Ergebnispräsentation der Feldforschungen 2017 am 22. September 2017 in Capodimonte (Italien)

Auch in diesem Jahr informierte Dr. Andrea Babbi (RGZM) zum Ende seiner Feldforschungskampagne 2017 in Bisenzio (Italien) über seine Aktivitäten. Er hielt gemeinsam mit Florian Miketta (JoGU) einen Vortrag an der Scuderie Farnesiane in Capodimonte (genannt »La Cascina«). Untersützt wurde die Veranstaltung durch die lokale Verwaltung und Caterina Pisu, Direktorin des Museo della Navigazione nelle Acque Interne. Vier Schüler, die in den letzten Jahren an den Schülerworkshops von Dr. Babbi in Capodimonte teilgenommen hatten, beteiligten sich aktiv an der Veranstaltung. Zuerst beschrieben sie das historische und archäologische Bild der Siedlung Bisenzio. Dann diskutierten sie Ideen und Strategien, die von den Schülern erarbeitet wurden, um die Erhaltung des kulturellen Erbes und die Wissensvermittlung zu optimieren. Die diesjährige Veranstaltung wurde von vielen Menschen jeglichen Alters aus Capodimonte und umliegenden Gemeinden besucht.
 

Feldforschungen

Zwischen Juni und Juli 2017 untersuchte das Ludwig Boltzmann Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie (Wien) weitere 40 Hektar Bodenfläche und schloss damit seine geophysikalische Prospektion ab. Insgesamt waren es 120 Hektar Bodenfläche, die im Zeitraum von 2015-2017 untersucht wurden. Dank den großen geophysikalischen Datenmengen ist es möglich, die Überreste eines Straßennetzes nachzuweisen. An mindestens fünf Standorten fanden sich zudem rechteckige Strukturen, von denen einige ziemlich groß und fast vollständig erhalten sind. Sie sind fast alle mit dem Straßennetz verbunden.

Das Geologenteam »Paleoenvironmental Holocenic Evolution and Setting dell’Istituto Superiore per la Protezione e la Ricerca Ambientale« des Istituto Superiore per la Protezione e la Ricerca Ambientale in Rom (ISPRA) entwickelte eine detaillierte geologische Karte im Maßstab 1:500 weiter. Darüber hinaus erstellten sie eine Karte der Erosions- / Sedimentationsphänomene, basierend auf einem Datenabgleich der historischen Katasterkarte (1940), der modernen "Carta Tecnica Regionale" (2003) und dem digitalen Geländemodell des "Bisenzio" GIS-Projekts. Die Ergebnisse der letztgenannten Analyse sind äußerst wichtig, um eine genauere Interpretation der Ergebnisse aus den archäologischen Feldstudien zu ermöglichen.

Unter der Leitung von Dr. Babbi nahmen Studierende der Universitäten Mainz, Heidelberg und Halle-Wittenberg an der Kampagne 2017 teil. Nach acht Arbeitstagen auf dem Feld (vier Arbeitsstunden am Morgen) war eine Fläche von 0,5 Hektar intensiv untersucht worden und bis zu 4.140 Fragmente waren erfasst worden. Nachmittags (vier Arbeitsstunden) wurden 1.321 diagnostische Scherben genau untersucht und ihre Beschreibung in der bereits vorhandenen digitalen Datenbank erfasst. Diese Arbeiten konnten dank der Unterstützung der lokalen Verwaltung im Labor des Circolo degli Anziani in Capodimonte durchgeführt werden. 4.762 Bilder und 362 Zeichnungen der wichtigsten Fragmente wurden angefertigt.
Insgesamt wurden in den Kampagnen 2015, 2016 und 2017 fast 6 Hektar Fläche gründlich untersucht. 11.860 Befunde wurden georeferenziert. Die Datenbank der diagnostischen Fragmente umfasst 3.791 Dateneinträge; 12.145 Fotos und fast 827 Zeichnungen der bedeutendsten Scherben wurden angefertigt.

Forschungsaktivitäten in den Lagerräumen der Museen

Zusätzlich zu den Feldforschungen wurden die Untersuchungsergebnisse aus dem 20. Jahrhundert im Gebiet des Monte Bisenzio, die durch die Soprintendenza erfolgten, ohne Unterbrechung weiter analysiert.
Zum Ende des ersten Forschungszeitraums (2015-2017) wurden zwei Drittel der Ergebnisse aus der Grabungskampagne am Monte Bisenzio aus dem Jahr 1979 analysiert. Die Kampagne fand unter Leitung von Maria Antonietta Fugazzola Delpino, Filippo Delpino, Maria Paola Baglione und Francesca Melis statt.
Außerdem wurden Zeichnungen aller 78 Bestattungstypen digitalisiert, die zwischen 1927 und 1931 von Fausto Benetti und Enrico Stefani in der Gegend namens "Olmo Bello" entdeckt wurden. Auch das Studium von Pflanzenresten sowie von organischen Stoffen, die sich man einigen Bronzegefäßen fand, wurde beendet.

Vermittlung

Dr. Babbi war maßgeblich an der Zusammenarbeit mit der Presse beteiligt. Nachrichten über das Bisenzio-Projekt wurden sowohl von in gedruckten und digitalen Zeitungen (Print: z.B. Corriere di Viterbo – Italien; digital: z.B. Restauro - Deutschland) als auch über Fernsehkanäle (z.B. TG3 Radio Televisione Italiana - Italien) veröffentlicht.

Das Museo di Capodimonte veranstaltete zudem am 25. und 26. September einen Schülerworkshop, der von Dr. Babbi und Dr. Veliana Olivieri für Schüler der 5. und 7. Klassen der örtlichen Schulen konzipiert wurde.

Wissenschaftliche Vermittlung

Dr. Babbi hielt Vorträge über das Bisenzio-Projekt an der Università degli Studi della Tuscia (Viterbo), in der Soprintendenza Archeologia Belle Arti e Paesaggio per l'Area Metropolitana di Roma la Provincia di Viterbo e l'Etruria Meridionale (Rom) und am Istituto Nazionale Studi Etruschi e Italici (Florenz).

Nicht zuletzt wurde die für das Jahr 2018 geplante wissenschaftliche Publikation, die die ersten Ergebnisse des Bisenzio-Projekts enthalten wird, um zwei Artikel ergänzt: Der erste Artikel befasst sich mit dem Bericht über die Forschungsarbeiten 2015-2016. Der zweite Beitrag beschäftigt sich hauptsächlich mit der Besiedlungsdynamik in der Bolsenasee-Region während der Bronzezeit. Er wurde vorab als Vortrag beider Autoren (Dr. Babbi und Dr. Filippo Delpino) auf dem 29. Convegno di Studi Etruschi e Italici' L'Etruria delle Necropoli Rupestri vorgestellt, das vom 26. bis zum 28. Oktober 2017 in Tuscania (Viterbo) und Viterbo stattfand.

Präsentation

Bisenzio. Ricerca multi-disciplinare su un importante centro etrusco.
Campaign 2017
Freitag, 22. September 2017, 18.30 Uhr
“La Cascina” (Scuderie Farnesiane), Capodimonte (VT)

Programm