Der Doppeladler – Byzanz und die Seldschuken in Anatolien vom späten 11. bis 13. Jahrhundert

Internationales Symposium der Byzantinischen Archäologie Mainz, 1. bis 3. Oktober 2010
Mainz, Römisch-Germanisches Zentralmuseum

Organisation: N. Asutay-Effenberger und F. Daim

Während der Tagung „Der Doppeladler – Byzanz und die Seldschuken in Anatolien vom späten 11. Bis 13. Jahrhundert“ wurden die verschiedenen Aspekte der Beziehungen zwischen Byzanz und seinen türkischen Nachbarn, den  Rum-Seldschuken, behandelt. Die bewusst interdisziplinär ausgerichtete Konferenz brachte Kunsthistoriker und Archäologen aus den Disziplinen der byzantinischen und türkisch-islamischen Kunst und Archäologie mit Historikern, Philologen und Islamwissenschaftlern zusammen. Somit wurde ein Forum geschaffen, um über die Fragen der interkulturellen Beziehungen zwischen beiden Staaten gemeinsam zu diskutieren. Relevante Kunstobjekte, Ausgrabungsfunde und Schriftquellen aus beiden Kulturräumen wurden  nicht nur erneut diskutiert, sondern zum Teil erstmals bekannt gemacht. Anhand des in fünf Sektionen gegliederten Symposiums konnte deutlich gemacht werden, welche sozialen, kulturellen und künstlerischen Austauschbeziehungen zwischen beiden Kulturen existiert haben und wie auch die Nachbarregionen davon profitieren konnten.

In der ersten Sektion „Byzanz und der Islam“ behandelte Stephan Conermann (Bonn) die Quellenproblematik zur Islamisierung Anatoliens anhand von vier unterschiedlichen Quellenbeispielen und zeigte Wege auf, wie durch Anwendung der narratologischen Methode gesicherte Informationen gewonnen werden können.
Johannes Pahlitzsch (Mainz) legte anschließend an mehreren Quellenbeispielen die relativ spät einsetzende und unterschiedlich wertende Wahrnehmung des Islam seitens der Byzantiner dar.

In der zweiten Sektion „Soziokulturelle Beziehungen zwischen Byzanz und den Seldschuken“ hat zunächst Günter Prinzing (Mainz) für den Zeitraum 1200-1261 die nach jeweils vorherrschenden Konstellation wechselnden Beziehungen zwischen byzantinischen Kaisern und seldschukischen Sultanen anhand der historischen Quellen behandelt.
In seinem prosopographischen Beitrag konnte Rustam Shukurov (Moskau) am Beispiel von Keykavus II. und seiner weitverzweigten Familie erstmals ein klares Bild der seldschukisch-byzantinischen Familienverhältnisse nach 1261 entwerfen.
Şevket Küçükhüseyin (Bamberg) ging in seinem Vortrag auf die vermittelnde und ausgleichende Rolle der Mevlana zwischen seldschukischer Oberschicht einerseits und muslimischer Mittelschicht in Konya andererseits sowie dem christlichen Bevölkerungsteil ein.
Rainer Warland (Freiburg) konnte in seinem Beitrag anhand seiner archäologischen Surveys in Kappadokien eindrucksvoll nachweisen, dass hinsichtlich der Datierung vieler Höhlenkirchen ein radikales Umdenken erforderlich ist.

Der erste Konferenztag wurde mit einem Abendvortrag von Peter Schreiner (Köln/München) abgeschlossen. Er unterzog die Stellung von Byzanz zwischen Kulturkonkurrenz und Leitkultur einer grundsätzlichen Untersuchung.

In der dritten Sektion „Künstlerische und kulturelle Wechselwirkungen zwischen Byzanz, den Seldschuken, dem Kaukasus und dem Westen“ hat Antony Eastmond (London) am Beispiel der mehrsprachigen Inschriften in Ani deutlich gemacht, welche Erkenntnisse hierdurch für die Erhellung der Bevölkerungsstruktur und Besiedlungskontinuität zu gewinnen sind.
Thomas Mathews (Paris) konnte in seiner minutiösen Untersuchung der armenischen Handschrift Jerusalem 2556 ein Skriptorium der Kuropalatissa Marem, der Tochter des Gagik-Abas von Kars, in der Festung Tsamandos nachweisen.
Nina Iamanidze (Paris) hat an Beispielen vorwiegend der Reliefskulptur die Ikonographie des drachentötenden Reiters von den Anfängen bis zu Seldschuken verfolgt und die fehlende Evidenz in Georgien aufgezeigt.
Thomas Dittelbach (Bern) lenkte den Blick auf die bislang noch niemals beachtete Ausstrahlung der seldschukischen Kunst bis in das normannische Sizilien und eröffnete so eine völlig neue Perspektive.

In der vierten Sektion „Aktuelle archäologische Forschungen“ stellte Oluş Arık (Çanakkale) seine langjährigen Untersuchungen auf der Burg von Alanya und in Hasan Kef vor und wies auf viele offene Fragen bezüglich einzelner Gattungen der seldschukischen Kunst hin.
Rüçhan Arık (Çanakkale) präsentierte auf eindrucksvolle Weise die reichen Ergebnisse ihrer dreißigjährigen Erforschung der Palastanlagen von Kubadabad. Es wurde deutlich, dass kein Ort für die Frage nach den seldschukisch-byzantinischen Beziehungen in Kunst und Kultur so exzeptionell ist wie dieser Fundort.
Die während der Grabungen auf der Burg con Alanya gefunden Glasfragmente hat Ömür Bakırer (Ankara) mit Funden an anderen Plätzen verglichen und mit der Frage, byzantinisch oder seldschukisch konfrontiert. Die Notwendigkeit interdisziplinärer Zusammenarbeit ist auch für die Gattung deutlich geworden.
Ali Uzay Peker (Ankara) demonstrierte schließlich mit einem reichen Material die lang zurückreichende Geschichte des Doppeladlermotivs.

In der fünften Sektion „Künstlerische und kulturelle Wechselwirkungen zwischen Byzanz und den Seldschuken“ behandelte Gisela Helmecke (Berlin) die schriftliche und archäologische Quellenlage zur Textilkunst in Anatolien zur Seldschukenzeit.
Neslihan Asutay-Effenberger (Bonn/Berlin) legte anhand schriftlicher und bildlicher Zeugnisse dar, welchen Beitrag die Seldschuken für den Trachtwandel in Byzanz als Vermittler und Anreger geleistet haben.
Arne Effenberger (Berlin) wies nach, dass die Seldschuken das Bild der Viktoria bzw. des Engels bewusst übernommen und als apotropäisches Motiv eingesetzt haben.
Osman Eravşar (Konya) stellte den kürzlich in der Akşehir Camii entdeckten und aus zahlreichen Schmuckobjekten bestehenden seldschukischen Schatz vor, der noch einer wissenschaftlichen Bearbeitung bedarf.
Den Abschluss dieser sehr ertragreichen und anregenden Tagung bildete ein von Arne Effenberger vorgetragenes Resumée.

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