Ihre Fragen zur antiken Schifffahrt

Über den »Marktplatz« im Museum für Antike Schiffahrt haben uns auch Fragen zu den Exponaten in der Dauerausstellung und rund um das Thema antike Schifffahrt erreicht.

Dr. Ronald Bockius, Leiter des Forschungsbereichs Antike Schiffahrt, hat für Sie geantwortet.

Hat man ein ganzes Schiff gefunden?

Nicht in Mainz, aber z. B. in den Niederlanden (De Meern bei Utrecht) hat man einen fast kompletten Binnenfrachter aus der 2. Hälfte des 2. Jh. n. Chr. gefunden.

Wie viel kostet ein Römerschiff?

Man kann es nicht kaufen. Wie viel es in der Antike zu bauen gekostet hat, wissen wir nicht. Aber so viel doch: mehrere Tausend »Mannstunden«, also Arbeit, wie sie eine Person verrichtet, vervielfältigt um vier, fünf Tausend, vielleicht sogar mehr.

Wie lange dauerte die Konstruktion eines Römerschiffes? Wie lange dauerte ein römischer Schiffsbau? Wie viele Bäume braucht man für ein Schiff? Wie viel wiegt ein Römerschiff?

Die Dauer hing von der Größe des Schiffs und der Zahl der Werftleute ab, unter anderem. Wenn die Planung und die Organisation gut waren, konnten in wenigen Wochen Kriegsschiffe fertiggestellt werden, aber manchmal dauerte es etliche Monate. Das Mainzer Riemenboot wog mit Besatzung gut sieben Tonnen.

Hatten die Römer eine Bordtoilette?

An Land gab es »Latrinen«, also wahrscheinlich auch auf besonders großen Schiffen mit viel Besatzung, wo man mit Hygiene-Problemen rechnen muss. Oder auf besonders luxoriösen Schiffen. Auf den Mainzer Booten und ihresgleichen aber sicher nicht.

Die Ruderbänke: Waren die bei den großen Kampfschiffen ausladender? Saßen die Ruderer übereinander in Quinquiremen?

Nicht senkrecht, also wie entlang der Lotschnur übereinander, sondern versetzt, und auch nicht körperhoch übereinander, sondern rund einen halben bis Dreiviertelmeter. Exakt übereinander geht nicht, weil dann auch die Riemen genau übereinander zu lagern wären, was zwangsläufig zur Kollision der Riemenblätter im Wasser führte. Außerdem ließe sich so kein Platz einsparen.

Bei dem Modell eines Frachtschiffes mit Rahtakelung (nach einem Glasmodell) kommt man (ich) auf die Idee, dass nach Rumpfform eher das Heck Bug sein könnte usw. – auch die Abbildung spricht z. T. dafür?!

Das Fahrzeug kann mit seiner Rahtakelung nicht kreuzen und ist auf achterliche bis halbe Winde angewiesen. Wenn formale Vergleiche zwischen dem Modell und modernen Yachten gezogen werden, kann es zur Verwechslung von »vorne« und »achtern« kommen.

Riemenantrieb (wo ist da ein Riemen?) im Zusammenhang mit Ruderantrieb? Vielleicht muss man zwei oder dreimal lesen, bis man begreift?

Ruderantrieb geht auch, ist aber unpräzise, weil dazu auch der Skullantrieb (jeweils einhändig bedientes »Ruder«) zählt. Überdies meint »Ruder« ja auch das Steuerungsorgan eines größeren Wasserfahrzeuges. Es gibt nicht nur den »Riemen«, den man sich kess um die Hüften binden kann ...

Wie lange dauerte eine Reise von Mainz nach Rom?

Eine solche verlief stets über Land, jedenfalls nicht über das Meer. Kombiniert auf Flüssen und Straßen dauerte sie mindestens vier, fünf Wochen, wenn man auch zu Pferd unterwegs war.

Wie viele Schiffe (Flotte) waren auf dem Rhein 400 n. Chr. ungefähr im Einsatz?

Nach für die spätantike Donau überlieferten Baugrammen waren es wohl einige Hundert.

Ab welcher Zeit gab es Schiffe unter Segel, die auch gegen den Wind-Kurs fahren konnten?

Seit es dafür geeignete Segelsysteme gab – ab etwa dem 3./2. Jh. v. Chr. das Sprietsegel, spätestens im 6. Jh. n. Chr. das Lateinersegel.

Wie funktionierte das »Griechische Feuer«?

Mittels einer Hochdruckpumpe wurde ein hochbrisantes Chemikaliengemisch, dessen Rezeptur nicht genau bekannt ist, durch eine Düse gedrückt. Es enthielt wahrscheinlich – unter anderem – Naphta/Mineralöl und Schwefel.

Was bedeutete es für den Flottensoldaten, das latinische bzw. das volle römische Bürgerrecht zu haben? Was änderte sich konkret für ihn?

Das römische Bürgerrecht bot alle Privilegien, z. B. die Befähigung für eine Ämterlaufbahn, juristische Vorteile, aber auch Freiheit schlechthin.