Pressemitteilung | 7. Juli 2014 

Rosettenförmige Granatscheibenfibel aus dem 6. Jahrhundert (Foto: RGZM/ H. Nett).

Am 3. Juli 2014 fand das zweite Projekttreffen aller beteiligten Mitarbeiter im RGZM statt (Foto: RGZM/ V. Iserhardt).

Im Zuge des Projekttreffens konnten sich die Teilnehmer vernetzen und sich über ihre Projekte austauschen (Foto: RGZM/ A. Hilgner).


Download

Pressemitteilung (PDF)

Pressebilder (ZIP)


Weltweites Zellwerk: Internationales Projekt erforscht frühmittelalterlichen Edelsteinschmuck

Das Römisch-Germanische Zentralmuseum Mainz (RGZM) forscht seit vielen Jahren auf dem Gebiet der frühmittelalterlichen Granate und hat zu diesen Fragen im Januar 2014 gemeinsam mit weiteren Partnern ein mehrjähriges interdisziplinäres Forschungsprojekt begonnen. Es widmet sich einer exotischen Fernhandelsware, einem zwischen ca. 450 und 800 n. Chr. aus Indien und Sri Lanka importierten Edelstein: dem roten Granat. Tausende Waffen und Schmuckobjekte wurden großflächig im sogenannten Cloisonnéstil verziert, bei dem Plättchen aus rotem Granat in einem geometrisch angelegten Zellwerkmuster arrangiert wurden. Nachdem sich das Projektteam am 2. Juli getroffen hat, sind nun alle bisher laufenden Projekte auf der Homepage des RGZM abrufbar.

Der Zugang zu exotischen Gütern wurde schon in der Antike von gesellschaftlichen Eliten zur Schau gestellt, um das eigene Prestige zu demonstrieren. Wie auch heute löste die „High Society“ als Trendsetter regelrechte Modewellen aus. Erhöhte Nachfrage machte einstige exotische Fernhandelswaren zu Massengütern, deren Wert und Sinngehalt sich dadurch veränderte. Fernhandel und Bedeutung des Granats können daher modellhafte Einblicke in die Weltwirtschaft nach dem Zerfall des Weströmischen Reiches eröffnen. Von großem Interesse ist außerdem die Vorstellungswelt der frühmittelalterlichen Menschen. Nicht nur die rote Farbe der Granateinlagen, sondern auch deren Anordnungsmuster auf den einzelnen Objekten lässt die hohe symbolische Aufladung erkennen.

Als Ausgangspunkt für das Projekt dient die Sammlung des RGZM. Die Zusammenarbeit mit Partnern aus fünf europäischen Ländern ermöglicht Zugang zu luxuriösem Granatschmuck aus weiten Teilen Europas. Darüber hinaus werden auch die frühmittelalterlichen Schriftquellen zur sozialen und symbolischen Bedeutung von Edelsteinen erstmals zusammenfassend ausgewertet. Die Projektleitung für das RGZM übernimmt Dr. Dieter Quast.

Die Arbeiten werden im Verbund mit dem LVR-LandesMuseum Bonn und dem Südasien-Institut der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg durchgeführt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziell gefördert.

Beim zweiten Projekttreffen waren über 20 Archäologen, Indologen, Historiker, Mineralogen, Sprachwissenschaftler und Informatiker aus den beteiligten Ländern in Mainz zusammengekommen, um neben der Vernetzung der zwölf Teilprojekte an einem Workshop zu frühmittelalterlichen Goldschmiedetechniken teilzunehmen.

Anzahl Zeichen: 2.465  |  Anzahl Wörter: 312

Website

www.rgzm.de/zellwerk

Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM)

Das RGZM ist eine weltweit tätige Forschungseinrichtung für Archäologie mit Hauptsitz in Mainz sowie Nebenstellen in Mayen und Neuwied. 1852 vom Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine gegründet, ist es seit 1870 eine Stiftung des öffentlichen Rechts und seit 2002 Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.
Archäologen und Naturwissenschaftler untersuchen am RGZM vergangene Gesellschaften auf der Grundlage archäologischer Quellen: Hierbei steht der Mensch in Wechselwirkung mit seiner Umwelt im Mittelpunkt. Die Stärken des RGZM liegen u.a. im Zusammenspiel von Restaurierung, Archäometrie, experimenteller und antiquarischer Archäologie. Die Forschungen erfolgen in einem internationalen und interdisziplinären Netzwerk. In mehreren Museen und breitgefächerten Publikationen aus dem eigenen Verlag vermittelt es seine Forschungsergebnisse an die Öffentlichkeit.

wissenschaftlicher Kontakt

Alexandra Hilgner M.A.
Projektkoordinatorin
Mail: hilgner(at)rgzm.de

allgemeine Presseinformationen

Christina Nitzsche M.A.
Mail: nitzsche(at)rgzm.de
Tel.: +49 (0) 6131 / 9124-165

Downloads