Neues aus der Forschung 

Restaurierte Schauseite des Henkels der zweiten Kanne aus dem Grab der »Königin« (»Tomba della Regina« ) von Sirolo-Numana mit Palmettenattasche. Foto: RGZM / E. Esmen

Löwenkopf einer archaischen Löwenkanne aus dem Grab der »Königin« (»Tomba della Regina« )von Sirolo-Numana. Foto: RGZM / E. Esmen

Der am RGZM restaurierte Henkel einer Löwenkannen aus dem Grab der »Königin« (»Tomba della Regina« ) mit Palmenattasche und Reste des Bronzegefäßes. Foto: RGZM / E. Esmen

Der Henkel einer Löwenkanne aus dem Grab der »Königin« (»Tomba della Regina«) von Sirolo-Numana vor und nach der Restaurierung. Fotos: RGZM / R. Müller, I. Vollmer

Der Henkel einer Löwenkanne aus dem Grab der »Königin« (»Tomba della Regina«) von Sirolo-Numana vor und nach der Restaurierung. Fotos: RGZM / R. Müller, I. Vollmer



Bankettgeschirr vor 2500 Jahren – so feierte die Elite im 6. Jahrhundert v. Chr.

Gemeinsame Feste – einfach wieder einmal essen, reden und trinken mit Familie oder Freunden – haben wir in den letzten Monaten schmerzlich vermisst. Feiern und Feste prägen nicht nur unsere kulturelle und gesellschaftliche Wirklichkeit, auch in der Vergangenheit wurde ausgiebig und stilvoll getafelt, wie die Metall- und Kreamikgefäße aus dem Fund von Sirolo-Numana aus der Eisenzeit belegen.

Als große Festveranstalterin gilt die sogenannte Königin (‚Regina’) von Sirolo-Numana aus der heutigen Provinz Ancona/Italien. Aus deren üppiger Grabausstattung, die 1989 entdeckt wurde, stammen u.a. diese Bronzekannen, die wegen des Löwenkopfes am oberen Teil des Henkels als »Löwenkannen« bezeichnet werden. Aufgrund ihrer stilistischen Merkmale datieren sie in das 6. Jh. v. Chr. Solche Kannen wurden auf der italischen Halbinsel vor allem in Etrurien nach griechischen Vorbildern hergestellt und waren fester Bestandteil des Bankettgeschirrs der archaischen Eliten, zu denen auch die ‚Regina‘ gehörte. Nun wurden die beiden Löwenkannen im Rahmen eines Forschungsprojektes am RGZM restauriert.

Feine Verzierungen dank Restaurierung wieder freigelegt

In den Restaurierungswerkstätten des RGZMs wurden sowohl die plastischen Teile der Henkel als auch ihre fein gravierte Verzierung herausgearbeitet. Bei einem Exemplar fand man außerdem den verbrannten Ton-Kern des hohlgegossenen Henkels. Obwohl die Gefäßkörper beider Exemplare aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes nicht mehr zu rekonstruieren waren, vermitteln die restaurierten Henkel einen Eindruck des ursprünglichen Aussehens der kostbaren Gefäße und erlauben ihre wissenschaftliche Auswertung. 

Forschung am RGZM zu einem der reichsten Gräber des 6. Jhs. v. Chr. in der europäischen Vorgeschichte 

Vor zwei Jahren übernahm das RGZM – in Kooperation mit dem Polo Museale und der Soprintendenza Archeologia, Belle Arti e Paesaggio der Region Marche – die wissenschaftliche Aufarbeitung des bedeutenden Grabkomplexes der »Regina von Sirolo-Numana«. Er gilt als Schlüsselfund für die Vorgeschichte Europas. Keine andere Bestattung im Mittelmeerraum sowie in Mitteleuropa weist über 1.500 Trachtbestandteile sowie die Deponierung von zwei Wagen, einem prächtigen Trinkgeschirrsatz mit attischer Keramik und Bronzegefäßen und sogar einer griechischen Kline auf. 

Während die Anordnung der Beigaben in der eigentlichen Bestattungsgrube dem einheimischen Ritus folgt, zeigt sich in der sogenannten Bankett-Grube ein anderes Bild: Zahlreiche importierte Beigaben aus unterschiedlichen Regionen waren dort wie für ein Festgelage angeordnet und spiegeln den Einfluss fremder Kulturen wider. 

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