Gesellschaftswandel im spätglazialen Europa

Im spätglazialen Nordwesteuropa veränderten sich gesellschaftlich geprägte Verhaltensmuster tiefgreifend. Eine wichtige Überlebensstrategie ist die Anpassung an verfügbare Ressourcen. Sonja B. Grimm untersucht die Verzahnung dieses Anpassungsprozesses mit dem zeitgleichen Klima- und Umweltwandel.

Schwankende Ressourcen in kargen Landschaften bedingen ausgefeilte menschliche Überlebensstrategien. Um die Weitergabe erfolgreicher Strategien dauerhaft zu sichern, müssen komplexe Konventionen und Regelwerke für das Verhalten geschaffen werden. Wesentliche Änderungen in der Verfügbarkeit der Ressourcen können daher einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel nach sich ziehen.

Ein gutes Fallbeispiel dafür bilden die Gesellschaften Nordwesteuropas am Ende der letzten Eiszeit, etwa zwischen 16.000 bis 13.000 Jahren vor heute. Hier wandelte sich das über Jahrhunderte erfolgreiche gesellschaftliche Regelwerk des Magdaléniens in das ebenfalls über einige Jahrhunderte stabile Gesellschaftssystem der sogenannten Federmesser-Gruppen. Dieser gesellschaftliche Wandel fand zeitgleich zu einem ausgeprägter Klima- und Umweltwechsel statt.

Im Rahmen ihrer Dissertation untersucht Sonja B. Grimm dieses Fallbeispiel hinsichtlich des Prozesses gesellschaftlicher Veränderungen und der Verzahnung dieses Prozesses mit dem Wandel von Klima und Umwelt. Ein Vergleich gut datierter Fundinventare, insbesondere hinsichtlich der darin fassbaren Ressourcennutzung, bildet die Basis dieser Untersuchungen. Die chronologische Abfolge dieser Fundplätze zeigt, wann und wie sich die typischen Verhaltensnormen des Magdaléniens hin zu jenen der Federmesser-Gruppen veränderten. Die gute chronologische Abfolge erlaubt es auch, die Veränderungen des menschlichen Verhaltens mit der Verfügbarkeit von Ressourcen zu vergleichen, die sich in Abhängigkeit zum gleichzeitigen Klima- und Umweltwandel verändern.


Publikationen

  • S. B. Grimm (2012): Nordwesteuropa im Spätglazial – Umwelt und menschliches Verhalten. Innovationsprozesse gesellschaftlicher Regelwerke im Klimawandel. RGZM-Jahresbericht 2011, 37.
  • S. B. Grimm (2007): Maps of late glacial NW-Europe. NW-EU 10W-20E 45-60N. web.rgzm.de/late-glacial-nw-europe.html, available since 2007-09-19.
  • M. Street, F. Gelhausen, S. Grimm, F. Moseler, L. Niven, M. Sensburg, E. Turner, S. Wenzel, O. Jöris (2006): L’occupation du bassin de Neuwied (Rhénanie centrale, Allemagne) par les Magdaléniens et les groupes à Federmesser (aziliens). Bulletin de la Société Préhistorique Française 103, 753-780.