Pressemitteilung | 4. Dezember 2014 

Kollage aus Bronzebüste und Postkarte des französischen Archäologen Joseph Déchelette (1862-1914). Grafik: RGZM / K. Hölzl.

Bronzebüste des französischen Archäologen Joseph Déchelette (1862-1914). Bildrechte: Musée Joseph Déchelette, Roanne.

Karte mit Korrespondenzen Joseph Déchelettes. Grafik: RGZM / A. Mees.

Korrespondenz von dem RGZM-Direktorialassistenten Paul Reinecke an Joseph Déchelette aus dem Jahre 1903. Bildrechte: Musée Joseph Déchelette, Roanne.


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RGZM zeigt Präsentation zur Entstehung der deutsch-französischen Archäologie

Mainz. Der mit dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM) in Mainz eng verbundene französische Archäologe Joseph Déchelette (1862-1914) fiel zu Beginn des Ersten Weltkriegs auf dem Schlachtfeld. 100 Jahre später widmet das RGZM zusammen mit dem Musée Déchelette (Roanne/F) den deutsch-französischen Wurzeln archäologischer Forschungstradition eine kleine Präsentation unter dem Titel »Joseph Déchelette und die Geburt der deutsch-französischen Archäologie«. Sie ist vom 5. Dezember 2014 bis zum 3. Mai 2015 in der Abteilung »Römerzeit« zu sehen.

Joseph Déchelette gilt als einer der Gründerväter der französischen Archäologie. Mit seinen Forschungen zu römischer Keramik und keltischen Oppida setzte er Meilensteine in der archäologischen Forschung und erlang internationale Anerkennung. Die innerhalb der deutschen Archäologie entstandene Leitfund-Methode übernahm Déchelette und entwickelte sie weiter. Er baute dabei eine starke internationale Kooperation auf, vor allem mit der damaligen deutschen Archäologie: Fast ein Drittel der Briefkontakte bestand zu deutschen Kollegen. Mit dem RGZM in Mainz war Déchelette besonders verbunden. Hier hatte er in Paul Reinecke (1897 – 1908 am RGZM) und Karl Schumacher (1900 – 1926 Direktor am RGZM) Partner gefunden, mit denen er eine internationale Ausrichtung der archäologischen Forschung entwickelte. In der Ausstellung sind zahlreiche Briefe aus dieser Zeit einsehbar.

Neben seinem Briefwechsel suchte Déchelette auch den persönlichen Kontakt mit seinen europäischen Kollegen. Fünf Reisen zwischen 1899 und 1913 führten ihn zu Museen in ganz Europa. Dabei besuchte Déchelette nicht nur die Sammlungen, sondern traf auch die leitenden Personen der jeweiligen Häuser. Zwei Mal besuchte er das RGZM (1899 und 1911). Im Jahr 1910 war in Mainz die neue Dauerausstellung im Kurfürstlichen Schloss eröffnet worden und die dort ausgestellten Originalfunde sowie Kopien aus anderen europäischen Museen gewährten dem Franzosen einen umfassenden Überblick über das archäologische Fundmaterial des Alten Europas.

Der Erste Weltkrieg setzte der deutsch-französischen Zusammenarbeit ein jähes Ende. Obwohl Déchelette eng mit der Deutschen Archäologie verbunden war, meldete er sich bei Ausbruch des Kriegs freiwillig an die Front und starb am 3. Oktober 1914 auf dem Schlachtfeld. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat das RGZM seine Verbindungen zu Frankreich wieder aufgenommen. Inzwischen belegen viele gemeinsame Forschungsprojekte die gemeinsamen deutsch-französischen Forschungswurzeln.

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Presseinformationen

Christina Nitzsche M.A. (Pressestelle)
Tel.: +49 (0) 6131/9124-165  |  Mail: nitzsche(at)rgzm.de

Wissenschaftlicher Kontakt

Dr. Martin Schönfelder
Tel.: +49 (0) 6131 / 9124-266  |  Mail: schoenfelder(at)rgzm.de

Dr. Allard Mees

Tel.: +49 (0) 6131 / 2866-326  |  Mail: mees(at)rgzm.de

Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM)

Das RGZM ist eine weltweit tätige Forschungseinrichtung für Archäologie mit Hauptsitz in Mainz sowie Nebenstellen in Mayen und Neuwied. 1852 vom Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine gegründet, ist es seit 1870 eine Stiftung des öffentlichen Rechts und seit 2002 Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

Archäologen und Naturwissenschaftler untersuchen am RGZM vergangene Gesellschaften auf der Grundlage archäologischer Quellen: Hierbei steht der Mensch in Wechselwirkung mit seiner Umwelt im Mittelpunkt. Die Stärken des RGZM liegen u.a. im Zusammenspiel von Restaurierung, Archäometrie, experimenteller und antiquarischer Archäologie. Die Forschungen erfolgen in einem internationalen und interdisziplinären Netzwerk. In mehreren Museen und breitgefächerten Publikationen aus dem eigenen Verlag vermittelt es seine Forschungsergebnisse an die Öffentlichkeit.

Begleitprogramm zur Sonderausstellung

Vorträge in Kooperation mit dem Institut Français Mainz

15. Januar 2015, 19 Uhr
Joseph Déchelette (1862-1914) und die Entstehung einer europäischen Forschung zur römischen Keramik
Dr. Allard Mees (RGZM)

26. Februar 2015, 19 Uhr
Alésia, von der Schlacht bis zu den jüngsten archäologischen Ausgrabungen. Deutschland und Frankreich zwischen Konfrontation und Zusammenarbeit
Prof. Dr. Michel Reddé (Paris)

19. März 2015, 19 Uhr
Joseph Déchelette (1862-1914) und die Erforschung der keltischen Oppida
Dr. Martin Schönfelder (RGZM)

9. April 2015, 19 Uhr
Lindenschmit, Frankreich und das Römisch-Germanische Zentralmuseum
Dr. Annette Frey

Alle Vorträge finden im Institut Français Mainz, Schillerstraße 11, 55116 Mainz statt.

Führungen

An jedem ersten Sonntag im Monat finden jeweils um 14 – 14-30 Uhr Führungen durch die kleine Präsentation statt.
Weitere Termine und Führungen für Schulklassen auf Anfrage:
service(at)rgzm.de  |  06131 / 9124-170

Begleitband

Allard W. Mees, Martin Schönfelder: Joseph Déchelette (1862-1914) und die Entstehung einer deutsch-französischen Forschungstradition in der Archäologie. Begleitheft zur Präsentation im Römisch-Germanischen Zentralmuseum vom 5.12.2014 bis 3.5.2015
25 Seiten mit 25 meist farbigen Abbildungen, 17 x 12 cm, Softcover
erschienen im Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (Mainz 2014)
erhältlich im Museumsshop für 3,- €