Feldbegehungen bei Szentes

Der Wald Borgerhau bei Blaubeuren-Asch verbirgt eine Haldenlandschaft des neolithischen Silexabbaus (Foto: RGZM / R. Schreg)

Raised fields an der Pazifikküste in Panama (Foto: J. G. Martín)

 

Themen, Methoden und Perspektiven der Umweltarchäologie

Die Methoden, mit der die Umweltarchäologie arbeitet, sind zunächst jene der Landschaftsarchäologie, also eine genaue Analyse einzelner Siedlungsräume durch Surveys, Prospektionen, Grabungen, sowie geo- und bioarchäologische Landschaftsrekonstruktionen. Hinzu kommen jedoch objektbezogene Methoden, die mit archäometrischen, restauratorischen und experimentalarchäologischen Methoden den Material-, Energie- und Arbeitsaufwand sowie die Produktionsrückstände, mithin die Ökoeffizienz eines (prä)historischen Objektes untersuchen.

Das Verständnis von Mensch-Umweltbeziehungen stellt – egal ob in der Gegenwart oder in der Vergangenheit – hohe Ansprüche an methodisch-theoretische Konzepte. Das Feld der Umweltarchäologie – das sich gegenüber der Siedlungs- und der Landschaftsarchäologie vor allem anhand der komplexeren Perspektive auf die Interaktion von Mensch und ‚Natur’ differenzieren lässt – ist noch sehr jung und die nötige methodisch-theoretische Fundierung ist erst ansatzweise erarbeitet. Wesentliche Herausforderungen sind dabei unter anderen die pure Vielzahl von Faktoren und Akteuren sowie die Komplexität der Interaktionen. Es geht längst nicht mehr um die Frage der Umweltzerstörung und um ein entsprechendes Narrativ des Niedergangs und der Katastrophen, sondern vielmehr um die alltäglichen Auswirkungen menschlichen Verhaltens und Handelns.

Für den Umgang des Menschen mit seiner Umwelt, seine Reaktionen auf Risiken, Stress und Katastrophen spielen Weltbilder und soziale Identitäten eine wesentliche Rolle. Wird dies zu wenig berücksichtigt, besteht die Gefahr eines simplifizierenden Umweltdeterminismus. Allzu leicht prägen moderne »Ökomythen« Forschungshypothesen und allzu leicht werden uns vertraute Muster von Landnutzung und Umweltverhalten als selbstverständlich in die Vergangenheit zurück projiziert.

In den vergangenen Jahren wurden verschiedene Konzepte diskutiert, wie man langfristige Umweltveränderungen und ihre Wechselwirkungen mit menschlichen Gesellschaften am besten analysiert. Dabei ist zu beobachten, wie Konzepte, die den Menschen in Abhängigkeit von der Natur gesehen haben, von solchen abgelöst wurden, die den Menschen als Zerstörer wahrgenommen haben. Inzwischen treten Ansätze in den Vordergrund, die die Interaktion zwischen Mensch und Umwelt betonen. Verschiedene Aspekte können dabei in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt werden: Anfälligkeit oder Widerstandsfähigkeit in Umweltkrisen, Nachhaltigkeit, Co-Evolution von Gesellschaft und Natur unter gegenseitiger Beeinflussung oder auch einfach nur der Aspekt der Ökobilanz.


