Pressemitteilung | 5. November 2015 

Chlodwig: eine fiktive Wortwolke seiner Botschaften am Grab seines Vaters (Grafik: RGZM / A. Kluge-Pinsker).

Chlodwig (ca. 466-511), dargestellt von Philipp Prechtl (Foto: RGZM / S. Steidl).

Karte: Gallien beim Tode Childerichs (Grafik: RGZM / M. Ober).

Rekonstruktion der Aufbahrung Childerichs (Grafik: RGZM / V. Kassühlke)

Die Nachbildungen der kompletten Beigaben aus dem Grab Childerichs aus dem RGZM. Die Originale wurden 1831 größtenteils bei einem Einbruch in die Bibliothèque Royale in Paris gestohlen (Foto: RGZM / V. Iserhardt).

Griff der Spatha aus dem Childerichgrab aus Gold mit Granateinlagen (Foto: RGZM / V. Iserhardt).

Die Beschläge der Scheide des einschneidigen Schwertes aus dem Childerichgrab aus Gold mit Granateinlagen (Foto: RGZM / V. Iserhardt).

Nachträglich im RGZM kolorierte Fundtafeln aus der Publikation von Jean-Jaques Chifflet (Abb.: nach J.-J. Chifflet, Anastasis Childerici I. francorum regis, sive thesaurus sepulchralis Tornaci Nerviorum effosus, & commentario illustratus -Antverpiae 1655).

König Chlodwig (Schauspieler P. Prechtl) gemeinsam mit den Eröffnungsrednern. Staatssekretär Prof. Dr. Deufel, Dr. Dieter Quast (Kurator der Aussellung) und Univ.-Prof. Dr Daim (Generaldirektor RGZM) (Foto: RGZM/ S. Steidl).

Eindruck der Ausstellung "Codes der Macht. Mit 16 auf den Thron" im RGZM (Foto: RGZM/ S. Steidl).


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RGZM eröffnet »Intervention« zum Thema Macht

Mainz. Mit »Codes der Macht. Mit 16 auf den Thron« eröffnete das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) am 5. November eine erste Präsentation, die den Weg zum neuen Museum bereiten soll. Denn mit dem Umzug in den Neubau wird auch seine Dauerausstellung ein völlig neues Gesicht bekommen. Bis dahin aber experimentieren die Museumsmacher im Kurfürstlichen Schloss gemeinsam mit ihren Besucherinnen und Besuchern mit neuen Vermittlungsformaten. Probeaufbauten, die neue Perspektiven auf Altbekanntes öffnen, werden als »Interventionen« in die bestehenden Ausstellungen integriert.

Die Ausstellung »Codes der Macht. Mit 16 auf den Thron« beruht auf den Ergebnissen archäologischer Forschungen zu einem Königsgrab aus dem Jahr 481/482. Am 27. Mai 1653 stieß der Steinmetz Adrien Quinquin „in der dritten Stunde des Nachmittags“ beim Bau des neuen Armenhauses wenig nördlich der Kirche Saint-Brice in Tournai zuerst auf eine goldene Schnalle und dann auf „ein rundes Nest aus mürbem Leder“ mit mehr als 100 goldenen Münzen. Nachdem er die Nachbarschaft auf seine Entdeckung aufmerksam gemacht hatte, eilten zahlreiche Menschen dorthin und einige der goldenen Gegenstände fanden neue Besitzer. Mühsam musste von offizieller Seite versucht werden, mit »Bitten und Bezahlung« in den Besitz der Objekte zu kommen, die andere – „sogar Dienstmägde“ – „heimlich aufbewahrten“. Man hatte an diesem Tag einen der wichtigsten archäologischen Funde des frühmittelalterlichen Europa entdeckt! Dass es sich dabei um das Grab des fränkischen Königs Childerich handelte, erkannten die Gelehrten sofort. Dies bewies der goldene Siegelring mit der Inschrift CHILDIRICI REGIS.

