Neues aus den Museen 

Pressekonferenz zur Schließung des Museums für Antike Schifffahrt. Dr. Antje Kluge-Pinsker, Generaldirektorin des RGZM Prof. Dr. Alexandra W. Busch, Dr. Henriette Baron (v.l.n.r.). Foto: R.Müller/RGZM.

Pressekonferenz zur Schließung des Museums für Antike Schifffahrt. Dr. Antje Kluge-Pinsker, Generaldirektorin des RGZM Prof. Dr. Alexandra W. Busch, Dr. Henriette Baron (v.l.n.r.). Foto: R. Müller/RGZM.

Der Nachbau (1:1 Maßstab) eines gefundenen Römerschiffs in der aktuellen Ausstellung des 1994 eröffneten Museums für Antike Schifffahrt. Foto: R. Müller/RGZM.

Die im RGZM konservierten Überreste der 1981/82 aufgefundenen Römerschiffe in der aktuellen Ausstellung des Museums für Antike Schifffahrt. Foto: R. Müller/RGZM.



Schließung wegen Umbau: Das Museum für Antike Schifffahrt erhält eine neue Dauerausstellung

Das Museum für Antike Schifffahrt kann auf eine fast 30-jährige Geschichte zurückblicken. Was 1981 mit dem aufsehenerregenden Fund der „Mainzer Römerschiffe“ begann und 1994 zur Eröffnung des Museums für Antike Schifffahrt führte, wird nun in die Zukunft fortgeschrieben: Die Dauerausstellung des Museums wird neu konzipiert, modernisiert und umgestaltet. Ermöglicht wird dies durch Fördermittel des „Aktionsplans Leibniz-Forschungsmuseen“. Bis zum 30. Juni 2022 ist die bisherige Ausstellung noch zu sehen, bevor sich dann am 1. Juli die Türen schließen und die Umbauarbeiten starten. Im Frühjahr 2023 soll das Museum für Antike Schifffahrt mit neu gestalteter Dauerausstellung wiedereröffnet werden. Den Countdown bis zur Schließung läutet das Museum mit verschiedenen Veranstaltungen ein.

Das Museum für Antike Schifffahrt gehört zum Römisch-Germanischen Zentralmuseum, dem Leibniz-Institut für Archäologie (RGZM). Es ist eines von acht bundesweiten Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft, die im Rahmen des „Aktionsplans Leibniz-Forschungsmuseen“ gefördert werden. Diese Sonderfinanzierung von Bund und Ländern stellt den acht Museen jeweils 1 Million Euro zur Verfügung, mit dem Ziel, in den Museen den Austausch und Dialog über die großen globalen Herausforderungen unserer Zeit weiterzuentwickeln und zudem mit übergreifenden Maßnahmenpaketen deutschlandweit entsprechende Themen zu setzten. Die Modernisierung der Dauerausstellung im Museum für Antike Schifffahrt wird mit den Fördermitteln des Aktionsplans ermöglicht und finanziert. 

„Als Leibniz-Forschungsmuseum stehen wir an der Schnittstelle von Wissenschaft und Gesellschaft. Wir fördern den Dialog, bauen Schwellen ab und wollen mit neuen Formaten und Angeboten gesellschaftliche Gruppen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund für unsere archäologische Forschung und die daraus gewonnenen Erkenntnisse interessieren,“ erklärt die Generaldirektorin des RGZM, Univ.-Prof. Alexandra W. Busch. „Dabei sind wir von dem Verständnis geleitet, dass Zugang zu Wissen und zu Wissensressourcen die Voraussetzung für die Bildung einer kritischen Urteilskraft ist, wie sie unsere demokratische Wissensgesellschaft fordert. Als Forschungsmuseum für Archäologie können wir hierzu substanzielle Beiträge leisten.“

Das RGZM hat in den letzten Jahren einen Prozess der strategischen Weiterentwicklung durchlaufen, der auch das Selbstverständnis als Forschungsmuseum beinhaltet. Ein neues Museumskonzept wurde entwickelt, das den zukünftigen Besucherinnen und Besuchern einen anderen Zugang zur Archäologie ermöglichen wird und sie erleben lässt, dass die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit wichtig für ein besseres Verständnis der Gegenwart ist. Die Neukonzeption bezieht sich im Kern auf das Rahmenthema des Aktionsplans - „Eine Welt in Bewegung“. 

