Römische Fundstellen im Segbachtal (Plan: Benjamin Streubel / ©GeoBasis-DE/LVermGeoRP2010-11-08)

Mendig, „Im Winkel“, Überblicksplan mit geophysikalisch untersuchten Flächen

Mendig, „Im Winkel“, Grabungsarbeiten im Bereich des Hauptgebäudes

Mendig, „Im Winkel“, Terrakotten der Kybele und der Matronen aus Kölner und Trierer Werkstätten. Hinweis auf ein Heiligtum im Bereich der Villa

Mendig, „Lungenkärchen“, Georadarplan der villa rustica

Mendig, „Lungenkärchen“, Nebengebäude 3 mit Blick auf Mendig

Mendig, „Lungenkärchen“, Rand des Wasserbeckens

Mendig, „Lungenkärchen“, Gesimsfragment aus Kalkstein

 

Zur Landnutzung im Umfeld eines römischen »Industriereviers«

Interdisziplinäre Studien im Umfeld des antiken Steinbruchgebietes und Töpferzentrums bei Mayen (Landkreis Mayen-Koblenz)

Im Rahmen des Verbundprojektes »Entstehung einer Industrielandschaft – Das antike Steinbruch- und Bergwerksrevier zwischen Eifel und Rhein« untersucht dieses Projekt, wie die regionale Landwirtschaft den wirtschaftlichen Boom tragen konnte, den die Mayener Mühlsteinindustrie ab augusteischer Zeit ausgelöst hat, und welche Folgen dies für die Umwelt hatte.

Für die Klärung dieser Fragen wurde das Segbachtal bei Mayen ausgesucht. Es zeichnet sich durch zahlreiche römische Fundstellen ebenso aus wie durch seine Nähe zu den bedeutenden römischen Mühlsteinbrüchen. Darüber hinaus ist das noch heute vorwiegend landwirtschaftlich genutzte Tal vom modernen Bimsabbau verschont geblieben und nur noch hier sind siedlungsarchäologische Studien im größeren Stil möglich. Ausgehend von Ausgrabungen in zwei ausgewählten Siedlungskomplexen (»Im Winkel« und »Lungenkärchen«) und von einer gründlichen Aufnahme ihrer Umgebung soll die Landschaftsgeschichte sowie die Verflechtung zwischen den einzelnen Wirtschaftszweigen und der Siedlungsentwicklung durch interdisziplinäre Arbeiten untersucht werden.

Die Villa von Mendig »Im Winkel« besaß vom 1. Jahrhundert bis zu ihrer Zerstörung im 3. Jahrhundert n. Chr. ein Hauptgebäude mittlerer Größe mit Eckrisaliten und ein Nebengebäude. 21 Mühlsteinrohlinge aus einem um 100 n. Chr. verfüllten Keller des Hauptgebäudes und der bis nahe an die Villa gefundene Steinbruchschutt weisen darauf hin, dass die Bewohner am Mühlsteinabbau beteiligt waren. Im 4. Jahrhundert wurde auf einer Kuppe ein wohl befestigter Kornspeicher errichtet, der für die 46 ha Ackerland der Siedlungsstelle viel zu groß war. Unterhalb des Kornspeichers wurde eine Flächendrainage in den Auelehm gegraben, die einen Umschlagplatz für Mühlsteine und Getreide trockengehalten haben könnte.

Nur 1,2 km westlich liegt die Axialvilla von Mendig »Lungenkärchen« mit einem 70 m langen Hauptgebäude, einem vorgelagerten Wasserbecken von 40 m Länge und sieben Nebengebäuden. Sie existierte vom 1. bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. Für das 3. Jahrhundert lassen sich Spuren einer Krise nachweisen. Im Verhältnis zur Größe des Hauptgebäudes sind der Teil des Hofes mit Wirtschaftsgebäuden und die rekonstruierte Betriebsfläche von 100 bis 120 ha ungewöhnlich klein. Hieraus und aus der Tatsache, dass die Bewohner des Anwesens Zugriff auf Steinbruchschutt hatten, lässt sich vermuten, dass ihr Reichtum auf dem Besitz von Steinbrüchen beruhte, und nicht auf Landwirtschaft.