Kooperationspartner

Publikationen

  • F. Daim/D. Gronenborn/R. Schreg (Hrsg.), Strategien zum Überleben. RGZM-Tagungen 11 (Mainz 2011)
  • M. Dotterweich / S. Wenzel / R. Schreg, Landschaftsentwicklung seit der Römerzeit im westlichen Segbachtal bei Mayen (Lkr. Mayen-Koblenz) in der Osteifel. In: M. Grünewald/S. Wenzel (Hrsg.), Römische Landnutzung in der Eifel. Tagung in Mayen, vom 3. bis zum 6. November 2011. RGZM-Tagungen 16 (Mainz 2012) 181–206.
  • R. Schreg, Kontinuität und Fluktuation in früh- und hochmittel­alterlichen Siedlungen Süddeutschlands. In: C. Fey/ S. Krieb (Hrsg.), Adel und Bauern in der Gesellschaft des Mittelalters. Internationales Kolloquium zum 65. Geburtstag von Werner Rösener. Studien und Texte zur Geistes- und Sozialgeschichte des Mittelalters 6 (Korb: Didymos-Verlag 2012) 137-164
  • R. Schreg, K. Kastowsky-Priglinger, I. Trinks: Großflächige archäologische Landschaftsprospektion auf der Stubersheimer Alb. Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2011, 39-44
  • R. Schreg, Keramik des 9. bis 12. Jahrhunderts am Rhein – Forschungsperspektiven für Produktion und Alltag. In: H. Pantermehl / L. Grunwald / R. Schreg (Hrsg.), Hochmittelalterliche Keramik am Rhein. Forschungsperspektiven auf Produktion und Alltag. Tagungen des RGZM 13 (Mainz 2012) 1-19.
  • R. Schreg, Die Krisen des späten Mittelalters: Perspektiven, Potentiale und Probleme archäologischer Krisenforschung. In: F. Daim/D. Gronenborn/R. Schreg (Hrsg.), Strategien zum Überleben. RGZM-Tagungen 11 (Mainz 2011) 197-214
  • R. Schreg, Feeding the village – Reflections on the ecology and resilience of the medieval rural economy. In Processing, Storage, Distribution of Food. Food in the Medieval Rural Environment. Ruralia VIII (Tournhout: Brepols 2011) 301-320.
  • R. Schreg,  Sonja Behrendt: Phosphatanalysen in einem frühmittelalterlichen Haus in Schalkstetten (Gde. Amstetten, Alb-Donau-Kreis). Arch. Korrbl. 41/2, 2011, 263-272.
  • R. Schreg, Panamanian coarse handmade earthenware as melting pots of African, American and European traditions? Postmedieval Archaeology 44/1, 2010, 135-164.
  • R. Schreg, Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit: eine historische Kulturwissenschaft par excellence? In: M. Dreyer/J. Kusber/J. Rogge u. a. (Hrsg.), Historische Kulturwissenschaften. Positionen, Praktiken und Perspektiven. Mainzer Historische Kulturwissenschaften 1 (Bielefeld 2010) 335-366.
  • R. Schreg, Zentren in der Peripherie: Landschaftsarchäologische Forschungen zu den Höhensiedlungen der südwestlichen Krim und ihrem Umland. In: F. Daim/J. Drauschke (Hrsg.), Byzanz – Das Römerreich im Mittelalter. Teil 3 Peripherie und Nachbarschaft. Monographien des Römisch-Germanisches Zentralmuseums 84/3 (Mainz 2010) 95–109.
  • R. Schreg, Das ländliche Umfeld des mittelalterlichen Ulm – eine umwelthistorisch-archäologische Perspektive. In. U. Gross/ A. Kottmann/ J. Scheschkewitz, Pfalz Ulm. Arch. Inf. Bad.-Württ. 58 (Stuttgart 2009) 74-92.
  • R. Schreg, Archäologische Wüstungsforschung und spätmittelalterliche Landnutzung: Hausbau und Landnutzung des Spätmittelalters in Südwestdeutschland aus archäologischer Sicht. In: P. Rückert/S. Lorenz (Hrsg.), Landnutzung und Landschaftsentwicklung im deutschen Südwesten. Zur Umweltgeschichte im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe B 173 (Stuttgart 2009) 131–164.
  • R. Schreg, Nach der Wüstungsphase: Umstrukturierungen des ländlichen Raumes in der frühen Neuzeit - eine umwelthistorische Perspektive. In: B. Scholkmann/ S. Frommer/ Chr. Vossler (Hrsg.), Zwischen Tradition und Wandel. Ergebnisse und Fragen einer Archäologie des 15. und 16. Jahrhunderts. Tübinger Forschungen zur historischen Archäologie 4. (Büchenbach 2009) 451-464.
  • R. Schreg, Wasser im Karst: Mittelalterlicher Wasserbau und die Interaktion von Mensch und Umwelt. Mitt. Dt. Ges. Arch. Mittelalter 21, 2009, 11-24.
  • R. Schreg, Siedlungen in der Peripherie des Dorfes. Ein archäologischer Forschungsbericht zur Frage der Dorfgenese in Südbayern. Ber. Bayer. Bodendenkmalpfl. 50, 2009, 293-317
  • R. Schreg, Die mittelalterliche Siedlungslandschaft um Geislingen - eine umwelthistorische Perspektive. In: H. Gruber (Hrsg.), "in oppido Giselingen…" 1108 - 2008. Acht Vorträge zum 900jährigen Jubiläum von Geislingen. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Geislingen 26 (Geislingen 2009) 9–96.
  • R. Schreg, Das Umfeld der Höhlenstädte Mangup und Eski Kermen auf der südwestlichen Krim – eine Siedlungslandschaft in der Peripherie des byzantinischen Reiches. Siedlungsforsch. 26, 2008, 267-286.
  • R. Schreg,  F. Sirocko, Völkerwanderung und Umweltkrise – das Ende des römischen Weltreiches. In: F. Sirocko (Hrsg.), Wetter – Klima – Menschheitsentwicklung. Von der Eiszeit bis ins 21. Jahrhundert (Darmstadt 2009) 150-153.
  • R. Schreg, Siedlungsverdichtung und Stollenbau - Der Mensch gestaltet die Landschaft nach seinen Vorstellungen. In: F. Sirocko (Hrsg.), Wetter – Klima – Menschheitsentwicklung. Von der Eiszeit bis ins 21. Jahrhundert (Darmstadt 2009) 154-159.
  • R. Schreg, Die Chancen der Umweltarchäologie. In: A. Kluge-Pinsker (Hrsg.), Als Hildegard noch nicht in Bingen war. Der Disibodenberg – Archäologie und Geschichte. Mosaiksteine (Mainz 2009) 60-61.
  • R. Schreg, C. Knipper/ L. Fisher/ S. Harris: Neolithic Chert Exploitation on the Swabian Alb (Germany): 2007 Excavations at Asch-“Borgerhau”. The Quarry. The Newsletter of the SAA’s Prehistoric Quarries & Early Mines Interest Group #2 July 2008.
  • R. Schreg, C. Knipper/ L. Fisher/ S. Harris: Jungsteinzeitliche Hornsteingewinnung in Blaubeuren-Asch „Borgerhau“ im Kontext der neolithischen Siedlungslandschaft auf der Blaubeurer Alb, Alb-Donaukreis. Archäologische Ausgrabungen in Baden Württemberg 2007, 36-41.