Landschafts- und Umweltarchäologie auf der Krim

Die Höhensiedlungen Mangup und Eski Kermen stehen in der aktuellen Forschungsdiskussion sehr isoliert da, weil das bisherige Interesse vor allem den Gräberfeldern sowie den Siedlungsflächen auf den Bergen galt.
Fragen nach dem wirtschaftlichen Umfeld der Siedlungen, nach ihren Standortfaktoren und der Infrastruktur wurden erst ansatzweise gestellt. Eine Auseinandersetzung mit der ländlichen Besiedlung auf der Krim erfolgte vorrangig im Hinblick auf die materielle Kultur und die Wohnarchitektur. Landnutzungsstrategien, wie sie sich in Altfluren, Weinpressen sowie in Bewässerungsanlagen widerspiegeln, wurden bisher nicht thematisiert. Auch die verkehrsgeografische Lage der beiden Höhensiedlungen spielte in der Diskussion um die Interpretation von Mangup und Eski Kermen als vorgeschobene byzantinische Befestigungen oder unabhängige Mittelpunkte regionaler Kleinstaaten eine untergeordnete Rolle.

Da bislang grundlegende Vorarbeiten zur Bearbeitung umweltarchäologischer Fragen fehlten, mussten 2007 umfangreiche Surveys zur archäologischen Bestandsaufnahme und zur Rekonstruktion der Kulturlandschaft durchgeführt werden, in deren Mittelpunkt folgende Aufgaben und Fragestellungen standen.  

1) Erfassung des archäologischen Umfeldes der Anlagen von Mangup und Eski-Kermen
a) Rekonstruktion der Verkehrswege: Im Bergland der Krim finden sich viele Altstraßentrassen, die zwar chronologisch schwer einzuordnen sind, die aber ein Netz der Verkehrsverbindungen zeigt, das von dem der Gegenwart deutlich abweicht.
b) Lokalisierung der agrarischen Nutzflächen in der direkten und weiteren Umgebung der beiden Höhensiedlungen
c) Rohmaterialversorgung der Siedlungen
d) Wasser- und Energieversorgung
e) Verteilung Wald- und Offenland

2) Rekonstruktion der historischen naturräumlichen Bedingungen und deren Wandel

3) Raumnutzung zwischen natürlichem Potential und kultureller Determination

4) Veränderungen der Siedlungslandschaft (Konzentrationsprozesse)

Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse lässt sich eine erste Skizze der damaligen Siedlungslandschaft entwerfen. Nördlich des Mangup hat sich unter Wald eine Kulturlandschaft erhalten, die zumindest in ihren Anfängen auf das 4./5. Jahrhundert zurückreicht. Bei einer Ausgrabung konnte eine steineingefasste Vorratsgrube nachgewiesen werden, die zahlreiche Keramikscherben des 5./6. Jahrhunderts enthielt.
Insgesamt konnten rund 20 Siedlungsplätze identifiziert werden. Sie zeigen, dass die Höhen des zweiten Zuges der Bergkrim spätestens seit der Völkerwanderungszeit besiedelt waren. Die Zentren der Besiedlung und Bewirtschaftung lagen jedoch in den Tälern, wo sich auch die Bestattungsplätze befanden. Im Mittelalter etablierte sich im Bergland ein Siedlungssystem mit zahlreichen kleinen Höfen und Weilern, deren Reste im Gelände als Steinhügel und Steinwälle zu erkennen sind. Zahlreiche Altstraßen zeigen einerseits die Erschließung des Berglandes, andererseits aber auch, dass Mangup und Eski Kermen an wichtigen Verbindungsstraßen lagen, welche die Bergkrim querten. Im Bergland befanden sich im Mittelalter auch zahlreiche Ziegeleien. Sie belieferten Mangup, Eski Kermen und auch Cherson. Wahrscheinlich war die intensive Nutzung der Landschaft der Grund, warum man auf das Holz in den Bergen weit abseits der Siedlungszentren zurückgreifen musste. Tiefe Erosionsrinnen durchfurchen hier das Gelände und bezeugen eine weitgehende Rodung der Landschaft.


Publikationen

  • R. Schreg, Forschungen zum Umland der frühmittelalterlichen Höhlenstädte Mangup und Eski Kermen - eine umwelthistorische Perspektive. In: S. Albrecht / F. Daim/ M. Herdick (Hrsg.), Die H=F6hensiedlungen im Bergland der Krim. Monogr. RGZM 113 (Mainz 2013) 403-445.
  • M. Herdick / S. Albrecht/ R. Schreg, Neue Forschungen auf der Krim. In: S. Albrecht / F. Daim / M. Herdick (Hrsg.), Die Höhensiedlungen im Bergland der Krim. Umwelt, Kulturaustausch und Transformation am Nordrand des byzantinischen Reiches. Monogr. RGZM 113 (Mainz 2013) 471-501.