Neues aus der Forschung 

Digitale Visualisierung der jungsteinzeitlichen Höhensiedlung auf dem Kapellenberg bei Hofheim/Ts. Dargestellt wird die Hauptbelegungszeit zwischen 3800 und 3600 v. Chr. Die Szene „spielt“ im September an einem sonnigen Vormittag. Bild: © Magistrat der Stadt Hofheim; Römisch-Germanisches Zentralmuseum; Architectura Virtualis.



Digitale Rekonstruktion zeigt Lebensbild einer jungsteinzeitlichen Höhensiedlung vor 6000 Jahren

Nach zehnjährigen Forschungen auf der jungsteinzeitlichen Höhensiedlung Kapellenberg bei Hofheim/Ts. ist es gelungen, die Hauptbelegungszeit der gesamten Wallanlage, die zwischen 4100 und 3500 v. Chr bestanden hatte, zu rekonstruieren. Es ist die Zeit der Michelsberger Kultur, eine Periode in der mitteleuropäischen Jungsteinzeit. Basierend auf bisherigen Fundergebnissen wurde eine digitale Rekonstruktion der Besiedlung zwischen 3800 und 3600 v. Chr. erstellt, als innerhalb der Befestigung Häuser standen. In den nächsten Monaten soll nun ein archäologischer Rundweg das Leben auf dem Kapellenberg vor 6000 Jahren erfahrbar machen.

Wissenschaftler und Experten verschiedener Fachrichtungen am Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM), der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz, der hessenARCHÄOLOGIE in Wiesbaden und der Goethe-Universität in Frankfurt am Main waren an der Rekonstruktion beteiligt und geben Antwort auf Fragen: Wie hatte damals der Kapellenberg ausgesehen, wie die Wallanlagen und Häuser, wie viel Wald gab es, wurde Landwirtschaft betrieben und wenn ja, was wurde angebaut und wie viele Rinder wurden gehalten? Nun werden die bisherigen Daten und Ergebnisse sowie deren kulturhistorische Bedeutung anhand dieser Rekonstruktion präsentiert.

 „Alle Details im Lebensbild sind mit wissenschaftlichen Inhalten unterfüttert. Im Idealfall stammen die Daten aus den mittlerweile 10 Jahre währenden Forschungen. Wo das nicht möglich war, wurden Informationen aus anderen Grabungen herangezogen“, erläutert der Projektleiter aus dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum, Professor Detlef Gronenborn, die Rekonstruktion . Im Rahmen einer Pressekonferenz der Stadt Hofheim präsentierte er mit den Kooperationspartnern die Ergebnisse der langjährigen Forschungen und fährt fort: „Die Bewohnerzahl ist geschätzt, folgt aber den Erkenntnissen der Grabungen im Innenraum seit 2014 zur Bebauungsdichte. Demzufolge dürften etwa 900 Personen im Innenraum gelebt haben. Ein Teil der Häuser war nicht mehr bewohnt, wohl weil einige Familienverbände fortgezogen waren.“

 "Die dunklen Flecken in der offenen Landschaft zeigen Stellen, die durch gezielte Feuerlegung offen gehalten wurden (...)"

Das entspricht dem typischen Siedlungsbild in jener Zeit, in der die Dörfer nur in kurzfristigen Zyklen von wenigen Jahrzehnten angelegt und dann verlegt wurden. Hintergrund für diese Siedlungsweise war die Wirtschaft: Neben dem Anbau von Getreide wurde vor allem Viehzucht betrieben und die Herdenhaltung brachte eine größere Mobilität mit sich. Diese Herdenhaltung machte es auch notwendig, die Landschaft offen zu halten und den Wald durch gezielte Feuer zurückzudrängen.

„Auf diesen offenen Flächen konnte dann das Vieh weiden. Ein solches  Wirtschaftssystem ist in Europa historisch nicht mehr dokumentiert, wurde und wird aber in Ostafrika in ähnlicher Form praktiziert. Die dunklen Flecken in der offenen Landschaft zeigen Stellen, die durch gezielte Feuerlegung offen gehalten wurden, auf denen das Vieh stand und auch Felder angelegt wurden“ so Gronenborn zu den Hintergründen.

Die Wallanlage konnte in den Grabungen 2008 und 2012 detailliert erfasst werden. Der Archäologe fährt fort und erläutert, dass die Rekonstruktion die zweite Ausbauphase mit einem etwa 1,50 m hohen Wall und einer niedrigen Palisade zeigt. Die Zahl der Bäume im Innenbereich beruht auf Vermutungen, jedoch wären kleine Felder anzunehmen, da an dieser Stelle Bohrungen noch ausreichend gute Böden nachgewiesen haben.  Ansonsten würden die Felder unterhalb der Höhe liegen, wo auf historischen Aufnahmen Streuobstwiesen auch Felder zu sehen sind. Weitere Grabungen werden 2019 Detaillierteres zur Innenbebauungen der Wallanlage erforschen.

Zehn Jahre Forschung auf dem Kapellenberg in Hofheim/Ts. 

Seit 2008 gräbt das Römisch-Germanische Zentralmuseum und der Arbeitsbereich Vor- und Frühgeschichte des Instituts für Altertumswissenschaften der Johannes-Gutenberg Universität in Mainz in Zusammenarbeit mit der hessenARCHÄOLOGIE, unterstützt von der Stadt Hofheim, am Kapellenberg in Hofheim. Gefördert von der Stiftung Flughafen werde der archäologische Rundweg mit Infotafeln und Stelen in Kürze angelegt  und in den Regionalpark Rhein-Main integriert, äußerte sich die Bürgermeisterin Gisela Stang zur Frage nach weiteren Plänen an dem Projekt.

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