RGZM Forschung 

Römischer Mühlsteinbruch im Mayener Grubenfeld (Lkr. Mayen-Koblenz) (Foto: RGZM).



Vormodernes Industrierevier soll Unesco-Welterbestätte werden

Das Mühlsteinrevier Rhein-Eifel soll Unesco-Welterbe werden. Mit einem entsprechenden Antrag hat das Land Rheinland-Pfalz eine Nominierung angestoßen. Für die vorbereitenden Maßnahmen und zur wissenschaftlichen Beratung wurde ein unabhängiger Fachbeirat berufen, dessen Argumentation sich auch auf die Forschung des Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM), Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie stützte. Seit 25 Jahren sind am Standort Mayen die römischen und mittelalterlichen Industriereviere Gegenstand der Forschung des RGZM-Kompetenzbereichs „Vulkanologie, Archäologie und Technikgeschichte“. Ob das Mühlsteinrevier Rhein-Eifel auf die deutsche Auswahlliste (Tentativliste) aufgenommen wird, entscheidet sich in der nächsten Kultusministerkonferenz.

Ausschlaggebendes Kriterium für den Antrag zum Unesco-Welterbe ist vor allem die Produktion von lokalen Basaltlava Mahl- und Mühlsteinen, die nachweislich bis in die Römerzeit zurückführt. "Es ist weltweit eines der ganz seltenen Beispiele, bei dem eine römische, mittelalterliche und neuzeitliche Produktionsgeschichte in ihren Auswirkungen auf kulturelle und umweltbezogene Faktoren bis heute verfolgt werden kann", begründete der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) die Auswahl .Dr. Holger Schaaff (RGZM) ist Forschungsleiter vor Ort und äußerte sich zu dem Vorhaben folgendermaßen: „Dass unser Bergbau-Revier als einziger Kandidat zur Welterbestätte vom Land Rheinland-Pfalz vorgeschlagen wird, stellt auch eine große Wertschätzung für unsere Forschung dar. Die Nominierung lässt mein Archäologenherz natürlich höherschlagen – und dies pünktlich zum 25-jährigen Jubiläum unserer Revier-Forschungen.“

RGZM forscht seit 25 Jahren im Landkreis Mayen-Koblenz

Die Mühlsteine aus der Eifel wurden schon in der Antike aus der heimischen Basaltlava in großem Umfang hergestellt und über den Rhein als Handelsroute exportiert. Überall im sogenannten "Mühlsteinrevier" findet man archäologische Belege zur Geschichte der Produktion von Reib- und Mühlsteinen, die nur durch den Vulkanismus in der Eifel möglich wurde. „Das Mühlsteinrevier Rhein-Eifel zählte in der Antike zu den größten Produktionsstätten der Alten Welt und war den Fachleuten schon lange bekannt. Dass es sich aber um ein regelrechtes Bergbaurevier handelt, ist Ergebnis unserer Forschung“, ergänzt Schaaff und fährt fort „erstmals liegen fundierte Schätzungen über den tatsächlichen Umfang des Abbaus vor. So wissen wir heute, dass die römische Produktion ein Ausmaß hatte, das erst wieder zur Hochkonjunktur der neuzeitlichen Mühlenproduktion um 1860 erreicht wurde.“

Die Forschenden konnten zudem erstmals den mineralogischen Fingerabdruck der Mühlengesteine entschlüsseln und davon ausgehend, den Exportraum verlässlich rekonstruieren.

Bestimmung der endgültigen Nominierung zum Unesco Welterbe im Jahr 2025

Für den Antrag zur Nominierung als Unesco-Kulturerbe war die Arbeitsgemeinschaft „Mühlsteinrevier RheinEifel“ zuständig. Bewertet wurde dieser im Nachgang von einem Fachbeirat, der aus wissenschaftlichen Experten bestand. Bis März 2023 entscheidet die Kultusministerkonferenz über alle aus den Bundesländern eingereichten Bewerbungen, bevor die Auswahl zu einer finalen Tentativliste zusammengefasst wird. 2024 wird die Tentativliste mit ausgewählten Kulturdenkmälern und Schutzgebieten bei der Unesco eingereicht, um ab 2025 eine mögliche Nominierung einzuleiten.

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