Least-Cost-Routing (http://www.rgzm.de/transportroutes/)

 

Least-Cost-Routing: Römische Wirtschaft auf Umwegen

Die römische Wirtschaft nahm weite Umwege in Kauf um so billig wie möglich liefern zu können. Der billigste Weg war das Ziel.

Eine Datenbank mit 200.000 namengestempelten römischen Terra-Sigillata-Gefäßen – das römische Porzellan - aus mehr als 3500 Fundorten ermöglicht den Forschern am Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) in Kooperation mit dem i3mainz und der Universität von Reading völlig neue Einblicke in die römische Wirtschaftsgeschichte (www.rgzm.de/transportroutes).

Damals wie heute galt, dass der gerade Weg nicht immer der beste war. So wurden Amphoren aus Südspanien so weit wie möglich über das Meer und entlang der Flüsse transportiert, was zu Umwegen von bis zu tausend Kilometern führen konnte. Hauptsache billiger als der teure Landtransport.

Forscher am Römisch-Germanischen Zentralmuseum rekonstruieren diese Handelswege mittels softwarebasierter Kartierung des europaweit verstreuten Fundmaterials. Die althergebrachten Angaben zu Transportkosten, die vorwiegend aus den spätantiken Preislisten von Kaiser Diokletian stammen, können mit dieser riesigen Materialsammlung jetzt erstmals ernsthaft überprüft und korrigiert werden.

So stellte sich heraus, dass die Preise für Terra Sigillata im von den Römern nicht besetzten freien Barbaricum enorm hoch gewesen sein mussten. Dies passt zu der Tatsache, dass dort in der Regel nur Einzelstücke gefunden wurden.

Das RGZM stellt das Forschungsprojekt in einem Kiosk-Informationssystem im Museum für Antike Schiffahrt in Mainz auch den Besuchern zur Benutzung vor.

Zur Rekonstruktion antiker Handelstransportwege wird im laufenden Projekt eine modifizierte, GIS-basierte Least Cost Path-Berechnung erstellt, wobei mit der konkreten Fundverbreitung die damaligen Kostenfaktoren modelliert werden sollen. Eine kommerzielle Software wurde bereits am RGZM genutzt, welche die Fundverbreitung von römischer Feinkeramik aus Südgallien und spanischen Amphoren, bekannte Straßennetze und relative Kostenangaben für Straßen-, Fluss- und Seewege berücksichtigt.

Im Projekt soll ein Software-Modul ergänzt werden, das eine »Brücke« zwischen dem bekannten Straßennetz und den Fundorten abseits davon unter  Berücksichtigung der Topografie schlagen soll und eine interaktive Modifizierung der Kostenfaktoren verschiedener Wege unter der Verwendung der realen Fundverbreitung erlaubt. Damit wird auch die Analyse von weiteren Fundgattungen wie die Verbreitung von Steinmühlen oder das Vorkommen von Schiffsladungen projektübergreifend möglich sein.