Nachbau einer antiken römischen Orgel nach einem archäologischen Fund aus Budapest (Ungarn) (Foto: Fa. Schuke / K.-M. Schreiber)

 

Nachbauten antiker und mittelalterlicher Orgeln aus dem römischen und byzantinischen Kulturkreis - ein Beitrag zur Musikarchäologie

Im März 2012 wurde der Nachbau einer Orgel aus dem byzantinischen Kulturkreis nach Bild- und Schriftquellen abgeschlossen. Das Instrument wurde alsdann in der Ausstellung "Das goldene Byzanz und der Orient" auf der Schallaburg (Österreich) installiert und dort den Besuchern zugänglich gemacht. Proben und eine regelmäßige Konzerttätigkeit in Zusammenarbeit mit dem Ensemble für Frühe Musik "Musica Romana" ermöglichte die Rekreation und Auslotung von Spieltechniken und musikalischen Möglichkeiten des Instruments. Hierzu wurde ein entsprechendes Repertoire aus historischen und modernen Musikstücken zusammengestellt. Die musealen Veranstaltungen dienen zudem der Beobachtung, wie ein solcher Nachbau im Rahmen der Museumspädagogik zum Einsatz kommen kann. Hierbei wurden die Besucher nach ihren Eindrücken, Meinungen und Vorschlägen befragt. Zudem konnten wichtige Ergebnisse zu Logistik, Wartung, Pflege und vor allem der Präsentation gewonnen werden.

Nachfolgend wurde im Juli 2012 der Nachbau des Orgelfundes von Aquincum (Budapest, Ungarn) fertig gestellt. Die Konzipierung und Fertigung des Instrumentes verfolgte hierbei eine Reihe neuer Ansätze, z.B. mechanisch (in Bezug auf die Tastatur) und musiktheoretisch (in Bezug auf die Tonfolge). Ein bedeutendes Thema war dabei die Nutzung möglichst originaler Legierungen des Metalls. Deren Verwendung bereitete dabei einige Schwierigkeiten, da das Material manchmal in unerwarteter Weise auf eine Bearbeitung reagierte. Die damals verwendeten Werkzeuge sind heute selten bekannt. Es musste aus dem modernen Werkstattinventar improvisiert und neue Werkzeuge erschaffen werden. Diese Interpretation der Orgel von Aquincum erweist sich als äußerst leistungsfähig und vielseitig. Beide Musikinstrumente wurden in Zusammenarbeit mit der Orgelbaufirma Alexander Schuke Potsdam-Orgelbau GmbH (Werder/Havel, Deutschland) verfertigt und folgen den Recherchen und Entwürfen durch Susanne Rühling und Michael Zierenberg.

Getestet werden laufend die Reaktionen des jeweiligen gesamten Instrumentes auf Umwelteinflüsse und das Umgebungsklima. Es folgen Messungen und Versuche zu Lautstärke, Schallverhalten und Klang in verschiedenen Umgebungen (Archäoakustik).