeit der »Urmitzer Ware« als chronologisches Leitfossil überprüft werden.

Die Lösung der Aufgabenstellung kann nur durch eine enge Kooperation von Archäologie und Mineralogie geschehen. Hierbei kommt der Mineralogie die Entschlüsselung der geochemisch-mineralogischen Zusammensetzung der Weißenthurmer Keramik zu. Anhand dieser Referenzgruppe können anschließend Keramikproben aus den vermuteten Exporträumen auf ihre Weißenthurmer Herkunft überprüft werden.

Förderung

DFG (seit 2012)


Kooperationspartner

Publikationen

  • S. Friedrich, Ende des Limes – Ende der Töpferei Urmitz/Weißenthurm. In: P. Henrich (Hrsg.), Der Limes vom Niederrhein bis an die Donau. 6. Kolloquium der Deutschen Limeskommission, Mainz, 15./16.03.2011 (Stuttgart 2012) 38-47.
  • S. Friedrich, Die römischen Töpfereien bei Weißenthurm und ihr Umfeld. In: M. Grünewald / St. Wenzel (Hrsg.), Römische Landnutzung in der Eifel. Neue Ausgrabungen und Forschungen. RGZM–Tagungen 16 (Mainz 2012) 263-278.
  • S. Friedrich, Die römischen Töpfereien von Weißenthurm am Rhein. In: L. Grunwald (Hrsg.), Den Töpfern auf der Spur. Orte der Keramikherstellung im Licht der neuesten Forschung. 46. Internationales Symposium Keramikforschung des Arbeitskreises für Keramikforschung und des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz vom 16. bis zum 20. September 2013 in Mayen. RGZM-Tagungen 21 (Mainz 2015) 27-35.
  • W. Xu Mineralogische Charakterisierung der römischen Keramik von Weißenthurm am Rhein. In: L. Grunwald (Hrsg.), Den Töpfern auf der Spur. Orte der Keramikherstellung im Licht der neuesten Forschung. 46. Internationales Symposium Keramikforschung des Arbeitskreises für Keramikforschung und des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz vom 16. bis zum 20. September 2013 in Mayen. RGZM-Tagungen 21 (Mainz 2015) 37-48.
  • H. A. Gilg, Zur Herkunft der Tonrohstoffes der »Urmitzer Ware« aus Weißenthurm am Rhein. In: L. Grunwald (Hrsg.), Den Töpfern auf der Spur. Orte der Keramikherstellung im Licht der neuesten Forschung. 46. Internationales Symposium Keramikforschung des Arbeitskreises für Keramikforschung und des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz vom 16. bis zum 20. September 2013 in Mayen. RGZM-Tagungen 21 (Mainz 2015) 49-62.