Rekonstruktion einer goldenen Schnalle vom Leibgurt aus dem Grab des Königs Childerich (drittes Viertel 5. Jh. n. Chr.) (Foto: RGZM / V. Iserhardt)

Rekonstruktion einer goldenen Schnalle vom Spathagurt aus dem Grab des Königs Childerich (drittes Viertel 5. Jh. n. Chr.) (Foto: RGZM / V. Iserhardt)

 

Die Wahrnehmung byzantinischer und orientalischer Importe im Merowingerreich

In diesem Projekt soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern den Trägern und Trägerinnen des Granatschmucks die exotische Herkunft des roten Granats bewusst gewesen ist. Es konzentriert sich daher auf die Wahrnehmung der offensichtlich „massenhaft“ nach Mittel- und Westeuropa importierten Schmucksteine, die ja nicht isoliert stehen, sondern im Kontext eines die ganze Merowingerzeit andauernden Importstroms aus dem Byzantinischen Reich und dem Mittelmeerraum zu sehen sind.

Es wird untersucht, ob durch die Edelsteine ein über die Einfuhr des Materials und den Technologietransfer hinaus gehender kultureller Einfluss der mediterranen Koiné auf die Gesellschaft des Frankenreiches ausgeübt worden ist. Im Mittelpunkt stehen hier archäologische Objekte und Ihr Fundkontext.

Exemplarisch werden ausgewählte Befunde herangezogen, um vor allem für die Zeit des Aufkommens granatverzierter Schmuckstücke zu klären, ob es sich bei dieser Modeerscheinung zunächst um ein Elitenphänomen gehandelt hat, die dann zusehends von breiteren Bevölkerungsschichten adaptiert worden ist, weil sie als exotische Besonderheit wahrgenommen wurde. Zusätzlich wird in den zeitgenössischen Schriftquellen, insbesondere in der so genannten Fränkischen Geschichte Gregor v. Tours, nach Hinweisen gesucht, die einen Einfluss der mediterranen Kulturen belegen können und darüber hinaus Auskunft geben, wie dieser von der fränkischen Gesellschaft wahrgenommen worden ist.