Pressemitteilung | 29. November 2017 

Neuerscheinung: "Authentisierung im Museum"

Mainz. Museen bezeichnen sich selbst als Orte des „Originals“ und „authentischer“ Objekte. Doch was steckt hinter dem Begriff des „Authentischen“ im musealen Bereich? Können Kopien, wenn schon keine Originale, dennoch authentische Objekte sein? Ist Authentizität eine Eigenschaft oder eine Zuschreibung durch Museumsmacher? Und welche Rolle spielt Authentizität für Besucher und Nutzer unterschiedlicher Museen? Eine neue Publikation gibt Einblicke in archäologische, kultur- und zeithistorische, technik- und naturkundliche Museen sowie ihren Umgang mit dem „Authentischen“. Sie schlägt dabei einen neuen Weg bei der Beantwortung dieser Fragen ein, indem Praktiken des Beglaubigens und Authentisierens in verschiedenen Museen betrachtet werden.

Die Publikation geht auf aktuelle Forschungen des Leibniz-Forschungsverbunds Historische Authentizität und seiner beteiligten Institutionen zurück. Martin Sabrow, Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam und Sprecher des Forschungsverbunds fasst zusammen: „Der Leibniz-Forschungsverbund Historische Authentizität beschäftigt sich mit der Sehnsucht nach dem "Echten" und dem Stellenwert des Authentischen in historisch arbeitenden Disziplinen und der Geschichtskultur. Dabei kommt den Museen eine zentrale Funktion zu, die vielfältigen Bedeutungsebenen "authentischer Objekte" zu reflektieren.“

In zwölf Artikeln thematisiert der Band, wie Sammlungslogiken und Auswahlprozesse, wissenschaftliche Forschung, restauratorische und konservierende Praktiken sowie Ausstellungspräsentationen und Vermittlungsperspektiven Ausstellungsobjekte in das museale Licht rücken. Oder aber ehemalige Gewissheiten in Frage gestellt werden und das zunächst als authentisch Angesehene dekonstruiert wird. Insofern schaffen Museen nicht nur historische Authentizität, sondern sie zerstören sie auch, indem alte Zusammenhänge verändert und neue kreiert werden – etwa wenn Gebrauchs- oder Fundzusammenhänge in eine Ausstellung überführt oder modifiziert werden.

„Durch unsere Forschungen, Tagungen und Publikationen zur Bedeutung des Authentischen, die wir im Leibniz-Forschungsverbund durchführen, leisten wir einen essentiellen Beitrag für die museale Praxis“, so Mitherausgeber und stellvertretender Sprecher des Leibniz-Forschungsverbunds Dominik Kimmel vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz.

Ein besseres Verständnis von Prozessen der ‚Authentisierung‘ ist nach wie vor der beste Einstieg für Museumsfachleute in einen reflexiven Prozess über Leistungen und Grenzen eines Objektes in Ausstellungen.“

Hans-Peter Hahn, Institut für Ethnologie, Goethe-Universität Frankfurt


Leibniz-Forschungsverbund »Historische Authentizität«

Die Autorisierung von Vergangenheit durch Authentisierung steht im Mittelpunkt des transdisziplinär arbeitenden Leibniz-Forschungsverbunds Historische Authentizität. Der Leibniz-Forschungsverbund ist eine Kooperation zwischen historischen Grundlagenforschungsinstituten, Forschungsmuseen und bildungswissenschaftlichen Einrichtungen, die den Bogen von den Kulturwissenschaften zu den Sozial-, Technik- und Lebenswissenschaften schlagen. Er vereinigt neunzehn Leibniz-Einrichtungen sowie weitere Kooperationspartner. 

Der Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM)

Seit über 30 Jahren besitzt das RGZM einen hauseigenen Verlag. Neben der wissenschaftlichen Redaktion übernimmt der Verlag auch die Buchproduktion weitgehend in Eigenregie. Im Verlag des RGZM werden Forschungsergebnisse veröffentlicht, die am RGZM erarbeitet wurden. Außerdem publiziert der Verlag auch Resultate externer, internationaler Forschung, sofern sie für die wissenschaftlichen Fragestellungen und Arbeitsziele des RGZM von Interesse sind. Darüber hinaus informieren Ausstellungskataloge und populärwissenschaftliche Bücher ein breites Publikum über neue Forschungen. Die Neuerscheinung ist die erste Publikation in der Reihe „Tagungen des RGZM“, die vollständig im Volltext online zugänglich ist.

Weiterführende Links