„Bisher erfuhren unsere Besucherinnen und Besucher sehr viel Wissenswertes über antiken Schiffbau. Wir wollen nun das Thema Mobilität stärker in den Fokus nehmen“, gibt Dr. Henriette Baron, die Leiterin des Arbeitsbereichs Ausstellungen einen ersten Einblick in die Neukonzeption. „Es gibt die verschiedensten Gründe, warum sich Menschen in der Welt bewegen. Hoffnung, Neugier, Not, Mangel und Machtstreben lassen sie trotz aller Risiken in unbekannte Regionen aufbrechen“, erläutert Baron. Dafür entwickeln sie innovative Mittel und Techniken der Fortbewegung, schaffen Wege und Infrastrukturen, sowohl zu Land als auch zu Wasser. „Das interessiert uns, denn auf diese Weise ergeben sich immer neue Begegnungen und Konstellationen, welche die Weiterentwicklung von Gesellschaften antreiben“, so Baron weiter. Anders als bisher geht es in der neuen Dauerausstellung also um die Motivationen und die Konsequenzen menschlichen Handelns, das die archäologische Forschung anhand ihrer Quellen erschließt.

Wenn sich am 1. Juli die Türen des Museums für Antike Schifffahrt schließen, werden zunächst die Wracks der Römerschiffe und die großen Nachbauten vorsichtig innerhalb des Ausstellungsraumes bewegt, um Platz für den Umbau zu schaffen. Alle anderen Objekte werden ausgeräumt und ins Depot gebracht. Für die Präsentation in der neuen Dauerausstellung sind derzeit 240 Objekte eingeplant: Originale, Kopien und Schiffsmodelle. Mit der geplanten Wiedereröffnung im Frühjahr 2023 schließt sich die neu konzipierte Ausstellung des Museums für Antike Schifffahrt dem benachbarten Neubau Vorhaben des RGZM räumlich und inhaltlich an. Nur wenige Meter entfernt entsteht das neue Leibniz-Zentrum für Archäologie, in das das RGZM voraussichtlich zum Jahresende umziehen wird. In dem neuen Gebäude ist neben Räumen für die Forschung auch ein neues archäologisches Museum vorgesehen, dessen Eröffnung für 2024 geplant ist.

Bis der Umbau im Museum für Antike Schifffahrt startet, haben alle Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, ihre Lieblingsobjekte in gewohnter Präsentation noch einmal zu betrachten oder auch neu zu entdecken. Das Museum für Antike Schifffahrt läutet unter dem Motto „Abschied und Aufbruch“ den Countdown ein. Er startet am 11. Juni mit einem Fest für die ganze Familie - „Tschüß! Macht es gut und bis bald“ u.a. mit Erzählungen, Aktivitäten und Kurzführungen. Anschließend wird es jeweils freitags und sonntags Vormittag Führungen zu bestehenden Themenbereichen geben, die mit kleinen Ausblicken auf neue Perspektiven zugleich Lust auf den Aufbruch machen sollen. Zum Finale am Donnerstag, den 30. Juni findet die letzte der diesjährigen After-Work Veranstaltungen statt.

Vom Wissen zum Handeln:
Der Aktionsplan der Leibniz-Forschungsmuseen

Das RGZM als Leibniz-Forschungsmuseum

Die acht Forschungsmuseen bilden ein Alleinstellungsmerkmal der Leibniz-Gemeinschaft mit ihren deutschlandweit insgesamt 97 von Bund und Ländern finanzierten Forschungseinrichtungen.

