Kopie eines Spangenhelms aus Bronze, vergoldet (Typ: Baldenheim). Foto: RGZM / V. Iserhardt.

Kopie eines Kammhelms aus Eisen (Typ: Dunapentele/Intercisa). Foto: RGZM / V. Iserhardt.

Kalottenhelm mit Scheitelband und Wangenklappen (5. / frühes 6. Jahrhundert n. Chr.): Stark zerdrückter und verrosteter Helm mit parabolischer Kalotte, die aus vier dreieckigen, sphärischen Platten mit zwei ausgeschnittenen Brauenbögen und zwei einander kreuzenden Eisenbändern besteht, die durch Bronzenägel zusammengefügt sind. Das Scheitelband endet in einem kurzen Nasenschutz. Von dem schmalen Stirnband aus Bronzeblech blieben nur wenige Reste erhalten. Die breiten nach vorn gebogenen Wangenklappen hingen an breiten Scharnieren, die teiilweise noch vorhanden sind. Foto: RGZM / V. Iserhardt.

Vierspangenhelm (spätes 5. / 6. Jh. n. Chr.): Ovaler, konischer Vierspangenhelm aus vier eisernen Platten, die durch zwei gekreuzte, unverzierte Bronzebänder, die mit Bronzenieten aufgenagelt wurden, sowie von einem aufgenagelten, eisernen Stirnband (H. 32 mm) zusammengehalten werden. Je zwei Nietlöcher am unteren Rand des Stirnbandes deuten auf die Existenz von zwei verlorenen Wangenklappen. Ein Nasenschutz war nicht vorhanden. Foto: RGZM / R. Müller.



Studien zu spätrömischen bis frühmittelalterlichen Segmenthelmen

Die ab dem späten 3. Jh. n. Chr. im Ausrüstungsfundus der römischen Armee zu beobachtende flächendeckende Einführung von Segmenthelme nach östlich/orientalischer Tradition markiert einen radikalen Bruch mit den seit vorchristlicher Zeit im römischen Heer üblichen Helmbauprinzipien. Die bisher einteilig gefertigte Helmkalotte mit integriertem Nackenschirm wurde nun durch eine Konstruktion aus miteinander vernietet Einzelsegmenten ersetzt, der ein separater Nackenschirm mit flexibler Aufhängung oder eine Nackenbrünne aus Kettengeflecht angegliedert war. Auf Basis der Konturen der Kalottensegmente und der Form prägnanter Verbindungselemente zwischen ihnen lassen sich u. a. Kammhelme, Bandhelme, Spangenhelme und Lamellenhelme mehr oder minder deutlich voneinander abgrenzen.

Eine frühzeitige Adaption der fremdartigen Helmformen an die eigenen Form- und Ziervorstellungen begünstigt zudem in einigen Fällen eine klare Unterscheidung zwischen römischen und fremden Produkten. Ergänzt durch konstruktions- und materialtechnische Untersuchungen sollen diese Merkmale im Rahmen des vorliegenden Projektes weiter herausgearbeitet und auch auf Segmenthelme angewendet werden deren Herkunft bzw. Produktionsstätten in der archäologischen Forschung seit langem kontrovers diskutiert werden.

Neben noch fortlaufenden Betrachtungen zu spätkaiserzeitlichen Kamm- und Bandhelmen widmet das Projekt diesbezüglich eine besondere Aufmerksamkeit den Spangenhelmen vom sogenannten Typ Baldenheim, die mehrheitlich aus mitteleuropäischen Grabkontexten des fortgeschrittenen 5. bis späten 6./frühen 7. Jhs. n. Chr. bekannt sind. Während viele Gestaltungsdetails und einige wenige Fragmente aus Siedlungen auf eine Herstellung dieses Helmtyps in verschiedenen byzantinischen Heeresmanufakturen schließen lassen, wird auf Grund der Fundverbreitung auch über eine alternative Fertigungsstätte in Oberitalien und bisweilen sogar über mitteleuropäische Imitationen nachgedacht. Erste im Zuge des vorliegenden Projekts an einigen kupfernen Konstruktionsteilen dieser Helme durchgeführte Bleiisotopien lassen demgegenüber jedoch eher auf Rohmaterial aus den Lagerstätten einer Region schließen, deren Lage eine Belieferung italischer oder gar mitteleuropäischer Handwerker unwahrscheinlich macht. Vielmehr scheint sich für die Baldenheimer Helme eine Produktion durch vielleicht mehrere Betriebe in eventuell nur ein oder zwei großen byzantinischen Fertigungszentren abzuzeichnen. Diese Überlegungen müssen jedoch erst noch durch weitere Analysen erhärtet werden.

Unterprojekte

  • Ein Depotfund mit Kammhelmen aus Koblenz am Rhein
  • Analysen zur Herkunft der Spangenhelme vom Baldenheimer Typ