Inschriften mit Berufsbezeichnungen aus der zivilen Frachtschifffahrt (aus: Schmidts 2011).

Grabstein des Schiffeigners (naukleros) Aurelius Theogeiton aus Arados (Syrien). Museum für Antike Schiffahrt. (Foto: RGZM / V. Iserhardt)

Grabstein des Schiffers (nauta) Blussus aus Mainz. Kopie im Museum für Antike Schiffahrt. (Foto: RGZM)

 

Strukturen des Seehandels im Römischen Reich

Der gut entwickelte Fernhandel im Römischen Reich ermöglichte einen Warentransport über weite Entfernungen. Da die Güter aus Kostengründen vorzugsweise auf dem Wasserweg befördert wurden, kommt dem Seehandel eine besondere Bedeutung zu. Ausgangspunkt der Erforschung seiner Strukturen bilden Inschriften.

Der Seehandel im Römischen Reich ist bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. durch die enorme Bedeutung der Bedürfnisse der Hauptstadt Rom als der bevölkerungsreichsten Metropole der Antike geprägt. So lag seit Kaiser Augustus die Getreideversorgung in der Verantwortung einer eigenen Behörde. Diejenigen Schiffseigner, navicularii, die sich am Transport der Lebensmittel beteiligten, erhielten im Laufe der Kaiserzeit Privilegien. Daneben wurden auch Waren aller Art von den Provinzen in die Hauptstadt bzw. in andere Provinzen des Reiches transportiert.

Aus dem imperium Romanum sind zahlreiche Inschriften mit nautischen Berufsbezeichnungen überliefert. Neben den navicularii, griechisch naukleroi, kennen wir insbesondere die auf den Binnengewässern tätigen nautae. Speziell für Ostia sind mehrere Bezeichnungen für Eigner von Kleinfahrzeugen zum Leichtern der großen Frachtschiffe bzw. dem Weitertransport der Waren nach Rom überliefert. Wenn Transporte in staatlichem Auftrag erfolgten, konnten die jeweiligen Gruppen auch in Korporationen, Berufsvereinen mit Privilegien für ihre Mitarbeiter organisiert sein.

Die Forschungen des RGZM galten bislang der Organisation der Schiffahrt in den nördlichen Provinzen sowie dem Wirkungskreis der im Mittelmeerraum beheimateten Schiffseiger. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass auch im Mediterraneum eine Revierbildung nachweisbar ist. Während die aus dem westlichen Teil stammenden navicularii in der Regel nicht über die östliche Adria hinaus tätig waren, lief der Tätigkeitsbereich der aus dem Osten stammenden naukleroi bis zum 3. Jahrhundert in der Regel nicht über Italien hinaus, das die Rolle eines Relais für den überregionalen Fernhandel übernommen hatte.


Publikationen

  • Th. Schmidts, Die gallischen Schiffseigner und der römische Staat. Skyllis 13/2, 2013, 155-160.
  • Th. Schmidts, Aurelius Theogeiton: ein Schiffseigner aus dem syrischen Arados auf Italienfahrt Arch. Korrebl. 40/2, 2010, 251-263.
  • Th. Schmidts, Akteure und Organisation der Handelsschifffahrt in den nordwestlichen Provinzen des Römischen Reiches. Monographien RGZM 97 (Mainz 2011).
  • Th. Schmidts, Inschriften als Quelle zur römischen Binnenschifffahrt zwischen Mittelmeer und Nordsee. In: Marschenratskolloquium 2009: Flüsse als Kommunikations- und Handelswege – Rivers as Communication and Trade Routes: 5.-7. November 2009, Deutsches Schiffahrtsmuseum, Bremerhaven. Siedlungs- und Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet 34 (Rahden/Westf. 2011) 37-45.
  • Th. Schmidts, Between East and West in the Roman Empire: Skippers and Shipowners from the Eastern Mediterranean. In: N. Günsenin (Hrsg.), Between Continents. Proceedings of the Twelfth Symposium on Boat and Ship Archaeology, Istanbul 2009 (Istanbul 2012) 149-156.