Das Römisch-Germanische Zentralmuseum, Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie (RGZM) ist seit 2002 Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft und deren Forschungsmuseen. Mit seinen Forschungseinrichtungen in Mainz, Mayen und auf Schloss Monrepos bei Neuwied unterhält das RGZM drei Standorte in Rheinland-Pfalz, denen jeweils Ausstellungen zugeordnet sind, welche die Forschungen der jeweiligen Häuser einer breiten Öffentlichkeit erschließen. Dazu gehört am Standort Mainz das Museum für Antike Schifffahrt.

Die breite Expertise und die Netzwerke der Leibniz-Forschungsmuseen ermöglichen eine übergreifende und zielgerichtete Nutzung, um über Disziplinen, Sparten und Regionen hinweg gemeinsam nachhaltige Vermittlungsformate, die Stärkung des Wissenstransfers sowie Nutzen und Relevanz von Forschung sichtbar zu machen. Dabei sind die Leibniz-Forschungsmuseen von dem Verständnis geleitet, dass Zugang zu Wissen und Wissensressourcen die Basis für die Herausbildung einer kritischen Urteilskraft und damit fundamental für unsere Gesellschaft ist. Als Verbund haben sich die Forschungsmuseen deshalb zum Ziel gesetzt, ihre Ausstellungen ebenso wie mediale und digitale Plattformen für den Austausch und den Dialog über aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen weiterzuentwickeln und damit breite Gesellschaftsschichten „barrierefrei“ anzusprechen. Sie wollen Wissenschaft lebendig und partizipativ vermitteln und unter dem Motto „Vom Wissen zum Handeln“ zur Mitgestaltung von gesellschaftlichen Veränderungen anregen. 

Der Aktionsplan der Leibniz-Forschungsmuseen

Die Umsetzung dieser Ziele und deren strategische Weiterentwicklung erfolgt über den „Aktionsplan Leibniz-Forschungsmuseen“, der in einer Sonderfinanzierung des Bundes und der Länder seit 2017 umgesetzt wird und den beteiligten Museen in zwei Förderphasen jeweils 1 Mio. Euro Fördermittel zur Verfügung gestellt hat.

Gefördert wird der Aktionsplan auf Beschluss des Bundestages vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gemeinsam mit den Bundesländern, in denen die Forschungsmuseen ihren Sitz haben.

Aufbauend auf den Vorarbeiten aus der ersten Förderphase (2017-19), entwickeln die Leibniz-Forschungsmuseen im Rahmen der zweiten Förderphase das Konzept des integrierten Forschungsmuseums, national wie auch international, strategisch weiter. Die Fokussierung auf das Rahmenthema „Eine Welt in Bewegung“ ermöglicht es Fragen nach der Wechselwirkung zwischen Kultur und Natur, nach Erkenntnissen aus der Menschheitsgeschichte sowie nach globalen gesellschaftlichen und kulturellen Herausforderungen zu formulieren. Neu entwickelte Formate werden spartenübergreifend Ursachen, Formen und Konsequenzen von Mobilität, Migration und Bewegung von Menschen, Tieren, Dingen und Ideen beleuchten. Dabei liegt u.a. ein besonderer Fokus auf der Integration neuer Medien sowie auf der Entwicklung und Evaluierung partizipativer Formen des Wissenstransfers.

Das Römisch-Germanische Zentralmuseum, das die Perspektive der archäologischen Forschung in den Verbund einbringt, nutzt die Mittel des Aktionsplans für eine inhaltliche wie auch didaktische Neuausrichtung und Umgestaltung der Dauerausstellung im Museum für Antike Schifffahrt.

Darüber hinaus setzten setzen die Forschungsmuseen innerhalb des Aktionsplans auch nationale, museumsübergreifende Formate um, die zu einer weiteren Öffnung der Museen beitragen sollen. In der Geschäftsstelle der Leibniz-Gemeinschaft koordiniert und zum Teil gemeinsam mit externen Partnern wie zum Beispiel der F.A.Z. (Schulwettbewerb),  dem A MAZE  festival (gamejam, hackaton) und der Bundeszentrale für politische Bildung u.a. konzipiert , bieten diese Pilotprojekte Erfahrungen, die  für die nachhaltige Weiterentwicklung der Vermittlungs- und Kommunikationsstrategie der Museen genutzt werden.  

