Helme und Schwerter mit Silberscheiden aus zwei sasanidischen Kriegergräbern (spätes 6. / frühes 7. Jh. n. Chr.). Foto: RGZM / V. Iserhardt, S. Hölper.

Rechteckiger Beschlag einer vielteiligen goldenen Gürtelgarnitur aus blechkastenartig, rückseitig offenen Beschlagplatten und zweiteiligen Riemenzungen mit Perldrahtborten und Ornamenten in Granuliertechnik. Die Teile stammen von einem Hauptgürtel (Schnalle nicht erhalten) mit wenigstens sechs senkrecht an diesem befestigten Nebenriemen. Foto: RGZM / V. Iserhardt.

 

Sassanidische Altertümer in der Sammlung des RGZM und ihre Vergleichsstücke. Neupersische Artefakte im Lichte mediterraner und asiatischer Kultureinflüsse

Ausgehend vom sassanidischen Sammlungsbestand des RGZM, der erstmals vollständig und detailliert vorgelegt wird, soll den verschiedenen kulturellen Einflüssen nachgegangen werden, die für die gestalterische Ausprägung bestimmter Gruppen neupersischer Kleinaltertümer des 5./6. bis 7. Jahrhunderts n. Chr. mitverantwortlich waren.

Das Reich der Sassaniden (auch Neupersisches Reich), dessen Territorium Gebiete der heutigen Staaten Iran, Irak, Aserbaidschan, Turkmenistan, Pakistan und Afghanistan sowie einige Randgebiete umfasste, stellte während des 3. bis 7. Jahrhunderts (224-651 n. Chr.) neben dem Römischen Reich den wichtigsten Machtfaktor der Antike dar. Die Beziehungen der beiden Großmächte waren geprägt von wechselseitigen kulturellen Einflüssen, Handelskontakten und langjährigen Kriegen. Der von 602-629 dauernde letzte große Krieg der Antike führte beinahe zum Zusammenbruch des oströmisch-byzantinischen Reichs und begünstigte durch die hohe Beanspruchung der Kriegsparteien in der Folge die schnelle militärische Expansion der Muslime ab den 630er Jahren. Im Gegensatz zur zeitgenössischen mediterranen Welt ist über die materielle Kultur des neupersischen Reiches bislang weit weniger bekannt.

Seit den 1960er Jahren beherbergt das RGZM eine der weltweit wichtigsten Sammlungen bedeutender Kleinaltertümer der jüngeren Sassanidenzeit (5./6. bis 7. Jahrhundert n. Chr.) außerhalb des Vorderen Orients. In ihrem dennoch relativ überschaubaren Umfang umfasst sie sowohl Waffen und Trachtbestandteile (u. a. Fibeln und Gürtelbeschläge) als auch Metallgefäße, Gläser und Keramik. Obwohl manche Objekte in der Fachliteratur schon häufiger erwähnt wurden, genügt ihr grundlegender Publikationsstand bislang noch nicht den modernen wissenschaftlichen Standards.

Im Rahmen des vorliegenden Projekts soll deshalb der Gesamtbestand erstmals vollständig und detailliert erschlossen sowie die Bedeutung der Artefakte im Hinblick auf ihre potentielle Mittlerstellung zwischen kulturellen Einflüssen aus dem römisch-byzantinischen Mediterraneum, aus Südostasien und aus der reiternomadischen Welt der Eurasischen Steppengebiete untersucht werden. Für eine Beantwortung entsprechender Fragen könnten sich unter anderem zwei in der Sammlung enthaltene mögliche Grabinventare, deren wahrscheinliches Herkunftsgebiet am Südwestende des Kaspischen Meeres, also in einer tendenziellen Randlage innerhalb des Sassanidenreichs zu verorten ist, als besonders günstig erweisen.

Zur stärkeren Absicherung sich abzeichnender kultur- / entwicklungsgeschichtlicher Schlussfolgerungen ist zudem geplant, im späteren Verlauf des Projekts (2. Phase) dann auch ausgewählte externe Vergleichsobjekte/Sammlungsbestände anderer inner- und außereuropäischer Museen, u. a. auch aus dem Kernraum des sassanidischen Reiches, heranzuziehen und – soweit möglich – entsprechend detailliert in die finale Projektpublikation zu integrieren.

Die Bearbeitung des sassanidischen Sammlungsbestandes des RGZM erfolgt, aufgeteilt nach Materialgruppen, durch verschiedene am Hause tätige Wissenschaftler, deren dargelegte Einzelergebnisse in eine abschließenden Synthese zusammengeführt werden sollen.