Zusammengesetzter Läufer eines Krafmühlsteins aus dem Hanghaus 2 in Ephesos. (Foto: RGZM / S. Wefers)



Werkstätten und Handel im Byzantinischen Reich

Am RGZM besteht eine lange Forschungstradition im Bereich der materiellen Hinterlassenschaften der Spätantike und des Byzantinischen Reiches sowie seiner Nachbarkulturen. Sie lässt sich bis zum Wirken von Prof. Dr. Wolfgang Fritz Volbach, geschäftsführender Direktor von 1953 bis 1958, zurückverfolgen und wurde vor einigen Jahren vor allem durch die Forschungen von Dr. Mechthild Schulze-Dörrlamm und Dr. Dieter Quast wieder intensiviert.

Mit der Einrichtung der Byzantinischen Archäologie Mainz (BAM) im Jahr 2005 wurde ein erster Schritt unternommen, diese Forschungslücke zu schließen, indem die einschlägigen Fachgebiete in Mainz unter dem Dach einer interdisziplinären Kooperation verbunden wurden. Diese Initiative bildete die Basis für die erfolgreiche Gründung des »WissenschaftsCampus Mainz: Byzanz zwischen Orient und Okzident« im Jahre 2011.

Bereits 2009 wurde auf der Grundlage der BAM und bisheriger hauseigener Vorarbeiten der interdisziplinäre Forschungsschwerpunkt »Forschungen zur Byzantinischen Archäologie« am RGZM etabliert. Da sich die grundlegenden Forschungen mittelfristig vor allem mit Technikgeschichte und Handwerk beschäftigen, hat der Schwerpunkt seit 2011 mit dem Fokus auf »Werkstätten und Handel« ein schärferes Profil erhalten hat. Die Projekte im Schwerpunkt konzentrieren sich auf die Erforschung der Ökonomie im Kerngebiet des Byzantinischen Reiches. Anhand von konkreten Befunden bzw. Fundplätzen sowie auf der Grundlage ausgewählter Objektgruppen werden wirtschafts- und damit untrennbar verbundene sozialgeschichtliche Fragestellungen verfolgt. Neueste naturwissenschaftliche Methoden sollen Einblicke in lokale Werkstatttraditionen, die Beschaffung der Rohmaterialen und den Handel mit den Fertigprodukten bringen. Ein weiterer Fokus wird auf die Technikgeschichte des Byzantinischen Reiches gerichtet. Im Zusammenhang mit dem Techniktransfer in die Regionen jenseits der Reichsgrenzen lassen sich darüber hinaus die wirtschaftlichen Beziehungen von Byzanz mit den Kulturen im näheren und weiteren Umfeld analysieren.