Geographische Lage und aktuelles Satellitenbild von Ainos-Enez. Eingetragen sind potentielle Siedlungsflächen und Hafenanlagen der antiken und byzantinischen Stadt. (Grafik: RGZM / T. Schmidts)

Blick von der Zitadelle auf die Mündung des Hebros. (Foto: RGZM / T. Schmidts)

Blick von der Zitadelle auf die byzantinische Wehrmauer zur Lagune Dalyan Gölü hin. (Foto: RGZM / T. Schmidts)

Wehrsmauer mit Wehrtürmen. (Foto: RGZM / T. Schmidts)

Turm der von der Zitadelle zur Lagune abzweigenden Festungsmauer.

Byzantinischer Turm. (Foto: RGZM / T. Schmidts)

Antike Säulentrommel und Altar, aufgestellt vor der Zitadelle. (Foto: RGZM / T. Schmidts)

Geophysikalische Messungen 2012 mittels eines marinen Magnetiksystems der Christian-Albrechts-Universität Kiel. (Foto: RGZM / T. Schmidts)

 

Forschungen in der thrakischen Hafenstadt Ainos-Enez/Türkei - Entwicklung eines Verkehrsknotens in einer sich wandelnden Umwelt

Ainos (heute Enez, Türkei) liegt an der südthrakischen Küste im Mündungsgebiet des Grenzflusses Hebros. Ein interdisziplinäres, seit 2012 durch die DFG gefördertes Forschungsprojekt, widmet sich der landschaftlichen, historischen und wirtschaftlichen Entwicklung dieser Hafenstadt in Antike und Mittelalter.

Die antike Hafenstadt Ainos liegt im Bereich der türkischen Küstensiedlung Enez (26°5' E, 40°43'30" N) im Mündungsgebiet des Hebros (türk. Meriç, griech. Evros), der heute die Grenze zu Griechenland markiert. Das Siedlungsareal wird im Süden und Westen von zwei Lagunen (Dalyan Gölü und Taşlık Gölü) umschlossen und nach Norden durch den Flusslauf des Hebros begrenzt. Sedimentablagerungen des Flusses bedingten einen Verlandungsprozess, der eine Verschiebung der Küstenlinie zur Folge hatte. So liegt die heutige Siedlung etwa 4 km vom Meer entfernt.

Gute naturräumliche Voraussetzungen begünstigten die Stellung von Ainos als wichtigem Knotenpunkt der Handelsschifffahrt ab dem späten 7. Jahrhundert v. Chr. Die beiden Lagunen boten Schutz vor der offenen See und den stark wehenden Winden und der Hebros gewährleistete die Anbindung ins Hinterland. Die antike Siedlungstopographie ist bislang weitgehend unbekannt. Archäologische Forschungen der Universität Istanbul konzentrierten sich auf die Gräberfelder und das Areal der Zitadelle mit ihren mehrheitlich byzantinischen Zeugnissen. Kleinere archäologische Ausgrabungen haben einen gehobenen römischen Wohnkomplex und einen Straßenausschnitt hellenistischer und römischer Zeitstellung erbracht. Aus byzantinischer Zeit stammen Befestigungen und Kirchenbauten.

Ein interdisziplinäres Forschungsprojekt unter Leitung von Prof. Dr. Helmut Brückner (Geographisches Institut der Universität zu Köln) und Dr. Thomas Schmidts (RGZM) wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des Schwerpunktprogramms 1630 "Häfen der römischen Kaiserzeit und des Mittelalters" seit August 2012 für drei Jahre gefördert. Es widmet sich insbesondere der Lokalisierung und Datierung der Hafenanlagen und -viertel, dem raumzeitlichen Verlauf des Verlandungsprozesses, der Veränderung der Siedlungstopographie durch den Landschaftswandel sowie der Anbindung von Ainos an das überregionale Verkehrsnetz. Der zeitliche Schwerpunkt liegt dabei in der römischen und byzantinische Epoche.

Die Untersuchungen vor Ort finden innerhalb der jährlich im Rahmen der von Prof. Dr. Sait Başaran (Universität Istanbul) geleiteten Ausgrabungskampagnen statt. Das Arbeitsprogramm umfasst großflächige geophysikalische Messungen, Bauaufnahme byzantinischer Befestigungen sowie die Bearbeitung römischer und byzantinischer Keramik für den vom RGZM koordinierten Projektteil. Der vom Geographischen Institut der Universität zu Köln geoarchäologische Projektanteil widmet sich der Gewinnung und Analyse von Bohrprofilen insbesondere in ufernahen Bereichen.


Kooperationspartner

Publikationen

  • W. Rabbel / D. Wilken / T. Wunderlich / St. Bödecker / H. Brückner / J. Byock / C. von Carnap-Bornheim / H. Kennecke / M. Karle / S. Kalmring / S. Messal / Th. Schmidts / M. Seeliger / M. Segschneider / D. Zori, Geophysikalische Prospektion von Hafensituationen – Möglichkeiten, Anwendungen und Forschungsbedarf. In: Th. Schmidts / M. M. Vučetić (Hrsg.), Häfen im 1. Millennium AD. Bauliche Konzepte, herrschaftliche und religiöse Einflüsse. RGZM Tagungen 22. Interdisziplinäre Forschungen zu Häfen von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter 1 (Mainz 2015) 329-340.
  • H. Brückner / Th. Schmidts / H. Bücherl / A. Pint / M. Seeliger,  Zur Frage der Häfen von Ainos – eine Zwischenbilanz. In: Th. Schmidts / M. Vučetić (Hrsg.), Häfen im 1. Millennium AD. Bauliche Konzepte, herrschaftliche und religiöse Einflüsse. Interdisziplinäre Forschungen zu Häfen von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter 1. RGZM Tagungen 22 (Mainz 2015) 53-76.
  • A. Pint / M. Seeliger / D. Hoppe / S. Faas / Th. Schmidts / D. Wilken / T. Wunderlich / S. Başaran / P. Frenzel /H. Brückner, The ancient harbour city of Ainos and its environs – Palaeoenvironmental reconstructions based on sedimentological and microfaunal evidence. – Méditerranée.  Journal of Mediterranean Geography (im Druck).