Paar halbmondförmiger Goldohrringe mit Darstellung von Vögeln und Rankenwerk, 6./7. Jahrhundert n. Chr. (Foto: RGZM / V. Iserhardt)



Byzantinische halbmondförmige Goldohrringe bei den Bajuwaren und im Karpatenbecken

Halbmondförmige Goldohrringe dürfen wohl zu den besonders typischen Vertretern der frühbyzantinischen Schmuckproduktion gerechnet werden. Leider stammen ca. 80 % der bekannten Exemplare aus dem Kunsthandel, was Provenienzfragen und eine exakte chronologische Einordnung erheblich erschwert. Die wenigen Hinweise zur Datierung der Ohrringe über bekannte Fundkontexte bestätigen in der Regel einen zeitlichen Ansatz der Schmuckstücke in das ausgehende 6. und das 7. Jahrhundert, wobei auch Vorformen und spätere Weiterentwicklungen existieren.

Trotz der Überlieferungsbedingungen lassen sich mit großer Vorsicht auch Verbreitungsgebiete umreißen. Von den im Rahmen des Projektes gesammelten 268 halbmondförmigen Ohrringen (66 Paare und 136 Einzelstücke) besitzen immerhin 36,2 % einen Fundort und weitere 15,3 % lassen sich einer größeren Fundregion zuordnen. Zieht man diese Gruppen in Betracht, so sind goldene halbmondförmige Ohrringe besonders in Süditalien und Sizilien verbreitet, locker gestreut zwischen Albanien und Griechenland und wiederum konzentriert im westlichen Kleinasien und um das östliche Mittelmeer herum mit einer hohen Fundanzahl auf Zypern. Gen Norden sind wenige Exemplare auf der Krim bis in die südrussische Steppenzone zu finden.

Ein besonderes Phänomen stellen zwei kleine Gruppen von Halbmondohrringen dar, die an der nordwestlichen Peripherie dieses Verbreitungsgebietes gefunden worden sind, und zwar im bajuwarischen Raum und im westlichen Karpatenbecken. Das Projekt widmet sich den Parallelen und der Stellung dieser Exemplare innerhalb der mittlerweile recht großen Zahl von Halbmondohrringen und analysiert die Faktoren, die die Vermittlung der Stücke in Gebiete jenseits der mediterranen Welt ermöglicht haben.