Forschungsthema 3: Die Rolle der Betrachtungsperspektive für die Interpretation archäologischer Quellen und das aus ihnen gewonnene Narrativ

Hier soll untersucht werden, welche Rolle persönliche Erfahrungen und Überzeugungen aber auch handfeste Interessen bei der Interpretation und Vermittlung archäologischer Quellen spielen. Ziel ist es, die Relativität archäologischer Interpretationen bewusst zu machen, aber auch Multiperspektivität als eine Chance für die Vermittlung zu nutzen und zu erproben.

Bei den Forschungen zur Geschichte des RGZM wird den Fragestellungen und Interpretationskonzepten, die am Haus verfolgt worden sind, nachgegangen. Ein Teilprojekt ist Narrativen von Unterrichtsentwürfen gewidmet. Aus ambitionierten, museumspädagogischen Initiativen sind in den 1920er Jahren und im Modellprojekt „Schule & Museum" in den 1970er Jahren am RGZM Entwürfe für schulische Museumsbesuche entstanden. Sie sollen mit Blick auf ihre Lernziele und die bildungspolitische Orientierung in ihrer Zeit untersucht und verglichen werden.

Dem Vermittlungspotenzial von Narrativen widmet sich eine Studie, in der multiperspektivische Living History- und Archäotechnikformate entwickelt und evaluiert werden. Damit will man langfristig einen Beitrag zur Verbesserung der Darstellung archäologischer Materialforschung leisten. Das wird als forschungsstrategisch sinnvoll erachtet, weil historisch relevante Informationen zu neuen archäologischen Fragestellungen vor allem durch archäometrische, restaurierungstechnische und experimentalarchäologische Methoden gewonnen werden, über die in der breiten Öffentlichkeit wenig bekannt ist bzw. sehr verschwommene Vorstellungen existieren. Gleichzeitig bedürfen diese Bereiche besonderer Infrastruktur, deren Finanzierung gegenüber Öffentlichkeit und Politik zu rechtfertigen ist.

Ein Projekt zur „applied archaeology“ geht ganz grundsätzlich den verschiedenen Ebenen nach, auf denen Archäologie gesellschaftliche Relevanz beansprucht. Ein besonderes Feld ist die politisch oder wirtschaftlich begründete Relevanz der Vergangenheit, die die Gefahr einer Instrumentalisierung und Verfälschung archäologischer Narrative in sich birgt. Wie kann Archäologie wissenschaftlich begründet Gegenwartsbezüge schaffen? Ein weiteres Augenmerk gilt der Kommunikation des Fachs mit der Öffentlichkeit, die sich in Zeiten der sozialen Medien von einem einseitigen Belehren und Aufklären hin zu einem Dialog verschiebt. Ziel ist es, die vielfältigen bewussten und unbewussten Bezüge der Archäologie für die moderne Gesellschaft sichtbar zu machen.

Forschungsprojekte

  • Cathedra Petri: Ein Objekt und sein Publikum.

  • Narrative von Unterrichtsentwürfen für das RGZM in den Jahren1923/24 und 1976-1981 und ihr bildungspolitischer Referenzrahmen.

  • Forschungsinteressen am RGZM zwischen 1852 und 1945 vor dem Hintergrund der nationalen und internationalen Forschungslandschaft.

  • Vom Elfenbeinturm zur „Applied Archaeology“.