Lesezirkel 


14.04.2021, 16:30

Der Lesezirkel findet digital via ZOOM statt.


VARM-Theorie-Lesezirkel digital

Haben die Begriffe ‚Gesellschaft‘ und ‚Kultur‘ ausgedient? Der Gesellschaftsbegriff steht in der Soziologie – ebenso wie der Begriff der ‚Kultur‘ in der Anthropologie – im Grunde seit Beginn der Disziplin, verstärkt aber seit den 1980ern, in der Kritik. Die Kritiker*innen bemängeln vor allem einen „Essenzialismus“, die Abgrenzung, Fixierung und Homogenisierung von Kollektiven; aber auch einen Anthropozentrismus. Wir diskutieren dazu einen Text von Heike Delitz, Privatdozentin am Lehrstuhl für Soziologische Theorie der Universität Bamberg und derzeit Vertretung der Professur für vergleichende Gesellschaftsforschung an der Universität Bremen. Sie wird am Lesezirkel teilnehmen.

Heike Delitz macht im Rückgriff auf eine genuin französischsprachige soziologische Tradition den Gesellschaftsbegriff stark. Gerade mit dem stets als ‚Essentialist‘ verabschiedeten Émile Durkheim und in seiner Nachfolge wird ‚Gesellschaft‘ als wirksame, Subjekte und Verhalten formende Vorstellung fassbar. Es ist der fluide, veränderliche und der heterogene Charakter von Kollektiven – die Unmöglichkeit von ‚Gesellschaft‘ als Totalität oder Ganzheit –, die zur Notwendigkeit führt, eine Einheit zu behaupten und sich zu fixieren. Gesellschaft als Einheit und Identität erscheinen in dieser Perspektive als kontrafaktische, „imaginäre Institutionen“ (Castoriadis). Als solche sind sie auf Bedeutungssysteme und Materielles, nicht zuletzt auf Architekturen und Artefakte angewiesen.
In Konzentration auf die Behauptung einer Identität in der Zeit und damit verbundener Einheitsimaginationen geht es H. Delitz um eine ‚gesellschaftstheoretische Gedächtnissoziologie‘, die den Akzent ebenso auf das Imaginäre wie Materielle legt und die es gerade auch aus archäologischer Perspektive lohnt, zu diskutieren.
 
Heike Delitz (2020), Für eine gesellschaftstheorethische Gedächtnissoziologie, Zeitschrift für Theorethische Soziologie 1/2020, 87-103.

Um teilzunehmen folgen Sie bitten diesem LINK:

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Es handelt sich dabei um den Link zu einem ZOOM Meeting, welchem Sie entweder ohne Anmeldung und Installation von externer Software über den Browser, oder aber über die ZOOM App beitreten können. Bitte gewähren Sie sich, falls Sie damit noch keine weiteren Erfahrungen haben einige Minuten Vorlauf, damit wir pünktlich um 16.30 Uhr mit der Diskussion des Textes beginnen können.

VARM-Theorie Lesezirkel

Der VARM-Theorie-Lesezirkel richtet sich vor allem an junge Wissenschaftler*innen und bietet ihnen die Gelegenheit, sich intensiv mit zentralen Texten auseinanderzusetzen. Uns interessieren besonders die derzeit auch in den Altertumswissenschaften viel diskutierten Themen Zeit, Raum, Identitäten, Wissen, Praktiken und materielle Kultur. Anhand der Lektüre zentraler Texte und deren Diskussion werden theoretische und methodische Überlegungen vertieft und kritisch reflektiert.
Interessent*innen wenden sich bitte an varm-koordinator(at)uni-mainz.de