Neues aus der Forschung 

Neueste Untersuchungen im Nordwesten Simbabwe zeigen, dass die dortigen Siedelungen wie hier in Mtoa / Hwange Districtälter sind, als bislang angenommen.

Great Zimbabwe, die bekannteste Siedlung der Simbabwe-Kultur zeichnet sich durch ihre außergewöhnliche Steinarchitektur aus, die sich ohne externe Einflüsse entwickelte , Foto: Munyaradzi Elton Sagiya



Simbabwe-Kultur ist älter und deutlich weiter verbreitet als bisher angenommen

Die eisenzeitliche-frühhistorische Simbabwe-Kultur, die seit 1050 n. Chr. 800 Jahre im südlichen Afrika existierte, zeichnet sich vor allem durch ihre außergewöhnliche Steinmauerarchitektur aus. Während mittlerweile bekannt ist, dass die Kultur sich ohne externe Einflüsse entwickelte, zeigen neueste Untersuchungen von Forschenden der University of Zimbabwe (Harare, Simbabwe) und des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie (RGZM), dass die Kultur auch einen deutlich größeren Raum einnahm, als bislang angenommen. Ein Vorbericht der Studien, die von der Volkswagenstiftung finanziert wurden, erschien open access in der Fachzeitschrift Antiquity.

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Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wird die Simbabwe-Kultur erforscht. Das große Interesse, sowohl von Seiten der Wissenschaft wie auch der Öffentlichkeit, ist vor allem auf die verblüffende Steinmauerarchitektur an der Hauptausgrabungsstätte Great Zimbabwe in der Nähe des heutigen Masvingo zurückzuführen. Lange Zeit gingen Laienforscher davon aus, dass diese Überreste von Nicht-Afrikanern errichtet wurden, später wurde von archäologischer Seite vermutet, dass externe Kontakte über das Handelsnetz des Indischen Ozeans die frühe Staatenbildung ermöglicht hätten. In den vergangenen zehn Jahren konnten Archäologen nachweisen, dass einige Fundplätze sicher vor die Zeit der ältesten Handelsstützpunkte an der Küste datieren. Sie belegen somit, dass die Simbabwe-Kultur im südlichen Afrika ohne äußere Einflüsse entstand.

Untersuchungen im Nordwesten Simbabwes bringen neue Erkenntnisse

„Meine Kollegin Dr. Plan Shenjere-Nyabezi hat Prospektionen und Ausgrabungen im Nordwesten des modernen Staates Simbabwe durchgeführt, einem Gebiet, das mit dem vorkolonialen Staat Nambya in Verbindung gebracht wird. Dabei konnte sie nachweisen, dass auch hier die Steinarchitektur älter ist als bisher angenommen. Diese Siedlungen müssen sich mehr oder weniger zeitgleich mit Great Zimbabwe entwickelt haben“, erklärt Professor Dr. Detlef Gronenborn, Archäologe am RGZM. „Diese neuen Informationen zeigen, dass die Simbabwe-Kultur ein im südlichen Afrika ausgedehntes frühstaatliches Phänomen darstellt, dass fast die gesamte Fläche des modernen Staates Simbabwe umfasst“.

Gronenborn erforscht am RGZM frühe Siedlungskonzentrationen wie etwa den Kapellenberg bei Hofheim im Taunus. Anhand von Vergleichen solcher manchmal sehr plötzlichen Dynamiken über weit auseinanderliegende Zeiträume und in unterschiedlichen Naturräumen möchte er die ausschlaggebenden Faktoren verstehen, die sowohl zur Entstehung solcher Systeme wie auch deren Ende beitrugen.

Die Kooperation mit Dr. Plan Shenjere-Nyabezi von der University of Zimbabwe läuft bereits seit 2013 und umfasste zunächst Forschungen zur traditionellen Rinderhaltung. Seit 2018 konzentrieren sich die Studien auf die späteisenzeitlichen und frühhistorischen archäologischen Fundplätze im Nordwesten Simbabwes.

Der Vorbericht erschien online und open access in der Fachzeitschrift Antiquity:

P. Shenjere-Nyabezi/D. Gronenborn, The Zimbabwe Culture and the development of the Nambya state in north-western Zimbabwe. Antiquity, 2021, 1–8.
https://www.doi.org/10.15184/aqy.2021.159