Das Ausstellungskonzept

Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen zum Grab Childerichs. In der Ausstellung wird das Grab aber aus einer neuen, ungewöhnlichen Perspektive betrachtet, nämlich aus der seines Sohnes Chlodwig. Er nutzte die Bestattungszeremonie als Bühne, um die Rechtmäßigkeit seiner Nachfolge zu demonstrieren. Die gesamte Zeremonie, ja nahezu jede einzelne Grabbeigabe enthielt Botschaften, die für die Teilnehmer der Feierlichkeiten deutlich lesbar waren. Der junge Herrscher verstand die Codes der Macht und setzte sie äußerst erfolgreich ein. Loyalitätsbekenntnisse, Versprechungen, verdeckte Drohungen sind auch heute noch Botschaften, die Mitmenschen dahin gehend manipulieren, im Sinne ihrer Absender zu handeln.

Die Ausstellung ist in eine multimediale Kampagne eingebunden, in der die Geschichte der Machtübernahme Chlodwigs in der Medienwelt der Gegenwart erzählt wird. Die Kampagne führt das Publikum zugleich aus der Gegenwart auf die historische Bühne der Bestattung des Königs, die den Kern der Ausstellung bildet. Hier werden die Codes aufgelöst, die sich in den Beigaben des Königs verbergen. Bei der Rückkehr in die Gegenwart werden die Besucherinnen und Besucher zu einer persönlichen Reflektion zum Thema »Codes der Macht« ermuntert.

Als „Vorgeschmack“ darauf, was Besucherinnen und Besucher des RGZM nach dem Umzug in das neue Archäologische Zentrum in Mainz erwartet, bezeichnete Wissenschaftsstaatssekretär Prof. Dr. Thomas Deufel das Konzept des neuen Bestandteils der Dauerausstellung und sagte: „Damit beschreitet das Museum Neuland in der Vermittlung archäologischer Forschungserkenntnisse. Es schlägt zugleich mit den spannungsvollen Bezügen zur Gegenwart einen Bogen, der in vorbildlicher Weise den Anspruch der Forschungsmuseen in der Leibniz-Gemeinschaft erfüllt, herausragende Orte der Bildung, des Wissenstransfers und der Wissenskommunikation zu sein.“

„Die ‚Codes der Macht‘ geben uns erstmals die Gelegenheit, mit der Öffentlichkeit über die Neuorientierung unseres Instituts ins Gespräch zu kommen“, erklärte Professor Falko Daim, Generaldirektor des RGZM, anlässlich der Ausstellungseröffnung. „Durch die Einbindung der Intervention in eine Medienkampagne öffnen wir uns dem Publikum in neuer Weise: Besucherinnen und Besucher haben die Möglichkeit, ihre Sichtweise mitzuteilen und damit eigene Beiträge in die Ausstellung einzubringen.“

Links

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Pressebilder

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Presseinformationen

Mag. Dominik Kimmel
Tel.: +49 (0) 6131/9124-141  |  Mail: kimmel(at)rgzm.de

Projektleitung

Dr. Dieter Quast
Tel.: +49 (0) 6131 / 9124-133  |  Mail: quast(at)rgzm.de

Dr. Antje Kluge-Pinsker
Tel.: +49 (0) 6131 / 9124-264  |  Mail: kluge-pinsker(at)rgzm.de

Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM)

Das RGZM ist eine weltweit tätige Forschungseinrichtung für Archäologie mit Hauptsitz in Mainz sowie Nebenstellen in Mayen und Neuwied. 1852 vom Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine gegründet, ist es seit 1870 eine Stiftung des öffentlichen Rechts und seit 2002 Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.
Archäologen und Naturwissenschaftler untersuchen am RGZM vergangene Gesellschaften auf der Grundlage archäologischer Quellen: Hierbei steht der Mensch in Wechselwirkung mit seiner Umwelt im Mittelpunkt. Die Stärken des RGZM liegen u.a. im Zusammenspiel von Restaurierung, Archäometrie, experimenteller und antiquarischer Archäologie. Die Forschungen erfolgen in einem internationalen und interdisziplinären Netzwerk. In mehreren Museen und breitgefächerten Publikationen aus dem eigenen Verlag vermittelt es seine Forschungsergebnisse an die Öffentlichkeit.