Pressemitteilung | 30. Juni 2016 

Im Museum für Antike Schiffahrt des RGZM lässt sich das römische Mainz und seine Schiffe ab sofort blindengerecht ertasten; Foto: Ingrid Schmidts-Jütting/RGZM.

Bei den geplanten Führungen für blinde und sehbehinderte Menschen steht der maßstabsgetreue Nachbau A eines Patrouillenboots zur Verfügung; Foto: Ingrid Schmidts-Jütting/RGZM.

Restaurator Markus Wittköpper ergänzt die Schilde am 3D-Tastmodell eines Römerschiffes; Foto: Ingrid Schmidts-Jütting/RGZM.

Der taktile Orientierungsplan des Museums ist nicht nur für blinde und sehbehinderte Menschen ein Gewinn; Grafik: Ingrid Schmidts-Jütting/RGZM.

Grundriss Museum für Antike Schiffahrt/ Ausschnitt aus der Planung für das Vermittlungsprogramm Grafik: Ingrid Schmidts-Jütting/RGZM.

Ausschnitt aus der Planung: Taststation mit 3D-Schiffsmodell; Grafik: Ingrid Schmidts-Jütting/RGZM.

Ausschnitt aus der Planung: Taststation mit Texttafeln in Brailleschrift; Grafik: Ingrid Schmidts-Jütting/RGZM.


Pressemappe (10.4 MB)


Das RGZM auf dem Weg zum Museum für alle: Erste Phase des Projektes „Tasten-Wahrnehmen-Verstehen“ gestartet

Mainz. Fühlen, Tasten und Hören bringt künftig blinden und sehbehinderten Menschen im Museum für Antike Schiffahrt des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) Archäologie und die Geschichte der römischen Schiffahrt auf abwechslungsreiche Weise näher: Zwei Stationen mit Tastmodellen zu einem der in Mainz gefundenen spätrömischen Schiffe sind fertiggestellt und in die Dauerausstellung des Museums integriert. Vertreterinnen der Zielgruppe wurden mit in die Planungen einbezogen.

An der ersten Station geben zwei taktile Pläne und eine kontrastreiche Texttafel einen Überblick über die Geschichte und Entwicklung des römischen Mainz. Eine weitere Station ermöglicht das Abtasten von 3D-Modellen der Schiffsrekonstruktion und eines der sechs in Mainz gefundenen Schiffswracks, die seit 1994 die nationalen und internationalen Besucherinnen und Besuchern des Museums zur Verfügung stehen. Beide Stationen sind mit dem Rollstuhl unterfahrbar und mit Texttafeln in Brailleschrift ausgestattet. Die Finanzierung für die erste Phase erfolgte zum Großteil aus privaten Spenden. Für die Fortsetzung sollen weitere Spender gewonnen werden.

Bereits in der ersten Projektphase entstand ein umfassendes Konzept, das die Ausstellungsbereiche des Museums blindengereicht aufbereitet. Beratend zur Seite standen Vertreterinnen der Zielgruppe Susan Wepler, Beirat für die Belange von Menschen mit Behinderung der Stadt Mainz, und Anja Geißler, Vorsitzende Blinden- und Sehbehindertenverein Rheinhessen e.V. Um zielgerichtet auf die Vermittlung musealer Inhalte für blinde und sehbehinderte Menschen hinzuarbeiten, fanden in der Vorbereitungsphase Gespräche mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Deutschen Blinden-studienanstalt in Marburg (Blista) und des Berufsförderungswerk Mainz (BfW), sowie der Vorsitzenden des Behindertenbeirats der Stadt Mainz, Ursula Wallbrecher, statt. Die Realisierung der virtuellen 3D-Drucke für die Tastmodelle sind durch die Zusammenarbeit der Wissenschaftlichen IT des RGZM mit i3mainz - Institut für Raumbezogene Informations- und Messtechnik und der Lehreinheit Geoinformatik und Vermessung der Hochschule Mainz, entstanden.

„Tasten-Wahrnehmen-Verstehen“ – auf dem Weg zum Museum für alle

In der zukünftigen Planung sind weitere Stationen mit archäologischen Objekten, Modellen, taktilen Plänen und Hörstationen vorgesehen. Eine Rudersequenz, in der Besucherinnen und Besucher das Rudern zur Römerzeit selbst ausprobieren können, soll das Konzept interaktiv ergänzen. „Dieses Vermittlungsprogramm lädt Blinde und Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit ein, unser Museum mit mehr Gewinn zu besuchen. Auch werden wir in Kürze Führungen anbieten, die die Archäologie und die Geschichte der antiken Schifffahrt für blinde und sehbehinderte Menschen tastbar und auf diese Weise verständlicher machen“, so die Projektmanagerin Ingrid Schmidts-Jütting.

Im Museum für Antike Schiffahrt wird seit Oktober 2014 ein Vermittlungsprogramm für blinde und sehbehinderte Menschen erarbeitet. Das RGZM begibt sich damit auf den Weg einer schrittweisen Umsetzung größtmöglicher Barrierefreiheit durch ein entsprechendes Gestaltungs-, Service- und Vermittlungskonzept. Weiterhin soll in besonderem Maße dabei auf die Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Menschen eingegangen werden, doch werden zukünftig alle Museumsbesucherinnen und -besucher, auch die Kinder, von diesem Ausstellungskonzept profitieren.


Presseinformationen

Ebru Esmen (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Stabsstelle Medien)
Tel.: +49 (0) 6131/9124-141 | Mail: esmen(at)rgzm.de

Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM)

Das RGZM ist eine weltweit tätige Forschungseinrichtung für Archäologie mit Hauptsitz in Mainz sowie Nebenstellen in Mayen und Neuwied. 1852 vom Gesamtverein der deutschen Geschichts- und
Altertumsvereine gegründet, ist es seit 1870 eine Stiftung des öffentlichen Rechts und seit 2002 Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) richtet seine Forschung derzeit neu aus. Der Beitrag, den archäologische Forschung mit ihrem weit zurück reichenden Blick für die Bearbeitung und Bewältigung von Problemstellungen des gegenwärtigen Menschen leisten kann, wird zukünftig noch mehr im Fokus seiner wissenschaftlichen Arbeit und deren Vermittlung stehen. Die Kompetenzen des RGZM liegen u.a. im Zusammenspiel von Restaurierung, Archäometrie, experimenteller und antiquarischer Archäologie. Die Forschungen erfolgen in einem internationalen und interdisziplinären Netzwerk. In mehreren Museen und breitgefächerten Publikationen aus dem eigenen Verlag vermittelt es seine Forschungsergebnisse an die Öffentlichkeit.