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Die Herausgeber Lutz Grunwald (RGZM) und Matylda Gierszewska-Noszczyńska (Forschungsstelle Kaiserpfalz) in Ingelheim. Foto: Piotr Noszczynski.



Neue Erkenntnisse in interdisziplinärem Tagungsband „Zwischen Machtzentren und Produktionsorten“ revidieren wirtschaftliche Brüche im 5. und 8. Jahrhundert n. Chr.

„Zwischen Machtzentren und Produktionsorten. Wirtschaftsaspekte von der römischen Epoche bis in das Hochmittelalter am Rhein und in seinen Nachbarregionen“ – so lautet der Titel des jetzt erschienenen 45. Bandes der Reihe „RGZM – Tagungen“ aus dem Verlagsprogramm des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie (RGZM). 25 Fachbeiträge aus interdisziplinärer Perspektive thematisieren Herstellungstechniken, Warenaustausch und Transportwege zwischen den Machtzentren und ihrem Umland. Der 420 Seiten starke Band liefert zudem neueste Erkenntnisse zur Keramik-, Glas- und Metallforschung sowie aktuelle Ansätze zu ihrer Chronologie. Die Themenbreite umfasst dabei sowohl historische als auch archäologische Fragenkomplexe.

Betrachtungen zu Wirtschaftsräumen mit ihren vielschichtigen funktionalen Verflechtungen erlauben Rückschlüsse auf den überregionalen Handel vergangener Zeiten und die sozioökonomischen und historisch-kulturellen Lebensumstände einzelner Menschen in ihrem jeweiligen Umfeld. „Wir können durchaus sagen, dass das Wirtschaftsgefüge von damals zu der heutigen europäischen Situation einige gut vergleichbare Mechanismen besaß“, lautet das Resümee von Herausgeber und Archäologe Lutz Grunwald (RGZM). Die in diesem Tagungsband vorgestellten Beiträge bieten zudem einen neuen Ansatzpunkt zur Betrachtung bisheriger Fragestellungen: So hält Herausgeber Grunwald fest, dass für das 5. und das 8. Jahrhundert n. Chr. das bisher gültige Bild von massiven Brüchen revidiert werden muss. „In der betrachteten Region lag eine vielschichtige wirtschaftliche Kontinuität vor, die in diesen Jahrhunderten durch fließende Übergänge ohne massive Umbrüche geprägt war.“

Neben den Regionen um Ingelheim am Rhein und Mayen werden hier weitere Zentralorte wie Köln, Mainz, Trier und Aachen mit Umland in ihrem jeweiligen wirtschaftlichen und sozialen Kontext dargestellt.

Tagungsband bietet Basis für die Fortsetzung wissenschaftlicher Zusammenarbeit

Das Treffen der 130 Expert*innen aus der Archäologie, den Geschichts- und Naturwissenschaften sowie der Kunstgeschichte im November 2018 fand unter dem Titel „Siedlungsräume – Wirtschaftsregionen – Machtzentren“ in Ingelheim am Rhein statt. Ergänzend hierzu trafen sich die Wissenschaftler*innen ein Jahr später zu einer weiteren Tagung in Mayen in der Osteifel zum Thema „Wirtschaftsaspekte in Spätantike und Frühmittelalter“. Der fachliche Austausch soll im Herbst 2022 mit einer weiteren Tagung fortgeführt werden.

„Wir freuen uns sehr über den erschienenen Tagungsband, denn dieser bedeutet nun eine aktuelle wissenschaftliche Basis. Er gibt uns die Chance, den Blick ausgehend von einer europäischen Kernregion am Rhein auf andere Gebiete Europas, wie bei der nächsten geplanten Tagung in Aachen auf Skandinavien zu werfen. Wir haben die Möglichkeit, die erweiterten Erkenntnisse wechselseitig zu vergleichen und so das heutige Landesgrenzen übergreifende Wirtschaftsgefüge in römischer und mittelalterlicher Zeit weiter zu entschlüsseln“, so die Herausgeberin Matylda Gierszewska-Noszczyńska in ihrem Ausblick.

Kooperation Forschungsstelle Kaiserpfalz in Ingelheim und dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum

Zu Beginn der ersten Tagung unterzeichneten die damalige Kulturdezernentin der Stadt Ingelheim am Rhein Irene Hilgert und die Generaldirektorin des RGZM Alexandra W. Busch ein Kooperationsabkommen über die künftige Zusammenarbeit der beiden Institutionen. „Mit der Kooperation bündeln wir unsere Kompetenzen“, erläutert Generaldirektorin Busch die gemeinsame Zielsetzung. „Es ist eine Chance für Ingelheim, die Geschichte unserer Stadt aus einer anderen Perspektive zu betrachten und in einen überregionalen Kontext zu setzen, sowie neue, hier vor Ort gewonnene Erkenntnisse in eine europäische Diskussion zu bringen“, unterstreicht die Ingelheimer Bürgermeisterin Eveline Breyer.

Die Neuerscheinung ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen der Forschungsstelle Kaiserpfalz der Stadt Ingelheim am Rhein und dem in Mayen angesiedelten Kompetenzbereich Vulkanologie, Archäologie und Technikgeschichte des Römisch-Germanischen Zentralmuseums. Die beiden Institutionen hatten bereits im November 2018 einen Kooperationsvertrag unterzeichnet, der mit der gemeinsamen und von der Fritz Thyssen Stiftung geförderten Publikation nun erste Früchte trägt.

Publikation

Gierszewska-Noszczyńska, Matylda und Grunwald, Lutz (Hrsg.): Zwischen Machtzentren und Produktionsorten: Wirtschaftsaspekte von der römischen Epoche bis in das Hochmittelalter am Rhein und in seinen Nachbarregionen, Mainz, 2022 (RGZM – Tagungen, Band 45).
ISBN 978-3-88467-346-1  |  Printausgabe: € 69,–

Der Tagungsband erscheint zeitgleich mit der Printausgabe open access bei Propylaeum eBOOKS: https://doi.org/10.11588/propylaeum.996
  

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