Förderung

DFG (2010-2012, 2013-2014)


Kooperationspartner

Publikationen

  • R. Giljohann / S. Wenzel, Verwendung und Verbreitung von Lothringer Kalkstein zwischen Andernach und Mayen in römischer Zeit. Berichte zur Archäologie in Rheinhessen und Umgebung 8, 2015, 19-39. (PDF)
  • S. Wenzel / T. Zerl, Der Burgus von Obermendig ,Im Winkel´ – Kornspeicher zur Versorgung spätantiker Mühlsteinarbeiter. In: J. Drauschke / R. Prien / A. Reis (Hrsg.), Küche und Keller in Antike und Frühmittelalter. Tagungsbeiträge der Arbeitsgemeinschaft Spätantike und Früh-mittelalter 7. Produktion, Vorratshaltung und Konsum in Antike und Frühmittelalter. Gemeinsame Tagung mit der Arbeitsgemeinschaft Römische Archäologie (Friedrichshafen, 30. Mai - 1. Juni 2012). Studien zu Spätantike und Frühmittelalter 6 (Hamburg 2014) 173-196. (PDF)
  • S. Wenzel, Vom Steinbruch zum Fernhafen. Untersuchungen zum Schwerlasttransport auf kleinen Gewässern. In: H. Kennecke (Hrsg.), Der Rhein als europäische Verkehrsachse. Die Römerzeit. Bonner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie 16 (Bonn 2014) 229-257. (PDF)
  • L. Bakker, Rädchenverzierte Argonnensigillata aus Mendig und Thür, Lkr. Mayen-Koblenz. In: M. Grünewald / S. Wenzel (Hrsg.), Römische Landnutzung in der Eifel – Neue Ausgrabungen und Forschungen. RGZM – Tagungen 16 (Mainz 2012) 213-223.
  • M. Dotterweich / S. Wenzel / R. Schreg, Landschaftsentwicklung seit der Römerzeit im westlichen Segbachtal bei Mayen in der Osteifel. Erste Teilprojektergebnisse des DFG-Projekts »Zur Landnutzung im Umfeld eines römischen Industriereviers«. In: M. Grünewald / S. Wenzel (Hrsg.), Römische Landnutzung in der Eifel. Neue Ausgrabungen und Forschungen. Tagung in Mayen, vom 3. bis zum 6. November 2011. RGZM Tagungen 16 (Mainz 2012) 181-206. (PDF)
  • M. Grünewald, Reiche Steinbruchbesitzer? Die Villa in Axialhofanlage von Lungenkärchen bei Mendig (Lkr. Mayen-Koblenz) im Kontext der römischen Landnutzung. In: M. Grünewald / S. Wenzel (Hrsg.), Römische Landnutzung in der Eifel. Neue Ausgrabungen und Forschungen. Tagung in Mayen, vom 3. bis zum 6. November 2011. RGZM Tagungen 16 (Mainz 2012) 159-179. (PDF)
  • S. Wenzel, Villa und burgus von Obermendig »Im Winkel« (Lkr. Mayen-Koblenz) im Kontext der römischen Besiedlung des Segbachtals. In: M. Grünewald / S. Wenzel (Hrsg.), Römische Landnutzung in der Eifel. Neue Ausgrabungen und Forschungen. Tagung in Mayen, vom 3. bis zum 6. November 2011. RGZM Tagungen 16 (Mainz 2012) 131-158. (PDF)
  • T. Zerl, Ein Getreidevorrat aus dem spätantiken burgus »Im Winkel« bei Obermendig (Lkr. Mayen-Koblenz). In: M. Grünewald / S. Wenzel (Hrsg.), Römische Landnutzung in der Eifel. Neue Ausgrabungen und Forschungen. Tagung in Mayen, vom 3. bis zum 6. November 2011. RGZM Tagungen 16 (Mainz 2012) 207-211. (PDF)
  • M. Grünewald / S. Wenzel, Zur Landnutzung im Umfeld des antiken Steinbruchreviers bei Mayen. Überraschende Ergebnisse verweisen auf römischen Reichtum. Eifeljahrbuch 2012 (2011) 217-223. (PDF)