Nachbau einer antiken römischen Orgel nach einem archäologischen Fund aus Budapest (Ungarn) (Foto: Fa. Schuke / K.-M. Schreiber)

Nachbau einer antiken römischen Orgel nach einem archäologischen Fund aus Budapest (Ungarn) (Foto: Fa. Schuke / K.-M. Schreiber)

 

Nachbau einer antiken römischen Orgel nach einem archäologischen Fund aus Budapest (Ungarn)

Der spielbare Nachbau einer römischen Orgel geht auf einen Originalfund aus Aquincum (Budapest, Ungarn) zurück. Laut zugehöriger Inschrift stiftete sie 228 n. Chr. der Stadtrat Caius Iulius Viatorinus, Chef der städtischen Feuerwehr (praefectus collegii centonariorum) und vormals Leiter des Ordnungsamtes (aedilicius), dem Kollegium Feuerwehr. Im Schutt des damals abgebrannten Feuerwehrhauses blieben die Metallteile fast vollständig erhalten.

In der Antike gab es sogenannte Wasserorgeln, sowie Orgeln, welche mit Bälgen betrieben wurden. Das hydraulische System gab dem Instrument seinen Namen: hydraulis oder in dieser Inschrift: hydra. Beschrieben wurde das System von Vitruv (1. Jh. v.Chr.) sowie Heron von Alexandria (1. Jh. n.Chr.). Antike Bildquellen zeigen Orgeln häufig zusammen mit Blasinstrumenten beim gemeinsamen Spiel. Die Orgel erklang oft bei großen Veranstaltungen, z.B. im Amphitheater zur musikalischen Umrahmung der Gladiatorenkämpfe. Im Kult hingegen fand sie keine Verwendung.

Die Aquincum-Orgel besitzt insgesamt 52 Pfeifen. Diese teilen sich auf vier koppelbare Register zu jeweils 13 Pfeifen auf. Drei Pfeifenreihen sind gedackt, in ihnen stecken Stöpsel aus Eichenholz, und eine ist offen. Die Bauart der Pfeifen ist mit keiner heutigen Orgelbautradition vergleichbar. Ihr Tonvorrat wird bis heute diskutiert. Unser Nachbau ist chromatisch und verläuft in 12 Halbtonschritten innerhalb einer Oktave. Diese Vermutung wird u.a. durch antike Schriftquellen unterstützt.