Emmy Noether - Nachwuchsgruppe SEA FRONT: Muschelschalen als Klimaarchiv

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert im Rahmen ihres Emmy Noether -Programms eine neue Forschungsgruppe von exzellenten Nachwuchswissenschaftlern am RGZM, die verschiedene Theorien in der Archäologie über die Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt mit einer jahreszeitlichen Perspektive verifizieren möchte. Die Nachwuchsgruppe erhält für sechs Jahre eine Fördersumme von rund 1,6 Millionen Euro und startet ab Februar 2021 unter der Leitung von Dr. Niklas Hausmann. Hausmann ist Küstenarchäologe und auf die Analyse hochauflösender Klimaarchive in Muschelschalen spezialisiert.

Wie sehr Menschen in der Vergangenheit vom Wetter abhängig waren und wie Menschen auf extreme Wetterverhältnisse reagiert haben sind wichtige Fragen innerhalb der Archäologie. Die Schwierigkeit diese Fragen zu beantworten liegt oft daran, dass klimatische Informationen und archäologische Informationen oft unabhängig von einander gefunden werden und auf verschiedenen Zeitskalen agieren.

Die neue Emmy-Noether-Gruppe wird sich mit diesem Problem befassen und durch den Einsatz von archäologischen Muschelfunden, eine neue klimatische Perspektive erforschen, die es ermöglicht kurzzeitige Wetterverhältnisse zu studieren, die vor Ort und im archäologischen Kontext stattgefunden haben.

"Dadurch dass Muscheln ihre Schalen täglich wachsen und ihre chemische Zusammensetzung von klimatischen Bedingungen abhängt, erlangen wir durch geochemische Analysen eine gute Einsicht in sehr kurzzeitige Wetterbedingungen, die von Klimaarchiven, die mit einer Auflösung von Jahrzehnten oder Jahrhunderten arbeiten, nicht identifizierbar sind, aber sehr wohl für Menschen in dieser Zeit bemerkbar waren", erläutert Hausmann.

Die Emmy-Noether Gruppe nutzt und untersucht Muschelschalen, die in archäologischen Fundstellen als Essensreste vorkommen und daher sehr gut in den Kontext der archäologischen Informationen eingegliedert werden können.

Basierend auf der Intensität und Häufigkeit von schlechten Wetterverhältnissen in den Aufzeichnungen der Muscheln, und ihren archäologischen Kontexten, wird die Gruppe sich zusammen mit internationalen Spezialisten die Ausbreitung jungsteinzeitlicher Farmer im Mittelmeerraum genauer ansehen und die Rolle, die das Klima hierbei gespielt hat, neu evaluieren.

Das Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ermöglicht herausragenden jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die eigenverantwortliche Leitung einer Nachwuchsgruppe an einer Hochschule oder Forschungseinrichtung in Deutschland.

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