Die Finanzierung aus dem Aktionsplan hat ebenso eine sehr intensive und einzigartige Zusammenarbeit der Museen im Bereich des Wissenstransfers möglich gemacht, die verstetigt werden soll. Aus der ersten Förderphase ist unter anderem das seit 2021 institutionalisierte Leibniz-Kompetenzzentrum „Bildung im Museum“ hervorgegangen, in dem die Museen und Bildungsforschungsinstitute der Leibniz-Gemeinschaft zusammenarbeiten, um die Wirksamkeit von Vermittlungsmaßnahmen zu untersuchen und gezielt weiterzuentwickeln. Das RGZM ist in diesem Verbund federführend vertreten.

Das Museum für Antike Schifffahrt des RGZM, Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie 

Das Museum für Antike Schifffahrt ist ein Museum des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie (RGZM) in Mainz. Mit seinen Forschungen zur Nautischen Archäologie bildet es als eigenständiges Themenmuseum innerhalb der Museen des RGZM einen Bereich menschlicher Aktivität ab, der seit Jahrtausenden das menschliche Miteinander geprägt hat: die Schifffahrt. 

1994 eröffnete das Museum im sanierten Bau der ehemaligen Großmarkthalle. Fünf römische Schiffe aus dem späten 3./4. Jahrhundert n. Chr., die 1981/82 bei Bauarbeiten in Mainz gefunden wurden, bilden das Herzstück der Ausstellung. Im Zentrum stehen die konservierten hölzernen Überreste der römischen Militärschiffe sowie zwei eindrucksvolle, rund 20 Meter lange Nachbildungen. Die gefundenen Wracks sind Zeugnisse aus Zeiten, als auf dem Rhein römische Patrouillenboote kreuzten, um die Außengrenze des Römischen Reiches vor Eindringlingen zu schützen. 

Der Fund der Schiffe sorgte für große überregionale Aufmerksamkeit bei Medien und Archäologen gleichermaßen. Das RGZM begleitete als Partner die Arbeiten des rheinlandpfälzischen Landesamts für Denkmalpflege (heute Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, GDKE): Ausgrabung, Dokumentation und vorbereitende konservatorische Maßnahmen der sogenannten „Mainzer Römerschiffe“ wurden in enger Zusammenarbeit vorgenommen, bei der sich die Institutionen ergänzten und ihre jeweiligen Kompetenzen einbrachten. Im Jahre 1989 hatten Stadt, Land und Bund geeignete Voraussetzungen geschaffen, um die Objekte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das RGZM nahm die Wracks als Kulturbesitz des Landes Rheinland-Pfalz in seine konservatorische Obhut und sorgte für eine umfassende wissenschaftliche Aufarbeitung. Daraus leitete sich die museale Einbindung der Funde in überregionale Zusammenhänge römischer Schifffahrt und Schiffbaus ab. Mit der angeschlossenen Werkstatt für Nassholzkonservierung ist das archäologische Forschungsmuseum des RGZM in dieser Form einzigartig.  

Zwecks Neuausrichtung der Dauerausstellung wird das Museum für Antike Schifffahrt ab dem 1. Juli 2022 für Umbauarbeiten schließen und mit neu konzipierter Ausstellung im Frühjahr 2023 wiedereröffnet. Die neue Dauerausstellung wird aus Mitteln des Aktionsplans Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft finanziert.

Das Museum für Antike Schifffahrt in Daten

  • 1870 Lokomotiv-Reparaturwerkstatt der Hessischen Ludwigsbahn 
  • 1929 bis 1989 Großmarkthalle 
  • 1981/82 Mainzer Römerschiffe werden bei Bauarbeiten gefunden 
  • 1989 Beginn umfassender Sanierungsarbeiten 
  • 1994 Eröffnung des Museums für Antike Schifffahrt 
  • 2022-2023 Modernisierung und Umbau für die neue Dauerausstellung
  • 2023 Eröffnung der neuen Dauerausstellung