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Die Abbildung zeigt Handelsströme von Terra Sigillata zwischen Gitter-Zellen-Paaren. Jede Farbe ist spezifisch für eine Ursprungsgitterzelle. Dickere Linien zeigen größere Volumenströme an; Grafik: Samian Research/Erik Hornung.



Römische Handelsstrukturen als Basis für gegenwärtige Wirtschaftsstrukturen

Seit über 20 Jahren widmet sich die im RGZM entwickelte Datenbank „Samian Research“ der digitalen Erfassung von Daten zu Fundorten, Beschaffenheit und Datierungen einer der begehrtesten Handelswaren im römischen Reich – der Terra Sigillata, einem Keramikgeschirr, das im ganzen Imperium verbreitet war. Die umfangreiche Datensammlung ermöglicht es den Forschenden römische Handelsrouten und auch das dazu gehörende Warenvertriebssystem zu rekonstruieren. Nun geht eine aktuelle Studie des RGZM in Zusammenarbeit mit anderen Universitäten der Frage nach, ob das damalige römische Handels- und Verkehrsnetz bis heute europäische Handelsstrukturen beeinflusst haben könnte.

Dr. Allard Mees (RGZM) ist Mitentwickler der RGZM-Datenbank und bemerkt zur Bedeutung der Funde und deren Datenerhebung: „Diese umfassende Datengrundlage ermöglicht nicht nur die Modellierungen antiker Verkehrswege, sondern vor allem welche davon in diesem System die tatsächlich genutzten Handelswege waren. Da wir wissen, dass Terra Sigillata in der gesamten römischen Welt in großen Mengen verkauft wurde, war es für unsere Forschungszwecke von vorneherein bestens geeignet.“ Wie zusammengesetzte Puzzleteile gewähren rund 250.000 europaweit digital erfasste Töpferstempel auf römischem Geschirr Einblick in frühe Handelsstrukturen des Römischen Reiches.

Über 4000 Fundorte sind Beleg für ein funktionierendes Vertriebssystem 

Der genaue Verlauf der damaligen Handelsrouten kann anhand der Töpferstempel der Produktionsstätten, dem jeweiligen Fundort der Gefäße sowie der flächendeckenden Verbreitung nachvollzogen werden. Die Forschenden können, unterstützt von Geo-Informationssystemen, anhand spezifischer Merkmale im damaligen und heutigen Handelsnetzwerk nachweisen, dass das römische Straßennetzwerk als Basis für heutige Wirtschaftsstrukturen diente. „Auf Basis von europaweit mehr als 4000 erfassten Fundorte haben wir auch untersucht, inwieweit bestimmte Verbreitungsmuster der Terra Sigillata mit den jeweiligen Transportkosten zusammenhängen, erklärt Dr. Allard Mees und ergänzt „für die europaweite Verbreitung von Terra Sigillata waren hochmodern anmutende Vertriebssysteme zuständig, in dem freie Händler, Handelshäuser und Handelsknotenpunkte eine zentrale Rolle spielten. Schon unsere ersten Untersuchungen deuteten an, dass mancher „Umweg“ tatsächlich auf eine preiswertere Frachtroute zurückging und somit rein wirtschaftliche Kriterien folgte.“

Ein kürzlich erschienener Artikel hierzu in der renommierten Fachzeitschrift "Review of Economic Studies" fasst die Ergebnisse der Zusammenarbeit vom RGZM mit den Universitäten Bayreuth, Braunschweig, Köln und York zusammen.

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