Pressemitteilung | 29. September 2014 

Nova Zagora. Ausstellungseröffnung, 26.09.2014. Vorne: Ausgräber Veselin Ignatov, links Museumsdirektor Peycho Peychev (links) und Bürgermeister Nikolai Grosev (Mitte).



»Gaben für die Ewigkeit«

Nova Zagora. Die in Nova Zagora (BG) gezeigte Sonderausstellung präsentiert die reichen Funde aus dem Grab eines thrakischen Aristokraten aus der Zeit um 50 n. Chr.

Seit 2008 gräbt das Historische Museum Nova Zagora systematisch einen gewaltigen römerzeitlichen Grabhügel (∅ 70 m) bei Karanovo aus. Diese Maßnahme wurde nach Raubgräberaktivitäten notwendig. Die steinerne Grabkammer im Zentrum des Hügels barg die Brandbestattung eines thrakischen Aristokraten. Die zahlreichen hochwertigen Beigaben demonstrieren nicht nur den Reichtum des ca. 40jährigen Kriegsherrn, sondern auch seine weitreichenden Beziehungen und Kontakte in der antiken Welt. Die Objekte, darunter zahlreiche Waffen, Metall- und Glasgefäße, stammen teilweise aus dem griechischen, italischen, sarmatischen, pontischen und gallischen Kulturraum. Der Aristokrat starb um 50 n. Chr. in Zeiten eines tiefgreifenden politischen und gesellschaftlichen Umbruchs: 46 n. Chr. wurde das Königreich der Thraker römische Provinz. Die Gemmen seiner goldenen Siegelringe offenbaren ein politisches Programm: einerseits Traditionsbewusstsein, andererseits Treue zu Rom. Als einer der ersten unter den Adligen Thrakiens nahm er nach rund 150 Jahren die Sitte der Bestattung in großen Tumuli wieder auf – er war damit „Trendsetter“ für die provinziale Oberschicht von Thracia für die nächsten fast 200 Jahre. Die Grablegung wurde von mehrtägigen Totenfeiern begleitet, deren Spuren sich in Form eines stratifizierten „Ritualplatzes“ vor der Grabkammer eindrucksvoll erhalten haben. Sie stellen eine seltene archäologische Momentaufnahme dar.

Nun präsentieren das Historische Museum Nova Zagora und das RGZM die teils in Bulgarien, teils in Mainz restaurierten Funde erstmals der Öffentlichkeit. Vom 26. September bis 26. Oktober ist die Sonderausstellung im „Mladejki Dom“ in Nova Zagora geöffnet.

Im Mittelpunkt steht die enge Verzahnung zwischen Restaurierung und archäologischer Forschung: die Restaurierung dient heute nicht mehr dazu, optisch gefällige Museumsobjekte herzurichten, sondern ist längst integrativer Bestandteil der Forschung. Gerade am Beispiel von Funden aus Karanovo kann gezeigt werden, welche kultur- und technikgeschichtlichen Hinweise z. B. in organischen Resten und Herstellungstechniken stecken.

- M. Scholz und R. Lehnert -
 

Link zur Sonderausstellung

http://www.bulgariatravel.tv