Pressemitteilung | 31. August 2017 

Zustand einer keltischen Gewandspange vor der Restaurierung; Fundort: Morgantina; Foto: H. Baitinger/ RGZM.

Restaurierter Zustand der keltischen Gewandspange; Fundort Morgantina; Foto: H. Baitinger.

Nachwuchs-Restauratoren des RGZM in der Werkstatt des Archäologischen Museums in Aidone; Foto: RGZM.



Verzahnte Wissenschaft: Mehr als 2500 Bronzeobjekte lassen Archäologen und Restauratoren den antiken Alltag rekonstruieren

Mainz/ Aidone. Restauratoren und Wissenschaftler des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) erforschen zur Zeit in einem deutsch-amerikanischen Kooperationsprojekt archäologische Überreste aus der antiken Stadt Morgantina (Sizilien, Italien): Mehr als 2500 Bronze-Objekte – insbesondere aus den drei Jahrhunderten vor Christi Geburt – geben den Experten des Leibniz-Forschungsinstituts für Archäologie Aufschluss über vergangene Besiedelungen und weitreichende Fernkontakte.

„Die Funde stellen wohl den größten und bedeutendsten Komplex ihrer Art im gesamten Mittelmeerraum dar. Viele dieser Stücke sind Jahrzehnte nach der Ausgrabung immer noch nicht restauriert worden, was aber für eine grundlegende wissenschaftliche Bewertung eine zwingende Voraussetzung ist“, erklärt der Projektleiter, PD Dr. Holger Baitinger (RGZM), und ergänzt: „schon die Freilegung einer bestimmten Verzierung auf einem dieser aus Bronze hergestellten antiken Objekte kann uns bei der wissenschaftlichen Einordnung einen großen Schritt voranbringen und Forschungsergebnisse präzisieren.“ Mehrere Wochen lang ergänzen drei Nachwuchsrestauratoren des dualen Bachelor-Studiengangs »Archäologische Restaurierung« die Arbeit der Archäologen vor Ort. Der Auslandsaufenthalt bildet einen wichtigen Bestandteil ihrer Ausbildung am RGZM, die gemeinsam mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz erfolgt.

Seit 2015 ist das wissenschaftliche Projekt, das die Metallfunde aus dem antiken Morgantina näher untersucht, im Forschungsfeld „Kulturkontakte“ des RGZM angesiedelt. Die restauratorische Expertise aus dem RGZM begleitet die amerikanischen Grabungen in Morgantina bereits seit Mitte der 1990er Jahre. Aus den Erkenntnissen der vergangenen Grabungen sind sich die Wissenschaftler einig, dass das Areal quasi bruchlos von der späten Bronzezeit (10. Jh. v. Chr.) bis in die Zeit um Christi Geburt besiedelt war. Eine große Überraschung stellen insbesondere zahlreiche „keltische“ Gewandspangen dar, die auf die Anwesenheit fremder Personen aus dem oberitalisch-alpinen Raum hinzuweisen scheinen. 1955 begannen die Ausgrabungen unter Leitung der Princeton University; sie werden bis heute durch amerikanische Archäologen von verschiedenen Universitäten fortgeführt. Die bisherigen Funde werden im Archäologischen Regionalmuseum vor Ort ausgestellt. 

RGZM-Archäologie: Forschungsfeld „Kulturkontakte“

Kulturkontakte prägen in starkem Maße die moderne Welt und unseren Alltag, hatten auf vor- und frühgeschichtliche Gruppen und Gesellschaften tiefgreifende und oftmals nachhaltige Auswirkungen. Die Untersuchung kultureller Kontakte bildet eine wichtige Basis, um Prozesse und Entwicklungen in unserer heutigen Gesellschaft besser verstehen zu können und bietet damit wertvolles Orientierungswissen. Ihre Erforschung innerhalb des Forschungsfelds erleichtert es den Wissenschaftlern des RGZM deshalb, heutige Entwicklungen und Verhaltensweisen besser zu begreifen.

Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) | Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie

Das RGZM ist eine weltweit tätige Forschungseinrichtung für Archäologie mit Hauptsitz in Mainz sowie Nebenstellen in Mayen und Neuwied. 1852 vom Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine gegründet, ist es seit 1870 eine Stiftung des öffentlichen Rechts und seit 2002 Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

Das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) richtet seine Forschung derzeit neu aus. Der Beitrag, den archäologische Forschung mit ihrem weit zurück reichenden Blick für die Bearbeitung und Bewältigung von Problemstellungen des gegenwärtigen Menschen leisten kann, wird zukünftig noch mehr im Fokus seiner wissenschaftlichen Arbeit und deren Vermittlung stehen. Die Kompetenzen des RGZM liegen u.a. im Zusammenspiel von Restaurierung, Archäometrie, experimenteller und antiquarischer Archäologie. Die Forschungen erfolgen in einem internationalen und interdisziplinären Netzwerk. In mehreren Museen und breitgefächerten Publikationen aus dem eigenen Verlag vermittelt es seine Forschungsergebnisse an die Öffentlichkeit.

 

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