Künstliches Becken/Zisterne auf der Akropolis (Foto: RGZM / Constanze Röhl).

Frühling auf der Akropolis (Foto: RGZM / Constanze Röhl).

Spolie in eine Kirche nahe Caričin Grad (Foto: RGZM / Constanze Röhl).

Blick von der Akropolis auf die Radanberge (Foto: RGZM / Constanze Röhl).

Ansicht der Akropolis von Norden (Foto: Dr. Vujadin Ivanisevic).

Grabungskampagne des Instituts für Archäologie Belgrad im Sommer 2013 (Foto: RGZM / Rainer Schreg).



Das kurze Leben einer Kaiserstadt – Alltag, Umwelt und Untergang des frühbyzantinischen Caričin Grad (Iustiniana Prima?)

Bereits seit mehr als 100 Jahren beschäftigen sich archäologische Forschungen, zuletzt seit 1978 das Institut für Archäologie Belgrad und die École française de Rome, mit der aktuell auf der Tentativliste der Unesco geführten Stätte Caričin Grad im südöstlichen Serbien. In den Ruinen der frühbyzantinischen Anlage, die neben den klassischen Elementen einer antiken Stadt wesentlich durch das Vorhandensein von acht sakralen Bauten geprägt ist, wird anhand des Abgleichs mit byzantinischen Textquellen der durch Kaiser Justinian neu gegründete Bischofs- und Verwaltungssitz Iustiniana Prima vermutet.

Mit einer Belegungsdauer von knapp 90 Jahren, von ca. 530 bis ca. 615 n. Chr., fokussiert der Ort eine kurze Zeitspanne intensiver Nutzung, deren Relikte zudem frei von Störungen durch spätere Überbauungen blieben. So bietet Caričin Grad ideale Bedingungen, um eine Stadt am Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter, und die mit einem solchen kulturellen Umbruch verbundenen komplexen Fragestellungen zu untersuchen. Ziel des Projektes ist es daher, Aspekte von Wirtschafts-, Umwelt- und Sozialgeschichte des Ortes zu rekonstruieren.

Dabei stehen zwei Themenkomplexe im Vordergrund. Zum einen handelt es sich um den Bereich ’Haushalt, Konsum und Alltag in Caričin Grad’. Für diesen ist geplant, als exemplarisch angesehene, primär domestisch genutzte Gebäudeeinheiten bezüglich Ernährung, Produktionsverfahren, Arbeitsabläufen und Aktivitätszonen zu beproben und zu Fragen nach Versorgung, Organisation und ihrer Rolle in Produktion und Ernährung auszuwerten.

Zum anderen soll im Bereich ’Ressourcen zum Bau und zur Versorgung der Stadt’ mittels einer Analyse der im Umfeld zur Verfügung stehenden Ressourcen sowie einer Berechnung des Materialverbrauchs und Einschätzung des Bauaufwands anhand einer vorhandenen 3D-Rekonstruktion der Stadt geklärt werden, welche Ressourcen für den Bau der Stadt nötig waren und wie ihre Versorgung funktionierte. Die Prospektion von Geoarchiven und die Einschätzung des Landnutzungs- potenzials im Umland der Stadt dient der Rekonstruktion von Agrarwirtschaft und Hortikultur.

Die Zusammenführung dieser Themenkomplexe soll, da diese sowohl Umweltfaktoren als auch Gesellschaft beinhaltet, ein Bild von Caričin Grad im speziellen und des Begriffes Stadt im Allgemeinen als Humanökosystem entwerfen. Das Projekt Caričin Grad soll so zur Etablierung einer umwelthistorischen Perspektive auch über die Laufzeit des Vorhabens hinaus dienen.

Förderung

Leibniz-Gemeinschaft