Pressemitteilung | 19. April 2016  

Ausschnitt des Tassilokelchs mit niellierten Bildnis Christi; Foto: R.Müller/RGZM.

Tassilokelch mit den niellierten Bildnissen Christi, Mariens, der Apostel und andere Heiliger sowie mit anglokarolingischer Tier- und Pflanzenornamentik; Foto: R.Müller/RGZM.


Pressemeldung (PDF) 


Das RGZM beginnt wissenschaftliche Forschungsarbeiten am »Tassilokelch«

Mainz. Für wissenschaftliche Untersuchungen ist der »Tassilokelch« am Montag, den 18. April aus dem Benediktinerkloster Stift Kremsmünster in Oberösterreich ins Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) nach Mainz angeliefert worden. In einem interdisziplinären Forschungsprojekt unterliegt der bedeutendste Kelch des Mittelalters einer kunsthistorischen und theologischen Neubewertung: Die Kompetenzbereiche des RGZM »Restaurierung/ Konservierung« sowie »Naturwissenschaftliche Archäologie« widmen sich der herstellungswissenschaftlichen Forschung des Kelches aus dem Jahre 786.

In den nächsten Wochen prüfen Spezialist/innen des RGZM das Zentralwerk der Karolingerzeit. Es wird untersucht, welche Materialien für den Kelch verwendet wurden und ob vergangene Reparaturen zu erkennen sind. In der speziell dafür ausgerichteten Fotowerkstatt des Leibniz-Forschungsinstituts für Archäologie werden als Vorbereitungsmaßnahmen für die Forschungsarbeiten hochauflösende Digitalaufnahmen angefertigt. „Bevor wir mit unseren Materialforschungen am Kelch beginnen können, liegt der nächste Schritt bei einem 3D-Objektscan, den die »Wissenschaftliche IT« unseres Hauses durchführen wird. Es ist eine Verzahnung verschiedener Disziplinen unseres Hauses, die sich den Forschungsarbeiten am Kelch in den nächsten vier Monaten widmen werden“, erläutert Projektleiterin Dr. Susanne Greiff. Eine Kopie des Kelchs aus den 70er Jahren ist in der Dauerausstellung des RGZM zu sehen. Bis August werdenKopie und Original zum ersten Mal über 40 Jahren wieder in Mainz vereint sein.

Trotz der 100-jährigen Forschungsgeschichte lassen sich bei der Interpretation des figürlichen Bildprogramms und der kunstgeschichtlichen Zuordnung des Kelchs noch zahlreiche Forschungslücken verzeichnen. Auch moderne Materialuntersuchungen und Detaildokumentationen fehlen bisher. Im Zuge der kunsthistorischen und theologischen Neubewertung hat das Stift Kremsmünster zu einem interdisziplinären Forschungsprojekt eingeladen, an dem Forschende verschiedener Disziplinen beteiligt sind, unter anderem Prof. Dr. Egon Wamers vom Archäologischen Museum Frankfurt/Main.

Der drei Kilogramm schwere vergoldete Kupferkelch gehört zu den berühmtesten und kostbarsten Kunstwerken des Stiftes und wird in der Schatzkammer des Stifts aufbewahrt. Es handelt sich hierbei um eine Stiftung von Bayernherzog Tassilo III. und seiner Gemahlin Liutberga. Er entstammt wahrscheinlich aus dem Jahr 786 und wurde vermutlich zur Feier der Hochzeit angefertigt. Beide Namen finden sich als Inschrift auf dem reich mit Silberblechen, Vergoldungen und Niello (einer schwarzen Metallschwefel-verbindung) verzierten Kelch.

Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM)

Das RGZM ist eine weltweit tätige Forschungseinrichtung für Archäologie mit Hauptsitz in Mainz sowie Nebenstellen in Mayen und Neuwied. 1852 vom Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine gegründet, ist es seit 1870 eine Stiftung des öffentlichen Rechts und seit 2002 Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

Das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) richtet seine Forschung derzeit neu aus. Der Beitrag, den archäologische Forschung mit ihrem weit zurück reichenden Blick für die Bearbeitung und Bewältigung von Problemstellungen des gegenwärtigen Menschen leisten kann, wird zukünftig noch mehr im Fokus seiner wissenschaftlichen Arbeit und deren Vermittlung stehen. Die Kompetenzen des RGZM liegen u.a. im Zusammenspiel von Restaurierung, Archäometrie, experimenteller und antiquarischer Archäologie. Die Forschungen erfolgen in einem internationalen und interdisziplinären
Netzwerk. In mehreren Museen und breitgefächerten Publikationen aus dem eigenen Verlag vermittelt es seine Forschungsergebnisse an die Öffentlichkeit.

Presseinformationen

Ebru Esmen M.A. (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit RGZM)
Tel.: +49 (0) 6131/9124-165 | Mail: esmen@rgzm.de

Projektleitung und wissenschaftlicher Kontakt:

Dr. rer. nat. Susanne Greiff
Tel.: +49 (0) 6131 / 9124-131 | Mail: greiff@rgzm.de