Goldohrring aus der Gruibinger Martinskirche mit Einlagen aus Almandin und graugrünem Glas [Bildherkunft/-rechte: Landesmuseum Württemberg, Stuttgart / Foto: Frankenstein/Zwietasch (CC BY-NC-SA: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/)]

 

Granatcloisonné des 7. und 8. Jahrhunderts auf dem Kontinent

Im letzten Drittel des 6. Jahrhunderts kam es zu einem massiven Wandel in der Verwendung von Granat auf dem Kontinent. Waren bis dahin mit Almandin verzierte Objekte für weite Teile der Bevölkerung, bis hin zu entlegenen ländlichen Regionen, verfügbar, so kam es nun zu einem Einbruch. Entweder wurde Cloisonné unmodern oder die Verfügbarkeit des aus Indien und Sri Lanka stammenden Rohmaterials wurde stark eingeschränkt.

Natürlich wurde auch im 7. und 8. Jahrhundert Granat benutzt, doch zeigt sich eine deutliche Veränderung beim „Nutzerkreis“. Nur noch in sehr reich ausgestatten Gräbern finden sich Schmuckstücke, die flächig mit geschliffenen Almandinplättchen verziert sind, oftmals sind diese Arbeiten von herausragender Qualität, wie beispielsweise der Ohrring aus Gruibingen (Lkr. Göppingen, Baden-Württemberg, D). Zusätzlich tritt Cloisonné auch in Kirchenschätzen auf, etwa auf Reliquiaren, liturgischem Gerät und an Bischofsstäben. Gerade bei den Reliquiaren ist die Bedeutung der verwendeten Steine und Farben – neben Granat sind zumeist weitere Edelsteine gefasst – zu analysieren, zumal sich hier die Einbeziehung mittelalterlicher Schriftquellen anbietet.

Ein weiterer Fragenkomplex gilt den wenigen „schlichteren“ Objekten, die mit einzelnen Granatplättchen verziert sind. Hier sollen besonders die Verarbeitung der Steine und die Fassungstechniken untersucht werden, gerade in Hinblick auf die Frage, ob es sich nicht zumeist um recycelte Einlagen handelt. Interessant ist dabei auch die Beobachtung, dass häufig Ersatzmaterialien verwendet wurden, bis hin zu Scherben roter römischer Glanztonkeramik (Terra Sigillata). Auch hier bietet es sich an, Farbe und Zusammenstellung zu untersuchen, um Aufschluss zum symbolischen Gehalt zu bekommen. Ein Vergleich mit der mittelalterlichen Edelsteinsteinallegorese ist geplant.

Zur Klärung dieser Fragen werden zunächst sämtliche Objekte gesammelt. Anschließend sollen ausgewählte Stücke detaillierter untersucht werden. Dabei geht es sowohl um goldschmiedetechnische Fragen als auch die genaue Bestimmung der verwendeten Materialien. Enge Verknüpfungen ergeben sich zu den Teilprojekten „Granat im 7. Jahrhundert der Nord-Westlichen Peripherie des Merowingerreiches“, „Almandincloisonné im Rheinland II“ und „Naturwissenschaftliche und technische Untersuchungen von Granatschmuck“.